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Müselbacher Schulglocke läutet doch wieder

Ein Jahr nach der vermeintlich endgültigen Schliessung des Schulhauses kommt wieder Leben in die Räume. Die «Bullerbü-Schule» zieht ein. Die Verantwortlichen erklären, dass jedes Kind als Individuum beschult werden soll.
Cecilia Hess-Lombriser
Patrick Hanhart, Mitglied Verein Bullerbü-Schule, Eva Anna Barucki, Lehrerin und Schulleiterin, und Lotty Wohlwend, Präsidentin des Trägervereins, (von links) informieren über das neue Angebot. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Patrick Hanhart, Mitglied Verein Bullerbü-Schule, Eva Anna Barucki, Lehrerin und Schulleiterin, und Lotty Wohlwend, Präsidentin des Trägervereins, (von links) informieren über das neue Angebot. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

«Eine Zeitspanne geht für immer zu Ende», war Mitte Juli des vergangenen Jahres in dieser Zeitung zu lesen, als die Schliessung des Schulhauses Müselbach bevorstand. Der Titel des Artikels: «Ohne Läuten ist es mäuschenstill».

Doch nun kommt es anders. Eine Reihe von Ereignissen hat zur Gründung der «Bullerbü-Schule» geführt, die das Schulhaus wiederbeleben und die Schulglocke wieder zum Läuten bringen wird. Selbst die Zusammenfassung dieser Ereignisse fällt nicht kurz aus: Ordnungen haben sich aufgelöst, Missverständnisse und Meinungsverschiedenheiten spalteten eine Weggemeinschaft, an einem anderen Ort sollte eine Klasse aufgelöst werden, Eltern wollten für ihre Kinder die beste Schule, eine Lehrerin war bereit, dieses Ziel zu erfüllen und zufällig wurde das Schulhaus Müselbach frei.

Turbulenzen und neue Wege

Im grössten Raum des Schulhauses geben die Verantwortlichen Einblick in die Entstehungsgeschichte der «Bullerbü-Schule» und in die Schule, die Kopf, Herz und Hand anspricht und eine entspannte Lernatmosphäre bieten will. Auskunft geben Eva Anna Barucki, Schulleiterin und Waldorfpädagogin, Lotty Wohlwend, Präsidentin des Vereins Bullerbü-Schule, und Patrick Hanhart, Mitglied des Trägervereins und Betriebsökonom. Wohlwend und Hanhart waren als Eltern Teil der Rudolf-Steiner-Schule in Wil. Bis zur Ankündigung, dass diese geschlossen werden soll. Sie hatten gemeinsam mit anderen Eltern nach Lösungen gesucht, die Wiler Schule zu erhalten. Missverständnisse und Emotionen führten allerdings zu einer Spaltung der damaligen Weggemeinschaft.

Ein Teil der Eltern, die den Kindern zuliebe zusammenbleiben wollten, fand an der Privatschule «Gemeinsam Lernen» in Dicken eine vorläufige Lösung. Barucki unterrichtet diese Stufe. Die Eltern wollten sie als Lehrerin für ihre Kinder behalten und diese wieder näher bei Wil beschulen lassen. Zum richtigen Zeitpunkt erfuhr die Elterngruppe vom leer stehenden Schulhaus in Müselbach. Die Gemeinde Kirchberg zeigte sich erfreut, dass das Schulhaus als Teil des Dorfes erhalten bleibt und unterstützte die Initiative von Anfang an.

«Für uns ist bereits klar, dass die ‹Bullerbü-Schule› am Herbstmarkt des Dorfes mitmachen möchte. Wir werden weitere Jahresfeste feiern, zu denen die Müselbacher eingeladen sind», verspricht Barucki. Das ist Teil der Werte und Grundlagen der Schule, die sich an die Pädagogik von Rudolf Steiner anlehnt und sich an den Lernzielen des St. Galler Lehrplans Volksschule orientiert: «In einem festen, klaren Jahresrhythmus, gefüllt mit Ritualen, Strukturen und Lernelementen gehen die Kinder ihren Weg aus den Kinderschuhen heraus ins Leben, sorgsam Schritt um Schritt, Tag für Tag, Woche um Woche.»

