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Mit Schnitzel im Gepäck in den falschen Zug gestiegen – obwohl die Toggenburger Sportkegler viel Lustiges erleben, sterben sie wohl bald aus

Rolf Hagen ist einer der wohl letzten Toggenburger Sportkegler. Er lebt für den urchigen Sport und gewinnt selbst dann Spiele, wenn er gar nicht will.
Timon Kobelt
Ralf Hagen fährt bei jedem Kegelwurf die Konzentration hoch. Wichtig ist, der Kugel einen leichten Drall mit auf den Weg zu geben. (Bild: Donato Caspari)

Ralf Hagen fährt bei jedem Kegelwurf die Konzentration hoch. Wichtig ist, der Kugel einen leichten Drall mit auf den Weg zu geben. (Bild: Donato Caspari)

«Holz!» Wenn dieser Ruf auf einer Kegelbahn erklingt, hat ein Kegler mit einem Wurf alle neun Kegel abgeräumt. Ein Babeli sagt man dem im Fachjargon. «Der Ruf dient der Motivation der anderen Spieler», erklärt Rolf Hagen, Sportkegler aus Bazenheid. Seit 24 Jahren nimmt er als Sportkegler an Wettkämpfen teil und trainiert regelmässig. Zuvor hat er unzählige Jahre im Firmensport gekegelt. Dass man beim Kegeln sowohl Gegner als auch Mitspieler motiviert, gehört zum guten Ton und macht gemäss Rolf Hagen den Reiz des Sports aus. «Die Kameradschaft unter den Keglern ist einmalig», sagt der 65-Jährige.

Der gelernte Metzger, der vor seiner Pensionierung 40 Jahre in der Micarna in Bazenheid gearbeitet hat, trainiert alle zwei Wochen am Donnerstagabend im Café Linde in Dussnang. Dort steht eine Kegelbahn zur Verfügung, die für den Meisterschaftsbetrieb taugt, was bei den sechs Kegelbahnen im Toggenburg nicht der Fall ist.

Deshalb weichen Rolf Hagen und fünf weitere Toggenburger Sportkegler in den Kanton Thurgau aus. Sie alle gehören dem Kegelklub (KK) Murg – benannt nach dem Fluss – an. Der KK Murg wiederum ist beim Sportkegler-Verband St.Gallen (SKVSG) angesiedelt. «Der Verband im Thurgau musste sich auflösen, da nicht mehr genügend Leute für den Vorstand zu finden waren», erklärt Rolf Hagen.

Nachwuchs? Fehlanzeige

Das ist das zentrale Problem, mit dem der Kegelsport zu kämpfen hat: Es rücken keine Jungen nach. 68 Sportkegler zählt der SKVSG heute, die meisten davon sind über 60 Jahre alt. Der zweifache Familienvater sagt schmunzelnd:

«Wir sind fast schon Dinosaurier.»

Er sei überzeugt, dass er und seine fünf Mitstreiter die letzten Sportkegler im Toggenburg sein werden. «Das bedauere ich sehr. Gleichzeitig motiviert es mich auch, so lange zu kegeln, wie es meine Gesundheit zulässt. Ich kenne 90-Jährige, die noch kegeln. Vielleicht schaffe ich das auch», sagt der Bazenheider hoffnungsvoll.

Eins mit der Kugel. (Bild: Donato Caspari)

Eins mit der Kugel. (Bild: Donato Caspari)

Er selbst kennt den Sport seit klein auf. «Mein Vater hat auch gekegelt, verstarb aber leider bereits, als ich 14 Jahre alt war. Dank ihm habe ich es sicher in den Genen», erzählt Rolf Hagen. Schnell habe er beim Plausch- und später beim Firmenkegeln gemerkt, dass er Talent habe und deshalb den Sport intensiver ausüben wolle. Das tut der ehemalige Metzger heute rege: Pro Jahr nimmt er an rund 70 Wettkämpfen teil. Ein solcher dauert maximal 40 Minuten, je 20 Minuten auf zwei Bahnen, bei insgesamt 100 Würfen. Man gehe zwar mit einigen Kollegen des KK an die Wettkämpfe, spiele dort aber für sich alleine. Der Pensionär erklärt:

«Es hat verschiedene Spielertypen. Manche fluchen mal oder verwerfen nach einem schwachen Wurf die Kreide. Ich dagegen bin sehr ruhig und versuche vor jedem Wurf, die Konzentration hochzufahren.»

Vor jedem Wettkampf wünsche man sich gegenseitig «gut Holz», was im Kegelkontext viel Glück bedeutet. Doch die Kameradschaft machen nicht nur motivierende Worte aus: «Natürlich gehören auch Sticheleien in gesundem Mass dazu», sagt Rolf Hagen.

Am Geburtstag im Cupmodus

Holz ist das Element der Kegler, auch wenn das Material längst aus dem Spiel genommen wurde. Die 13,5 Meter lange Bahn ist aus gegossenem Kunststoff, die rund neun Kilogramm schweren Kugeln sind aus Kunststoffgranulat und die neun Kegel aus Plastik. Doch buchgeführt wird in Holz: So wird am Ende des Wettkampfes bilanziert, wie viel Holz (Kegel) ein Spieler durchschnittlich getroffen hat. Dabei gibt es verschiedene Modi. Wenn ins «Voll» gekegelt wird, ist bei jedem Wurf das Ziel, so viele Kegel wie möglich abzuräumen. Beim «Kranzspick» handelt es sich um Figurenkegeln, wobei nur noch der mittlere Kegel, der «König», stehen bleiben soll. Ein «Kranz» bringt zwölf Punkte aufs Konto.

Egal in welchem Modus er spielt, Rolf Hagen gehört zu den erfolgreichsten Keglern in der Region. So durfte er die für St. Galler Kegler schon mehrfach als Einzelcupvertreter an einem nationalen Cup in Basel teilnehmen. Die Vertreter der Kantone werden jeweils in einer Ausscheidung ermittelt. «Diesmal kam ich in die Endausscheidung und wollte eigentlich meinem Freund Ueli den Vortritt lassen, da der Cup in Basel immer zeitgleich mit meinem Geburtstag stattfindet. Doch irgendwie habe ich es geschafft, ihn um zwei Kegel zu schlagen», berichtet Rolf Hagen schmunzelnd.

Mit Schnitzel im falschen Zug

Die grossen Distanzen zu den Austragungsorten machen ihm nichts aus. Der Bazenheider mag sie sogar, denn während der Hin- oder Rückreise hätten sich schon lustige Geschichten ereignet. Man reise immer mit dem Zug, sagt der Pensionär, wobei Jassen auf dem Hinweg zum Pflichtprogramm gehöre. Vor dem Rückweg gehe man jeweils essen. Dazu erzählt der Metzger mit einem Lachen im Gesicht eine Geschichte:

«Einmal waren wir in Fribourg und mussten den letzten Zug erwischen. Ein Kollege war ein sehr langsamer Esser und liess sich den Rest seines Schnitzels einpacken, während wir anderen schon voraus zum Zug gingen. Als wir drinsassen, merkten wir, dass er mit seinem Schnitzel in die falsche Richtung gefahren ist.»

Für einen Kegler gibt es wohl Schlimmeres auf der Welt, als auf dem Holzweg zu sein.

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