Mühlrüti: Zwei Frauen machen Kasperletheater mit eigenen Figuren – und ohne Drehbuch

Ohne Textvorlage erzählen Sandra Tuor und Renata Hollenstein eine Weihnachtsgeschichte der besonderen Art und geben ihren Handpuppen eine Stimme.

Fränzi Göggel
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Renata Hollenstein und Sandra Tuor (von links) sitzen voller Vorfreude für einmal im statt hinter ihrem Kasperletheater. (Bild: Fränzi Göggel)

Renata Hollenstein und Sandra Tuor (von links) sitzen voller Vorfreude für einmal im statt hinter ihrem Kasperletheater. (Bild: Fränzi Göggel)

Die eine spielte früher und möchte wieder, die andere spielte alleine, und sehnte sich nach Unterstützung. So fanden sich zwei Frauen, die ihre Leidenschaft nun gemeinsam betreiben.

Aus einer Eingebung erschien die Kindergärtnerin Sandra Tuor letzten Herbst im Dorfladen Pluspunkt in Mühlrüti. «Lass uns zusammen kasperlen», schlug sie der Geschäftsführerin Renata Hollenstein vor und traf mit ihrer Frage genau ins Schwarze.

Das Lernen der Texte war zu aufwendig

Renata Hollenstein, die das Theaterspielen so sehr liebt, ihr Hobby aber aufgab, weil sie das Lernen der Drehbuchtexte nebst dem Weihnachtsstress im Laden zeitlich nicht mehr managen konnte, zögerte nicht. «Das Theaterspielen auf und hinter einer Bühne vermisse ich sehr. Zusammen mit meiner Tochter Sandra kasperlete ich zwei Jahre lang. Weitermachen ist mein Herzenswunsch».

Seit Mitte Oktober proben die zwei Frauen einmal pro Woche. Anhand der von Beiden erfundenen Rahmengeschichte spinnen sie die eigentliche Erzählung um dieses Grundgerüst herum. Wenn dann die meist jungen Zuschauer mitfiebern, entwickelt sich die Geschichte in eine nicht vorgegebene Richtung. Keine Vorstellung gleicht der andern, je nach Alter der Kinder werden die Figuren anders gespielt.

«Spontan spielen ist viel schöner»

«Wir mussten uns zuerst finden, doch ich wusste schon nach der ersten Probe, dass es mit Renata klappt», erzählt die Mühlrütner Kindergärtnerin, die musisch begabt und stets auf Draht ist. Sie beschreibt sich selber als hyper, singt leidenschaftlich gerne in drei Chören, pflegt erfolgreich ein Bienenvolk und holt ihre Ideen beim Wandern und unter der Dusche. Die zwei selbstbewussten, vielseitig begabten Frauen betrachten sich gegenseitig als Vorbilder. «Spontan und ohne Manuskript zu spielen ist für mich viel schöner. Der Druck, Texte auswendig zu lernen, entfällt. Wir wissen selber nicht, wie sich unsere Geschichte während einer Vorstellung entwickelt», schwärmt Renata Hollenstein von ihrem zurzeit wichtigsten Hobby.

Alles wurde in Handarbeit geschaffen

In ihrer schon gut ausgefüllten Freizeit stellte Sandra Tuor die Figuren selber her. Kasperle und Seppl, die böse Hexe und Cocolörli entstanden nebst vielen anderen Handpuppen aus Holzmodelliermasse. Die Kleidchen für ihre Hölzernen Theaterkinder sind von ihr genäht und gestrickt, die Gesichtchen liebevoll bemalt. «Alle Puppen sind Facetten von uns», beschreibt Sandra Tuor die Entstehung der Figuren. Das Theater und die Häuschen dazu wurden von «MeiMei» gebaut, dem im letzten Jahr verstorbenen Mühlrütner Dorforiginal. In einem alten Koffer warten die Handpuppen auf ihren Einsatz. Und manchmal, wenn die Kinder vor einer Vorstellung absolut still sind, kann man aus diesem Koffer ein leises Tuscheln und Kichern hören.

Zweimal wird an Heiligabend in der Mehrzweckhalle in Mühlrüti eine Weihnachtsgeschichte als Kasperletheater aufgeführt. «Als Überbrückung für die Eltern und Verkürzung für die doch an diesem Tag meist zappligen Kinder», sagen die Kasperlefrauen lachend. Da erfahren kleine und grosse Kinder, wo sich der gestohlene Christbaum befindet und warum der Zwerg lieber eine Moossuppe statt Braten und Kartoffelstock isst.

Hinweis

Vorstellungen am 24. Dezember, 14 Uhr und 16 Uhr. Mehrzweckhalle Mühlrüti. Der Eintritt kostet drei Franken pro Person.