Bildungsdepartement hat Bewilligung erteilt

Die Dorfvereine und die «Chrabbelgruppe» sollen das Schulhaus weiterhin nutzen dürfen. Damit ist die «Bullerbü-Schule» von Beginn weg Teil des Dorfes. Gemeindepräsident Roman Habrik sagt: «Aus Sicht der Gemeinde wird es begrüsst, dass durch die Eröffnung der Schule in Müselbach zusätzlich Leben ins Dorf einzieht. Da das Gebäude nach wie vor in der Zone für öffentliche Bauten steht, kamen und kommen nicht viele Mieter in Frage. Jede Schule braucht eine Bewilligung des Bildungsdepartements. Ansonsten gibt es keine speziellen Vorgaben der Gemeinde.»

Diese Bewilligung liege vor, wie Barucki bestätigt. «Unser Schulkonzept gilt von der Spielgruppe bis zur dritten Oberstufe und wurde Ende April nach intensiver Prüfung vom Erziehungs-departement genehmigt. Es wird regelmässig von der Aufsicht evaluiert. Der Übertritt in die Regelklasse muss jederzeit möglich sein.»

Die Stellenanzeige für zusätzliche Lehrkräfte an der neuen Schule ist ebenfalls auf der Website des Kantons St. Gallen aufgeschaltet. «Im Moment ist es schwierig, jemanden einzustellen, weil noch nicht klar ist, wie viele Kinder angemeldet werden», sagt Barucki. Eine Fachlehrerin ist allerdings bereits angestellt und die Bewerbungsverfahren für die Kindergärtnerin und den Mittel-und Oberstufenlehrer gehen in die letzte Runde.

Bei einer privaten Schule müssten die Eltern Schulbeiträge bezahlen. Der einzige feste Tarif der «Bullerbü-Schule» ist jener der Spielgruppe, wie er auf der Website www.bullerbue.ch kommuniziert wird. «Mit einem entsprechend dem Einkommen und der Anzahl Kinder abgestuften Schulgeld sollen sich alle Familien die Schule leisten können. Das Schulgeld deckt die Ausgaben der Schule wie Löhne, Miete und Materialien», informieren die Verantwortlichen.

Wohlwend hält zudem fest, dass die Schule für sie als Alleinerziehende wichtig sei, denn dank der Rudolf-Steiner-Schule in Wil, wo ihre älteren Kinder die ganze Schulzeit durchlaufen haben, und dank der «Bullerbü-Schule» für ihren Jüngsten, könne sie ihrer Arbeit nachgehen. Hanhart erwähnt in Bezug auf die Kosten einen weiteren Punkt: «Das Schulgeld kann im Kanton St. Gallen von den Steuern abgezogen werden.» Erste unverbindliche Aufnahme- und Finanzgespräche hätten bereits mit Eltern stattgefunden.

«Unsere Schule ist ein Ort für jedes Kind; eine kleine Dorfschule mit kleinen Klassen und dem Mehrklassenprinzip, wo jedes Kind als Individuum wahrgenommen und entsprechend beschult wird», sagt die Präsidentin zur Frage, warum Eltern die «Bullerbü-Schule» wählen. Eine Konkurrenz zur Rudolf-Steiner-Schule in Wil sei sie nicht, sondern eine Ergänzung.

«Bullerbü» steht für unbeschwerte Kindheit

Zwei öffentliche Informationsveranstaltungen haben bereits stattgefunden. Das Interesse sei erfreulich gewesen und persönliche pädagogische Gespräche hätten stattgefunden. «Da wir die vorgegebene Mindestzahl von sechs Schülerinnen und Schüler erreicht haben, starten wir im Sommer auf jeden Fall», informieren die Verantwortlichen. Zur Sicherheit der Kinder und zur Entlastung der Eltern fährt jeden Morgen ab Wil der private Schulbus zur «Bullerbü-Schule».

Der Name Bullerbü entstand, weil Barucki sich als erstes an dieses klassische Buch erinnerte, nachdem sie nach ihrem liebsten Kinderbuch gefragt worden war. «Das Buch erinnert mich und vielleicht auch andere an die liebevoll erzählten Geschichten unserer Eltern und damit auch an eine schöne und unbeschwerte Kindheit. Dies ist mein eigentlicher Impuls; den Schülerinnen und Schülern eine gesamtheitliche Bildung und unbeschwerte Schulzeit zu ermöglichen», sagt Barucki, deren ältester Sohn im Sommer die Spielgruppe der «Bullerbü-Schule» besuchen wird.

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