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Mountainbike-WM: Es blieb keine Zeit für Selbstmitleid

Die Toggenburger Bikerin Ramona Forchini erkämpft sich im Hühnerhaut-WM-Rennen auf der Lenzerheide den 23. Rang. Obwohl ihr die Rennstrecke alles abverlangte, spürte sie trotzdem, wie viele Fans sie lautstark anfeuerten.
Urs Huwyler
Ausgepowert: Ramona Forchini braucht einen Moment, um sich von den Strapazen zu erholen. Doch schon bald war sie wieder auf den Beinen und freute sich über eine unvergessliche Erfahrung in ihrer Sportkarriere. (Bild: Urs Huwyler)

Ausgepowert: Ramona Forchini braucht einen Moment, um sich von den Strapazen zu erholen. Doch schon bald war sie wieder auf den Beinen und freute sich über eine unvergessliche Erfahrung in ihrer Sportkarriere. (Bild: Urs Huwyler)

Nach der Zieldurchfahrt tat es die Wattwilerin Ramona Forchini auf der Lenzerheide zuerst einmal ihren Kolleginnen gleich: Sie legte sich flach auf die pickelharte Strasse, versuchte die Bergluft möglichst tief einzuatmen und sich einen Überblick zu verschaffen. Sie wusste weder wer sich die Medaillen geschnappt noch auf welcher Position sie ihre erste Elite-WM beendet hatte. Mindestens den 15. Platz wollte sie erreichen, der 23. wurde es. Die EM-Neunte gehörte damit zu jenen 28 Fahrerinnen, welche von der neuen Weltmeisterin Kate Courtney aus den USA nicht überrundet wurden.

Im Nachhinein spielte der Rang sowieso eine untergeordnete Rolle. «Ununterbrochen hat es über die Wurzeln, Steine, Sprünge geschlagen, es gibt hier keine Passage, auf der eine kurze Erholung möglich ist. Selbst geradeaus muss voll pedalt werden», fasste Ramona Forchini ihre sportlichen Eindrücke zusammen und zog ein positives Fazit: «Ich kann zufrieden sein, habe alles getan, was möglich war, mich durchgekämpft. Mehr lag kaum drin.»

Taktisch beging sie nicht den Fehler, sich vom hohen Anfangstempo leiten zu lassen. «Wer auf dieser Strecke nur kurz über das eigene Limit geht, wird sofort bestraft. Diesen Fehler habe ich nicht begangen, zu Beginn Kathrin Strinemann ziehen lassen und sie dann gegen Ende überholt.»

«Fully» statt «Hardtail» an der WM ein Vorteil

Als Nachteil erwies sich auf der holpernden Piste der Einsatz des «Hardtail»-Bikes, das im Gegensatz zum vollgefederten «Fully» über keine Hinterrad-Federung verfügt. Ramona Forchini hätte gerne wie die Spitzenfahrerinnen ein «Fully» eingesetzt, aber es stand keines zur Verfügung. «Ich habe nur ein ‹Hardtail›. Aber nächste Saison erhalte ich ein ‹Fully›», weiss sie. Die erfreulich verlaufene Saison wirkt sich auch materialtechnisch aus.

Bei all den Hardware-Analysen drückten immer wieder die Emotionen durch. Noch zehn Minuten nach Ende der Tortur wies die 24-jährige professionelle Bikerin Hühnerhaut auf, wurde von den Gefühlen durchgeschüttelt. «Was da abging, war unglaublich. Fast auf jedem Meter erkannte ich jemanden, wurde ununterbrochen angefeuert. Ich bekam nicht einmal Zeit, um mit mir Mitleid zu haben», hatte sie während der 103 Kampf- und Krampf-Minuten den Humor nicht verloren.

Eigens mit dem Fancar angereist

Unter den begeisterten Zuschauern spornten auch die mit dem Fancar angereisten Toggenburger ihre Nummer eins an. Darunter befanden sich neben Bekannten und Jugendfreunden Kollegen aus ihrem Stammverein, dem RMV Mosnang, oder des STV Wattwil. Sie bekamen das ganze Rennen zu sehen. Diejenigen, die um neun Uhr in der Region mit dem Privatauto los fuhren, trafen erst gegen 13 Uhr am Renngelände ein. Ramona Forchini lag zu jenem Zeitpunkt auf Position 25. Der Verkehr hatte sich von der Ausfahrt Chur Nord bis auf die Lenzerheide gestaut.

«So etwas werde ich wohl nie mehr erleben»

All die Eindrücke rund um die WM, der dreimal grössere Publikumsaufmarsch als beim Ski-Weltcup-Final, das Erlebnis, dass die Fahrerinnen ausserhalb der Top 10 ebenfalls wie künftige Weltmeisterinnen angefeuert wurden, liess Ramona Forchini die Strapazen vergessen. «So ein Spektakel», vermutet sie, «werde ich als Bikerin wohl nie mehr erleben.» Ausser an Olympischen Spielen. Die nächsten finden 2020 in Tokio statt.

Und dann verabschiedete sie sich schon gut erholt zu den Fans mit dem Hinweis, sie werde nach all den Erfahrungen an diesem Traumtag künftig noch mehr Vollgas geben. Eine Stunde später sass sie bereits wieder auf dem Bike, fuhr mit Teamkollegin Linda Indergand diskutierend, lachend und winkend dem See entlang.

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