Mosnang: Das Ärztehaus ist vom Tisch

Der Gemeinderat stellt seine Bemühung ein, einen Arzt oder eine Ärztin ins Dorf zu lotsen. Trotz teilweise intensiven Verhandlungen gelang der entscheidende Durchbruch nicht.

Timon Kobelt
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In Mosnang gibt es vorderhand keine Sprechstunden mehr bei einem Hausarzt. Die Bürgerinnen und Bürger müssen in der näheren Region zum Hausarzt, was gemäss Gemeindepräsident Renato Truniger schon viele Leute aus Mosnang so handhaben. (Symbolbild: Ralph Ribi)

In Mosnang gibt es vorderhand keine Sprechstunden mehr bei einem Hausarzt. Die Bürgerinnen und Bürger müssen in der näheren Region zum Hausarzt, was gemäss Gemeindepräsident Renato Truniger schon viele Leute aus Mosnang so handhaben. (Symbolbild: Ralph Ribi)

Intensiv hat der Gemeinderat von Mosnang während des letzten Jahres die Region und auch die Umgebung darüber hinaus nach potenziellen Ärzten geröntgt. Ohne Erfolg, wie die Gemeinde im aktuellen Mitteilungsblatt bekannt gibt. Der Gemeinderat breche seine Bemühungen ab, einen Arzt oder eine Ärztin für Mosnang zu gewinnen.

Mit insgesamt acht juristischen und natürlichen Personen hätten sie Kontakt gehabt, sagt Gemeindepräsident Renato Truniger. Bei drei davon sei das Interesse gegenseitig konkreter geworden, jedoch ohne den entscheidenden Durchbruch in den Verhandlungen erzielen zu können.

«Ärzte haben heutzutage eine Vielzahl an Optionen»

Die Gründe dafür seien vielseitig, sagt Renato Truniger. «Ärzte haben heutzutage eine Vielzahl an Optionen», betont der Gemeindepräsident.

«Wir wollten keine Ärzte im Anstellungsverhältnis. Dafür wäre das unternehmerische Risiko zu gross gewesen»

Doch viele Ärzte würden heute auf ein solches abzielen, da das Risiko geringer sei, als wenn sie sich selbst unternehmerisch beteiligten. Zudem stammten viele Interessenten aus Deutschland. «Für diese Leute wäre das Leben in der Schweiz natürlich teurer und somit das Risiko noch höher gewesen», sagt Renato Truniger.

Es habe sich schnell herauskristallisiert, dass sich die Gemeinde finanziell nicht in einem grösseren Rahmen beteiligen werde. Diese Haltung sei von der Bevölkerung auch so bestätigt worden, denn diese habe die Hauptaufgabe der Gemeinde in der Gewinnung potenzieller Ärztinnen und Ärzten gesehen.

Renato Truniger, Gemeindepräsident von Mosnang. (Bild: PD)

Renato Truniger, Gemeindepräsident von Mosnang. (Bild: PD)

Bei diesem Unterfangen blieb der Erfolg jedoch aus, auch eine vom Gemeinderat ins Leben gerufene Arbeitsgruppe vermochte daran nichts zu ändern. «Wir können uns jedoch bezüglich Aktivität nichts vorwerfen. Wir haben mit verschiedenen Massnahmen versucht, jemanden für Mosnang zu gewinnen», sagt Truniger. Unter anderem hat der Gemeinderat diverse Inserate in Fachzeitschriften publiziert, mit Verantwortlichen von erfolgreichen Modellen wie der «Tösstal Praxis» gesprochen und das Wissen und Netzwerk des ehemaligen Dorfarztes Konrad Schiess genutzt.

Medizinische Grundversorgung nicht gefährdet

Hätte man gar nichts anders machen müssen? Auf diese Frage entgegnet Truniger: «Natürlich fragt man sich im Nachhinein, ob man mehr Risiko hätte nehmen können.» Es hätte die Möglichkeit gegeben, am Standort der Praxis in einen neuen Bau zu investieren und die ersten zwei oder drei Jahre das unternehmerische Risiko zu tragen. «Dann würde garantiert ein frischer Bau dort stehen, doch im dümmsten Fall bliebe dieser leer», sagt Truniger. Auch habe man sich gegen diese Variante entschieden, weil man bewusst nach einem Arzt mit unternehmerischer Beteiligung gesucht habe. «An diesem Grundsatz haben wir festgehalten», betont der Gemeindepräsident.

Zwar bedauere er, dass in Mosnang nun kein Gesundheitszentrum entstehe. Gerade für Menschen, die nicht sehr mobil seien, wäre es eine tolle Sache gewesen, eine Lösung im Dorf zu haben. Andererseits habe sich die Situation in der Region etwas entspannt, da medizinisches Personal aufgestockt worden sei:

«Die medizinische Grundversorgung ist nicht gefährdet. Wir wissen, dass auch als Konrad Schiess noch praktizierte, bereits viele unserer Bürger in der näheren Umgebung zum Arzt gegangen sind»

Es gebe in Zukunft voraussichtlich spannende regionale Modelle, welche die Ausbildung von Hausärzten förderten. Er könne sich durchaus vorstellen, dass Mosnang in irgendeiner Form an solchen Projekten mitarbeiten werde. In der alten Praxis von Konrad Schiess entsteht gemäss Renato Truniger eine Naturheil-Praxis. Die neue Besitzerin sei an der Zusammenarbeit mit weiteren Ärzten oder Therapeuten interessiert.

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