Musik, Malerei und Öffentlichkeit in Lichtensteig

Bis zum 1. November öffnen 240 Künstlerinnen und Künstler die Türen zu den Ostschweizer Ateliers, darunter auch Artur De Sousa.

Sascha Erni
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Das Atelier von Artur De Sousa war am Samstag und heute Sonntag fürs Publikum zugänglich.

Das Atelier von Artur De Sousa war am Samstag und heute Sonntag fürs Publikum zugänglich.

(Bild: Sascha Erni)

«Das ist so überhaupt nicht mein natürliches Umfeld», erzählt Artur De Sousa im Vorgespräch. «Das wird wie ein Blind Date.» Dann lacht er. Am Wochenende öffnete er in Lichtensteig bei der Aktion «*5stern offene Künstlerateliers» die Tore seiner Werkstatt.

Experiment realisiert

Inklusive einer Kollaboration: Als Experiment hat er die Jazzmusikerin Angie Taylor eingeladen. Die Bassistin und Musikkünstlerin soll fast neun Stunden zu seinen Arbeitsschritten und dem entstehenden Gemälde improvisieren, umgekehrt will er sich von Taylors Musik inspirieren lassen.

Angie Taylor improvisierte fast neun Stunden lang zum in Entstehung begriffenen Gemälde von Artur De Sousa.

Angie Taylor improvisierte fast neun Stunden lang zum in Entstehung begriffenen Gemälde von Artur De Sousa.

(Bild: Sascha Erni)

«Wenn ich arbeite, höre ich normalerweise klassische Musik», erzählt er. Nun also Free Jazz und Electronica? Er nickt. Er freue sich auf die Performance, diese ungewohnte Kombination aus Öffentlichkeit, Musik und Malerei. «Das macht Kunst für mich aus», sagt er, «diese Symbiose mit Anderen und mit Anderem.» Beats und Pinselstriche treffen aufeinander.

Sitzgelegenheiten, Suppe und Spaghetti für die Besucher

Für den Anlass hat De Sousa die Staffelei aus dem Nebenraum in den Konzertsaal der «Behind-the-Bush»-Scheune an der Thur verschoben. Mit etwas Abstand hat sich auch Angie Taylor eingerichtet: Da steht ein Theremin, unzählige kleine und grosse Effektgeräte sind auf einem Tisch angeordnet, eine Looping-Station und natürlich ihre Bassgitarre dürfen auch nicht fehlen.

Regelmässige Pausen sind bei fast neun Stunden Kunstperformance essenziell

Regelmässige Pausen sind bei fast neun Stunden Kunstperformance essenziell

(Bild: Sascha Erni)

Dazwischen und drum rum laden Sitzgelegenheiten die Besucher zum Verweilen ein. Artur De Sousa hat für alle Gäste gekocht – Suppe und Spaghetti, dieselbe Art Gericht, das er zubereitet, wenn er alleine arbeitet. Trotz dem experimentellen Charakter sollen die Besucherinnen und Besucher Einblick in seine übliche Arbeitsweise erhalten.

Die Musik beeinflusst den Maler

Schwere Beats erfüllen die Scheune, Angie Taylor legt Klänge und Geräusche darüber, bis die Musik wie per Zufall Struktur erhält. Artur De Sousa bemerkt, wie ihn die Musik beeinflusst.

«Es ist lustig wenn ich zu Mozart male, habe ich einen ganz anderen Rhythmus. Der Beat führt regelrecht meinen Pinsel.»

Er sei erstaunt, wie schnell er vorwärtskomme, erzählt er in einer Pause. Bereits nach einer Stunde konnte er die Grundidee des Gemäldes fassen, nun erweitert und verändert er es, so wie auch Taylors Musik sich verändert.

Was auf den ersten Blick unkontrolliert wirkt, erweist sich bei genauerem Hinsehen als ein komplexer, hoch konzentrierter kommunikativer Akt zwischen Künstlerin und Künstler. Die Besucherinnen und Besucher sitzen zurückgelehnt in den Sesseln, beobachten und lauschen.

«Corona hat mich nicht direkt betroffen, ich arbeite sogar mehr als sonst. Aber auch ich vermisse langsam die ganzen Konzerte.»

Andere unterhalten sich, viele tanzen – was ganz im Sinne von Artur De Sousa ist.

Schwerpunkt Rapperswil, aber viel im Toggenburg

Unter dem Dach «*5stern offene Künstlerateliers» laden bereits zum fünften Mal Kunstschaffende aus der Ostschweiz in ihre Ateliers ein. Dieses Jahr nehmen ganze 240 Künstlerinnen und Künstler teil, aufgrund der Coronapandemie über einen längeren Zeitraum als die Jahre zuvor: Vom 28. August bis 1. November sind die verschiedenen Arbeits- und Kunsträume gestaffelt für Interessierte geöffnet.

2020 steht zwar Rapperswil-Jona im Fokus, aber auch diesseits des Ricken sind Gäste sehr willkommen. Von Bütschwil bis St. Peterzell, von Lichtensteig und Wattwil bis Mogelsberg, von Ebnat-Kappel bis ­Mosnang und Hemberg: Neugierige finden im Toggenburg durchaus Kunstschaffende, welche die Begegnung mit der Öffentlichkeit nicht nur nicht scheuen, sondern wirklich schätzen. Weitere Informationen und das Programm findet man unter www.fuenfstern.com.