Ohne Läuten ist es mäuschenstill

Frohes Lachen und emsiges Treiben herrschten am Freitag vor den grossen Sommerferien im und rund ums Schulhaus Müselbach. Nichts deutete darauf hin, dass es der letzte Schultag hinter den roten Fensterläden war.

Peter Künzle
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Die zehn letzten Schülerinnen und Schüler aus Müselbach mit ihrer Lehrerin Vreni Winiger vor ihrem Schulhaus. Sie werden den Fussballplatz vermissen, sagen sie. (Bild: PD)

Die zehn letzten Schülerinnen und Schüler aus Müselbach mit ihrer Lehrerin Vreni Winiger vor ihrem Schulhaus. Sie werden den Fussballplatz vermissen, sagen sie. (Bild: PD)

Seit 1865 gab es in Tannen eine Schule, die auch von den Müselbacher Kindern besucht wurde. In einem Schulzimmer wurden damals 80 bis 100 Schulkinder von der ersten bis zur siebten Klasse von nur einem Lehrer unterrichtet. Für die achte Klasse, das war damals die zweite Abschlussklasse, fehlte vorerst der Platz. 1904 wandten sich die Müselbacher an den zuständigen Schulrat mit der Bitte, für die Müselbacher doch ein eigenes Schulhaus zu errichten.

Nach der Zustimmung des Pfarrers, der auch Schulratspräsident war, herrschte in Müselbach Euphorie über dessen Entscheid. Viel Geld wurde gesammelt und gespendet. Zimmermeister Engelbert Weber aus Kirchberg zeichnete einen Bauplan mit einem Schulzimmer für 80 Schulkinder. Nach langem Hin und Her war es 1912 der Erziehungsrat, welcher jedoch das Begehren der Müselbacher ablehnte. 1928 war es aber der kantonale Erziehungsrat, der die Erstellung eines katholischen Schulhauses in Müselbach verlangte, um die Schule Tannen zu entlasten. Die Schulgemeinde Kirchberg scheute jedoch die hohen Kosten. Erst nach Zusage von namhaften Spenden (wie zum Beispiel derjenigen des Bischofs) wurde dann das Schulhaus 1932/33 nach Plänen von Architekt Schenker von Handwerkern aus der Gemeinde gebaut. Am 30. April 1933 fand die feierliche Einweihung des Schulhauses Müselbach statt.

Eine Zeitspanne geht für immer zu Ende

Ab 1951 gab es zwei Klassen, eine für die Unterstufe und eine für die Mittelstufe. Dies änderte sich im Jahr 2005. Die Schüler der Mittelstufe besuchten nun den Unterricht in Kirchberg. Und am letzten Freitag ging auch diese Periode für immer zu Ende. Alle Schülerinnen und Schüler aus Müselbach werden nach den Sommerferien in Kirchberg unterrichtet. Lehrerin Vreni Winiger beendet ihren Schuldienst. Mit viel Begeisterung und Liebe hatte sie hier unterrichtet. Und die zehn Schulkinder, was werden sie von der Schule Müselbach vermissen? Ganz spontan kommt die Antwort: «Frau Winiger, unsere Lehrerin, werden wir vermissen, aber auch das Schulhaus und unseren Fussballplatz davor.» Sie freuen sich jedoch auch auf die Schule in Kirchberg: «Wir freuen uns, neue Lehrerinnen und viele neue Schulfreundinnen und Freunde kennen zu lernen.»

Zurück bleibt das «ehemalige» Schulhaus mit seinen roten Fensterläden. Am Freitag um halb zwölf Uhr läutete zum letzten Mal das Glöcklein im kleinen Turm. Seither ist es still im und um das Schulhaus Müselbach. Einsam schaut es nun herab auf das Dorf und die vielen Menschen, die hier das Abc gelernt, Rechnungen gelöst und bei Prüfungen geschwitzt haben.