Mit Videos, Flyern, Tuttifrutti und Ogi: Die Kampagne für den Campus Wattwil kombinierte traditionelle und originelle Massnahmen

Die Befürworter des Campus-Projekts lagen trotz fehlender Opposition nicht auf der faulen Haut. Das Budget für die Kampagne betrug rund 50'000 Franken.

Timon Kobelt
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Der Erfolg einer Abstimmungskampagne misst sich letztendlich am Ergebnis an der Urne. Demnach kann die Kampagne für den Campus Wattwil mit einem Ja-Anteil von rund 79 Prozent als Vollerfolg bezeichnet werden. Geleitet hat die Kampagne der Verein Campus Wattwil in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Wattwil, der Region Toggenburg und dem Förderverein Bildungsstandort Toggenburg.

«Die eigentliche Kampagne zog sich über einen sehr kurzen Zeitraum hin, da am 17.November abgestimmt wurde und am 20.Oktober noch die eidgenössischen Wahlen stattgefunden haben», sagt Ivan Louis, SVP-Kantonsrat und Präsident des Vereins Campus Wattwil. Man sei sich einig gewesen, dass jeder vor den Wahlen investierte Franken ein verschwendeter gewesen wäre. Die eidgenössischen Wahlen hätten allfälligen Werbemassnahmen die Aufmerksamkeit weggenommen. «Am 21.Oktober sind wir aber mit unserem Programm sofort hochgefahren», betont Louis.

Kampagnenleitung ruhte sich nicht aus

Ivan Louis, Leiter Kampagne «Ja zum Campus Wattwil». (Bild: Martin Knoepfel)

Ivan Louis, Leiter Kampagne «Ja zum Campus Wattwil». (Bild: Martin Knoepfel)

Die Kampagne profitierte von der sehr breiten Unterstützung. Im Ja-Komitee, das sich im Juni formiert hatte und rund 450 Mitglieder aufweist, fanden sich Vertreter sämtlicher Präsidien der Parteien und Fraktionen des St.Galler Kantonsrats. Eine Opposition organisierte sich vor der Volksabstimmung nicht. Dennoch ruhte sich die Kampagnenleitung nicht aus und scheute den direkten Kontakt zur Bevölkerung nicht. An vier Bahnhöfen im Kanton verteilten die Befürworter des Campus Wattwil insgesamt 3000 Tuttifrutti-Säckchen. Das Studentenfutter als Werbebotschaft sei gut angekommen. «Auch von der Menge her ist es super aufgegangen, sodass ich jetzt weniger als 100 Säckchen selbst essen muss», sagt Louis lachend. Die Verteilaktion habe viel Spass gemacht und gezeigt, dass selbst im Linthgebiet die Akzeptanz für die Vorlage gross gewesen sei.

Auch digital führte kein Weg an der Pro-Kampagne vorbei. Im Vorfeld der Abstimmung postete der Verein Campus Wattwil auf Facebook 51 Beiträge in 28 Tagen. Viele der Beiträge zeigten Videotestimonials, in denen Befürworter der Campus-Vorlage in kurzen Statements ihre Gründe für ein Ja verkündeten. Insgesamt zwölf Video-Testimonials wurden veröffentlicht. Das Video, in dem alle Statements zusammengeschnitten waren, erreichte auf Facebook am meisten Menschen, nämlich 14'300. Der Beitrag wurde finanziell beworben.

Der beste nichtbeworbene Beitrag war das Video, das Szenen zeigte, die beim Dreh in die Hosen gingen. Er erreichte auf Facebook allein rund 1500 Personen. «Es ist immer ein wenig bittersüss, wenn das Making-of-Video beliebter ist als das Endprodukt», sagt Louis mit einem Schmunzeln. Auch die Rahmen, mit denen man seine Profilbilder mit einem Campus-Ja-Schriftzug verzieren konnte, seien gut gelaufen.

Diskussionen über digitale oder analoge Werbung

Die Kampagne rechnete mit einem groben Budget von 50'000 Franken. Gut 25'000 Franken hat der Verein Campus Wattwil gesammelt, indem er Anfang Jahr 250 Unternehmen aus dem Toggenburg angeschrieben hat. Die weiteren Beiträge stammen vom Förderverein Bildungsstandort Toggenburg und weiteren regionalen Organisationen sowie zahlreichen privaten Kleinspendern.

«Wir hatten anfangs eine Variante mit 75'000-Franken-Budget. Doch als sich abzeichnete, dass es keinen organisierten Widerstand gibt, sind wir mit den Ausgaben stark zurückgefahren.»

Ein grosser Teil des Budgets wurde in APG-Flächen investiert, mit denen an stark frequentierten Orten wie Bahnhöfen sowohl digital als auch analog Plakatwerbung gemacht wird. Ebenfalls zu den grösseren Ausgabeposten gehörten Inserate in Printmedien oder im Passenger-TV in Bussen. Für Social Media wurde verhältnismässig wenig Geld ausgegeben. Laut Ivan Louis diskutierte man in der Kampagnenleitung intensiv, wie stark digitale Kanäle oder analoge Werbung wie klassische Plakate forciert werden sollten.

Plakate verteilte man schliesslich deren 150 im ganzen Kanton. Mit Flyern per Post war man etwas zurückhaltender: Mit diesen konzentrierten sich die Campus-Befürworter auf das Tal. Knapp vor dem Abstimmungssonntag spülten sie 17'000 Flyer in die Toggenburger Haushalte. Auf eine breitere Verteilung habe man aufgrund der inaktiven Gegnerschaft verzichtet. «Im Toggenburg wollten wir aber ein möglichst starkes Resultat erzielen», ergänzt Louis. Beim hiesigen Ja-Anteil von über 90 Prozent sei dies vollends gelungen.

Der Tannenbaum als Symbol für den Campus

Auch wenn sich die Abstimmungskampagne auf einen kurzen Zeitraum begrenzte, begannen die Vorarbeiten des Vereins Campus Wattwil schon viel früher. Der heute rund 240 Mitglieder zählende Verein wurde im Mai 2017 gegründet. Seither hat er immer wieder mit Videobotschaften über aktuelle Ereignisse rund um das Campus-Projekt informiert. Da mit Präsident Ivan Louis, Aktuarin Esther Meier und Kassier Ruben Schuler drei Absolventen der Kanti Wattwil den Verein führen, ist zu merken, wie viel Herzblut sie in das Projekt gesteckt haben. «Wir können nicht beziffern, wie viel Zeit wir investiert haben. Doch die Arbeit im Vorstand hat immer Spass gemacht, weil wir sehr frei und mit viel Kreativität agieren konnten», sagt Louis.

Besonders in Erinnerung wird wohl das Video bleiben, in dem die drei Vorstandsmitglieder die legendäre Neujahrsansprache für das Jahr 2000 von alt Bundesrat Adolf Ogi mit dem Tannenbaum nachstellten. In ihrem Beispiel stand der Campus Wattwil wie der Tannenbaum als Symbol der Hoffnung und der Zukunft. Auch dank der guten Kampagne müssen die Toggenburger seit letztem Sonntag nun nicht mehr bloss auf einen attraktiven Bildungsstandort hoffen.