Mitwirkung
Ideen der Kinder sind gefragt: Ebnat-Kappel bezieht Jugendliche in die Politik ein und lässt sie ihre Wünsche formulieren

Für einen Teil der Schülerinnen und Schüler von Ebnat-Kappel war der Mittwoch ein besonderer Schultag. Im Rahmen eines Open Space diskutierten sie ihre Bedürfnisse und leiteten daraus konkrete Ideen ab. Diese gehen an den Gemeinderat.

Sabine Camedda
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Die Schülerinnen und Schüler waren aufgefordert, ihre Ideen zu notieren und den anderen kurz vorzustellen.

Die Schülerinnen und Schüler waren aufgefordert, ihre Ideen zu notieren und den anderen kurz vorzustellen.

Bild: Sabine Camedda

Was auch immer geschieht, es ist das einzig Richtige, was passieren konnte. Dies ist einer der Grundsätze von Open Space. Was an diesem Mittwochvormittag in der Turnhalle Schafbüchel passieren würde, wusste am Morgen niemand. Rund 25 Schülerinnen und Schüler der Primarschule und der Oberstufe hatten sich versammelt, um unter dem Titel «Üsi Meinig zellt!» zu diskutieren.

Vom Pausenkiosk bis zur Masoala-Halle

Nach einer kurzen Einführung durch Schulsozialarbeiterin Barbara Hollenstein und Jugendarbeiter Beat Giger waren die Jugendlichen am Zug. Gefragt waren Ideen, um eine Gemeinde zu schaffen, in denen sich Kinder und Jugendliche wohlfühlen und in der sie sich gut entwickeln können.

Die Ideen sprudelten nur so aus den Kindern heraus. Ein Knabe brachte einen Skaterpark ins Gespräch, ein Mädchen will eine längere Rutschbahn in der Badi, ein anderes gar ein Jacuzzi. In diesem Moment durfte alles gesagt oder gewünscht werden. Ob es, wie ein Pausenkiosk, einfach umsetzbar wäre. Oder ob es wohl eher ein Traum bleibt, wie eine Masoala-Halle.

Jeder durfte selber auswählen, zu welchem Thema er oder sie mitdiskutieren wollte.

Jeder durfte selber auswählen, zu welchem Thema er oder sie mitdiskutieren wollte.

Bild: Sabine Camedda

Viele Ideen spiegelten das Bedürfnis der Jugendlichen nach Freizeitvergnügen und Abenteuer wider. Barbara Hollenstein erstaunt dies nicht. Im vergangenen September wurden die Schülerinnen und Schüler zu verschiedenen Themen befragt. Bei dieser Umfrage seien bereits einige dieser Wünsche erwähnt worden, sagt die Schulsozialarbeiterin.

Kinder und Jugendliche fühlen sich wohl in der Gemeinde

Die Befragung brachte ans Licht, dass sich die Schülerinnen und Schüler zwischen neun und 15 Jahren mehrheitlich wohlfühlen in Ebnat-Kappel. Es gebe Orte, wo sie spielen und wo sie sich mit ihren Freundinnen und Freunden treffen können, geben über 80 Prozent der Jugendlichen an.

In kleineren Gruppen wurden die verschiedenen Ideen ausgearbeitet und konkretisiert.

In kleineren Gruppen wurden die verschiedenen Ideen ausgearbeitet und konkretisiert.

Bild: Sabine Camedda

Etwa 70 Prozent sind überzeugt, dass es für sie genügend Freizeitangebote gibt. Um Spass zu haben, müsse man aber kein Geld ausgeben, sagen fast 80 Prozent der Jugendlichen. Das rege Vereinsleben im Dorf widerspiegelt sich in der Umfrage. Rund 65 Prozent der Schülerinnen und Schüler verbringen ihre Freizeit gerne im Verein.

Die Umfrage zeigt aber auch, dass sich die Jugendlichen Plätze wünschen, an denen sie für sich allein sein können. Wie ein solcher Ort aussehen könnte, skizzierten sie am Open Space ziemlich konkret: in der Idee eines Hauses für Kinder.

Stressfrei und ruhig soll es dort sein, aber auch Möglichkeiten zum Spielen bieten. Wichtig, so brachte jemand in der Diskussion ein, sei ein Internetanschluss. Dazu soll es zu essen und zu trinken geben. Die Kinder wünschen sich aber keinen totalen Freiraum. Bedingungen müssten eingehalten werden, es braucht eine Betreuung. Und auch der Eintritt soll nicht kostenlos sein, aber möglichst klein gehalten werden.

Konkrete Ideen: So wünschen sich die Jugendlichen ein Haus für Kinder.

Konkrete Ideen: So wünschen sich die Jugendlichen ein Haus für Kinder.

Bild: Sabine Camedda

«Wir wollen die Jugendlichen ernst nehmen»

Susanne Wickli-Läng, Gemeinderätin in Ebnat-Kappel.

Susanne Wickli-Läng, Gemeinderätin in Ebnat-Kappel.

Bild: PD

Die Schülerinnen und Schüler engagierten sich, um ihre Ideen zu formulieren und festzuhalten. «Ich bin gespannt, was schliesslich herausschaut», sagte Gemeinderätin Susanne Wickli-Läng, die als Präsidentin der Jugendkommission in Zusammenarbeit mit dem kantonalen Amt für Gesundheitsvorsorge Zepra das Projekt «Üsi Meinig zellt!» aufgegleist hat.

Für sie ist klar, dass einiges, das nun auf dem Papier steht, eher nicht realisierbar ist. Dennoch:

«Es liegt mir sehr am Herzen, dass wir die Projekte, die heute entstanden sind, ernst nehmen.»

Anstatt kategorisch Nein zu sagen, sei es für die Schülerinnen und Schüler sicher hilfreicher, wenn man ihnen erklärt, was es alles braucht und warum ein Bedürfnis nicht einfach umzusetzen ist. Dies könne unter Umständen ein Antrieb sein, der geglaubt Unmögliches plötzlich möglich macht.

Projekte werden weiter verfeinert

Susanne Wickli-Läng hält es durchaus für realistisch, dass die eine oder andere Idee weiterverfolgt, verfeinert und vielleicht doch irgendwann noch umgesetzt wird. Hierfür sind wiederum die Schülerinnen und Schüler angesprochen, die aufgerufen sind, an ihren Projekten weiterzuarbeiten.

Doch zuerst einmal wird der Kreis geöffnet, werden weitere Akteure wie die Eltern und die Vereine beigezogen, um die Ideen weiterzuspinnen. Allzu lange soll es nicht gehen, bis erste Früchte dieser Arbeit geerntet werden sollen. Susanne Wickli-Läng hofft, dass bereits im kommenden Jahr etwas davon realisiert wird.