Mosnang bleibt im Zweckverband des Solino

Eine rekordverdächtig grosse Bürgerschar pfeift den Gemeinderat zurück, der aus dem Solino austreten wollte.

Timon Kobelt
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Das Seniorenzentrum Solino in Bütschwil ist auch vielen Bürgerinnen und Bürgern von Mosnang wichtig.

Das Seniorenzentrum Solino in Bütschwil ist auch vielen Bürgerinnen und Bürgern von Mosnang wichtig.

Bild: Anina Rütsche

Der Gemeinderat von Mosnang erlebte an der Bürgerversammlung (BV) im März eine krachende Niederlage. Die Bürger stimmten über den Antrag des Gemeinderates ab, der den Ausstieg aus dem Zweckverband Regionales Seniorenzentrum Solino erwirkt hätte. Doch rund 90 Prozent der anwesenden Bürgerinnen und Bürger schickten den Antrag bachab. Somit endete eine im Vorfeld emotional geführte Debatte damit, dass Mosnang eine Mitgliedsgemeinde im Zweckverband des Solino bleibt.

381 Stimmbürger kommen an die Bürgerversammlung

In der Mehrzweckhalle des Oberstufenzentrums in Mosnang war vor und nach der BV der Stolz spür- und hörbar, dass 381 von 2097 Stimmberechtigten, also gut 18 Prozent, «ihre Verantwortung für die Demokratie wahrnehmen». Gemeindepräsident Renato Truniger sprach von einer historisch hohen Beteiligung: «Das freut mich ausserordentlich. Gerade für all jene, die heute zum ersten Mal an der Bürgerversammlung teilnehmen. Sie erleben heute Basisdemokratie par excellence.» Ähnlich klang es nach der BV: «Bei uns herrscht wahre Demokratie», war häufig zu hören. Man fühlte sich fast ein wenig an die Briten erinnert, die stets mit Stolz verkünden, dass sie eine der ältesten Demokratien der Welt sind.

Die Debatte an der BV verlief dann aber viel gesitteter, als es zuweilen im Parlament auf der Insel der Fall ist. Ruben Schuler, Präsident der FDP Mosnang und eine treibende Kraft hinter dem Widerstand gegen den Solino-Austritt, eröffnete die Diskussion:

«Es ist ein Austritt ohne Not. Mosnang hat bereits zwei Millionen Franken ins Solino investiert. Auch wenn diese schon abgeschrieben sind, kenne ich niemanden, der auf eine rechtmässige Beteiligung verzichtet.»

Damit meine er vor allem, dass das Solino demnächst 20 Millionen Franken investieren werde, an denen sich die Mitgliedsgemeinden nicht beteiligen müssten. Andrea Gmür, Präsidentin des Gewerbevereins, hob die Einbussen hervor, die bei einem Austritt entstünden. «Das Mosnanger Gewerbe erhält aus dem Zweckverband jährlich rund 80'000 Franken alleine für Esswaren», sagte sie. Für das Gewerbe zähle jeder Rappen. Auch die CVP Mosnang sprach sich für den Verbleib aus. Nach jedem Votum, das ein Bekenntnis zum Solino beinhaltete, brandete Beifall durch den Saal.

«Berrauscht vom eignen Heim»

Vereinzelt sprachen sich auch Votanten für den Antrag des Gemeinderates aus. Heinz Güntensperger sagte:

«Wir haben bei einem Austritt immer noch die Wahlfreiheit und können gehen, wohin wir wollen.»

Primär müsse Mosnang aber das eigene Pflegeheim Hofwis erfolgreich führen. «Dazu müssen die Plätze belegt sein. Ich bin gespannt, wie der Tenor ist, sollte die Hofwis rote Zahlen schreiben», sagte Güntensperger. Andere Votanten, die sich für den Austritt aussprachen, meinten, dass es nach den Investitionen in die Hofwis legitim sei, sich auf den eigenen Betrieb zu fokussieren.

Dies war auch das Hauptargument von Gemeindepräsident Renato Truniger. Er gab aber zu, dass der Gemeinderat die Gefühlslage im Dorf falsch eingeschätzt habe: «Die Studie des Solino erreichte uns gerade, als wir in den Abschlussarbeiten der Hofwis steckten. Vielleicht waren wir etwas berauscht vom eigenen, neuen Heim.» Er betonte, dass der Gemeinderat keine «bösen» Absichten mit dem Entscheid gehegt habe. «Wir haben Ihnen den Antrag mit der Überzeugung vorgelegt, das Beste für Mosnang zu tun», sagte er. Am Ende des Abends musste der Gemeindepräsident konstatieren, dass es eine sehr deutliche Mehrheit anders sah.

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