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Serie

Müetligen, ein Weiler in der Gemeinde Kirchberg, hat Geschichte und Zukunft

Der Weiler in der Gemeinde Kirchberg hat zwar nur 20 Einwohnerinnen und Einwohner, trotzdem ist er voller Leben.
Beat Lanzendorfer
Die Aussicht, welche der Weiler Müetligen bei klarem Wetter bieten würde, lässt keine Wünsche offen. Rechts das Obertoggenburg mit den sieben Churfirsten. Links das Alpsteingebiet mit dem Säntis. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Die Aussicht, welche der Weiler Müetligen bei klarem Wetter bieten würde, lässt keine Wünsche offen. Rechts das Obertoggenburg mit den sieben Churfirsten. Links das Alpsteingebiet mit dem Säntis. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Wie viele andere Ortsnamen ist auch Müetligen in der Gemeinde Kirchberg alemannischen Ursprungs. Genauso wie jene Ortschaften, die auf …wil, …kon oder …ingen enden. Mit Dietschwil, Bäbikon oder Müetlingen (heute Müetligen) können gleich drei Beispiele aus der Gemeinde Kirchberg herangezogen werden.

Der Weiler auf 780 Metern Höhe liegt zwischen Müselbach und Dreien und bietet durch seine erhöhte Lage einen fantastischen Blick Richtung Obertoggenburg mit seinen Churfirsten und dem Alpsteingebiet.

Früher führte der Weg hier vorbei

Bis im Jahre 1900 führte der Weg von Kirchberg nach Müselbach/Müetligen über Hüsligs – Rupperswil – hinunter zur alten Mühle am Hörachbach. Die Strasse ab Müselbach endete im Weiler Müetligen. Erst 1903 wurde die Verbindung hinunter nach Holenau und Dreien gebaut. Noch später, 1907 bis 1909, wurde der Damm unterhalb von Müselbach über den Hörachbach aufgeschüttet und die Strasse Kirchberg-Salen-Müselbach gebaut.

15 der 20 Einwohnerinnen und Einwohner Müetligens waren zum Zeitpunkt des Fototermins vor Ort. Durch den zahlreichen Nachwuchs dürfte der Fortbestand des Weilers zumindest mittelfristig gesichert sein. (Bild: Beat Lanzendorfer)

15 der 20 Einwohnerinnen und Einwohner Müetligens waren zum Zeitpunkt des Fototermins vor Ort. Durch den zahlreichen Nachwuchs dürfte der Fortbestand des Weilers zumindest mittelfristig gesichert sein. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Wie fast überall in den ländlichen Gebieten, zählt der Weiler heute weniger Einwohner als zu Beginn des 20.Jahrhunderts. Der wichtigste Grund ist die kleinere Anzahl an Kindern in den Familien. Gab es um das Jahr 1930 30 Einwohnende, die sich in vier Gebäuden auf sechs Haushalte verteilten, sind es heute noch 20 Einwohnerinnen und Einwohner, die gemäss Andreas und Heidi Scherrer ein freundschaftliches Miteinander pflegen.

Müetligen wurde im Mittelalter verkauft

Im Mittelalter hatten ausser der Abtei St.Gallen auch die Grafen von Toggenburg grossen Güterbesitz. Müetligen gehört ebenfalls dazu. Der Haupterbe des Grafen von Toggenburg – Graf Friedrich VII, Petermann von Raron – zeigte am Toggenburg allerdings wenig Freude. Es warf ihm zu wenig Gewinn ab.

Deshalb bot er es im Jahre 1468 Abt Ulrich Rösch vom Kloster St.Gallen zum Kauf an. Am 15. Dezember desselben Jahres wurde der Handel auf dem Schloss Lütisburg vollzogen und ratifiziert. Wann die Existenz des heutigen Müetligen begonnen hat, lässt sich allerdings nicht zweifelsfrei sagen.

Sandra Raschle in ihrem Coiffeur-Salon mit Kundin Barbara Ott. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Sandra Raschle in ihrem Coiffeur-Salon mit Kundin Barbara Ott. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Nebst Scherrers gehören heute zum Weiler die Familien Brägger, Raschle, Strässle, Lenzlinger und Thoma. «Seit neun Jahren führt Sandra Raschle sogar ihren eigenen Coiffure-Salon», sagt Heidi Scherrer. Dabei betonen sie und Ehemann Andreas, wie schön sie es fänden, dass durch die jungen Familien und deren Kinder der Weiler neu belebt wurde.

Andreas Scherrer ist in diesem Sommer intensiv mit dem Heuen beschäftigt. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Andreas Scherrer ist in diesem Sommer intensiv mit dem Heuen beschäftigt. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Beide Eheleute stammen aus dem Obertoggenburg. Während Heidi durch die Heirat den Weg hierher fand, ist Andreas bereits hier aufgewachsen. «Meine Eltern sind 1959 aus Nesslau kommend hierhergezogen», sagt der 59-Jährige. In Müetligen sind dann fünf Mädchen und zwei Knaben zur Welt gekommen.

Evangelische Kinder in der katholischen Schule

An seine Schulzeit hat Andreas Scherrer lebhafte Erinnerungen. «Ich war nach meinen zwei älteren Geschwistern ungefähr der Dritte, der als Evangelischer nach Müselbach zur Schule ging.» Dies wurde möglich, weil etwa ab 1970 auf Initiative des Kirchberger Dorfarztes Alfons Mäder und mit dem Einverständnis von Pfarrer Hug, der Präsident der katholischen Schulgemeinde war, die evangelischen Kinder die katholische Schule in Müselbach besuchen durften.

Seit der Schulverschmelzung im Jahre 1973 gibt es nur noch eine Schulgemeinde, in der evangelische und katholische Schüler gemeinsam unterrichtet werden. Das Ende der Müselbacher Schulgeschichte Das kleinste der fünf Kirchberger Dörfer hatte seit 1811 zwar ein eigenes, evangelisches Schulhaus, das aber mangels Schülern bereits 1940 geschlossen wurde.

Das ehemals katholische Schulhaus in Müselbach steht noch immer, seit 2017 werden darin aber keine Kinder mehr unterrichtet. Andreas Scherrer verhehlt seinen Ärger nicht. «Die Kinder in Müetligen fahren seit der Schulschliessung in Müselbach für den Kindergarten und die Schule nach Mosnang. Ich finde dies schade, denn zu einem Dorf wie Müselbach gehört eine Schule.»

Er selber absolvierte nach seiner eigenen Müselbacher Schulzeit die Oberstufe bei Lehrer Peter Künzle in Kirchberg. «Ob Müselbach oder Kirchberg, den Schulweg legten wir praktisch immer mit dem Velo zurück. In meinem Fall war es ein Militärvelo», sagt Scherrer lachend. Und weiter: «Wer wollte, durfte über den Mittag im Schulhaus bleiben. Ich zog es aber praktisch immer vor, mein Mittagessen zu Hause einzunehmen.»

Schauen Sie sich hier die weiteren Weiler und Quartiere der Sommerserie an

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