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Erstes Hemberger Bergrennen vor 50 Jahren: Kanton will keine Zuschauer und verbietet Werbung

Das erste Hemberger Bergrennen vor 50 Jahren sollte unter Ausschluss von Zuschauern abgehalten werden. Trotzdem pilgerten Tausende an die Strecke, die damals von Strohballen statt Leitplanken gesäumt war.
Timon Kobelt
Kurt Stöckli fährt beim Start des ersten Hemberger Bergrennens vor. Es ist genau zu sehen, wie stark die hintere Achse des Autos verbogen ist. Die Zuschauer fanden den Weg an die Strecke, obwohl im Vorfeld offiziell keine Werbung gemacht wurde. (Bild: PD)

Kurt Stöckli fährt beim Start des ersten Hemberger Bergrennens vor. Es ist genau zu sehen, wie stark die hintere Achse des Autos verbogen ist. Die Zuschauer fanden den Weg an die Strecke, obwohl im Vorfeld offiziell keine Werbung gemacht wurde. (Bild: PD)

«Von Leitplanken keine Spur. Wir verteilten Strohballen überall auf der Strecke, wo es gefährlich werden konnte», sagt Kurt Stöckli. Der 84-Jährige war vor 50 Jahren dabei, 1968 also, als das Bergrennen Hemberg zum ersten Mal über die Bühne ging. Wobei «dabei sein» seiner Funktion nicht gerecht würde. Kurt Stöckli war ein Mitinitiant des ersten Hemberger Bergrennens und fungierte damals als Streckenchef nahm auch selbst am Rennen teil.

Keine Werbung für das erste Bergrennen

Kurt Stöckli. (Bild: Timon Kobelt)

Kurt Stöckli. (Bild: Timon Kobelt)

«Wir mussten hart für dafür kämpfen, dass das Bergrennen Hemberg eine Bewilligung erhielt», berichtet Kurt Stöckli. Der Rennsport habe es zu jener Zeit schwer gehabt, da sich viele schlimme Unfälle ereignet hätten. «Doch ich war von dieser Strecke überzeugt und so holte ich mir prominente Hilfe», sagt der 84-Jährige.

Diese erhielt er in Person von Georg Nef, damaliger Gemeindepräsident von Hemberg, später auch Kantons- und Nationalrat. Er ist unlängst verstorben, wie viele andere, die sich für das erste Hemberger Bergrennen eingesetzt haben. «Ich würde mich selbst als einen Auslöser bezeichnen. Aber Georg war unglaublich wichtig, denn er hat den Kanton überzeugt», sagt Kurt Stöckli.

Nachdem der Kanton eingewilligt hatte, konnten die Vorbereitungen beginnen. Doch es gab einen Haken: «Wir durften keine Werbung für das erste Bergrennen machen, weder publizistisch noch mündlich», sagt Kurt Stöckli. Der Grund dafür war, dass der Kanton das Rennen probeweise und möglichst unter Ausschluss eines grossen Publikums durchführen wollte, um in Ruhe Erfahrungen sammeln zu können. Dies berichtete die Zeitung der Toggenburger.

Doch der Plan ging nicht ansatzweise auf. Gemäss «Toggenburger» fanden zwischen 4000 und 6000 den Weg an die Rennstrecke. «Auch wenn wir keine Inserate schalten durften, hat sich die Sache verbreitet wie ein Lauffeuer», sagt Kurt Stöckli. Er und seine Kollegen vom 500er-Club für schweizerischen Kleinwagensport, der das Rennen organisierte, hätten sich auch nicht ganz an die Vorgaben gehalten und Mund-zu-Mund-Propaganda betrieben.

180 Grad-Wendung in der Haarnadelkurve

Herbert Mueller, Autorennfahrer, gewinnt am 7. Oktober 1973 das Bergrennen St. Peterzell-Hemberg. 5 Jahre nach der ersten Durchführung waren die Autos schon einiges moderner. (Bild: keystone)

Herbert Mueller, Autorennfahrer, gewinnt am 7. Oktober 1973 das Bergrennen St. Peterzell-Hemberg. 5 Jahre nach der ersten Durchführung waren die Autos schon einiges moderner. (Bild: keystone)

Kurt Stöckli denkt fast ungläubig zurück, mit was für Autos sie am ersten Hemberger Bergrennen angetreten sind. «Es ist schon verrückt. Mein Auto hatte einen Peugeot-Motor, genauer gesagt ein Motörlein von 1100 Kubik. Die Reifen waren die eines Personenwagens. Heute wäre das absolut unvorstellbar», meint der 84-Jährige. Er sei stolz, dass sie trotzdem anständige Rennzeiten abgeliefert hätten. «Man muss sich auch vor Augen führen, was damals für Strassenverhältnisse herrschten. Teils waren es Naturstrassen», sagt Kurt Stöckli. Bei seinem Auto habe sich die hintere Achse jeweils stark verbogen, weshalb die Reifen nicht mehr in gerader Position gestanden hätten. «So haben die Reifen zwischendurch mehr gespult als etwas anderes und hatten keinen Griff», berichtet der Rentner lachend.

Die Strecke des ersten Bergrennens wurde von vielen Menschen als gefährlich eingestuft. Die Fahrer selbst sahen das nicht so eng. «Ich weiss noch, dass ein Fahrer vor mir eine 180-Grad-Wendung in einer Haarnadelkurve gemacht hat. Nach dem Rennen sagte er zu mir: ‹Von wegen gefährlich, hier kann man sogar wenden›», berichtet Kurt Stöckli.

«Stolz darauf, etwas ausgelöst zu haben»

Dem ersten Rennen am Hemberg misst Kurt Stöckli eine hohe Bedeutung bei. «Ich bin stolz darauf, etwas ausgelöst zu haben. Dass das Rennen nach dem Unterbruch zwischen 1991 und 2011 wieder stattfindet, ist eine Genugtuung für den Aufwand, den wir hatten», sagt der Rennsportfan. Natürlich hätten sie auch Glück gehabt, dass sich beim ersten Rennen kein nennenswerter Unfall ereignet habe. Dies bestätigt auch der «Toggenburger»: «Erfreulicherweise gab es nebst etwas Blechschaden an einem kleinen Serientourwagen überhaupt keine Unfälle.» Diese Tatsache sei auch ein Grund gewesen, dass eine Begeisterung rund um das Rennen entstanden sei, so Stöckli. «Das ganze Drum und Dran war gigantisch. Die Begeisterung der Menschen war förmlich greifbar», sagt der 84-Jährige.

Hinweis

Das Hemberger Bergrennen findet am Samstag, 9. und Sonntag, 10. Juni, statt.

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