Mit Palma zu Europameister Ehren – Toggenburger Kuh räumt in Verona ab

Hansueli Huser, Neu St.Johann, überzeugte mit seiner Kuh Palma in Verona und holte den Europameistertitel.

Adi Lippuner
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Palma, aus der Zucht von Hansueli (ganz rechts) und Andrea Huser (zweite von rechts) aus Neu St.Johann, wurde in Verona zur Europameisterin gekürt.

Palma, aus der Zucht von Hansueli (ganz rechts) und Andrea Huser (zweite von rechts) aus Neu St.Johann, wurde in Verona zur Europameisterin gekürt.

Bild: PD

Zwölf Jahre nach dem letzten grossen Erfolg eines St.Galler Braunviehzüchters stellt Hansueli Huser aus Neu St.Johann-Schlatt die Europameisterin. In Verona, Italien, überzeugte die Kuh Palma, eine Tochter der legendären Patrizia, den Richter und krönt damit die Züchterarbeit der engagierten Familie aus dem Toggenburg. Für den Züchter ist es, wie er auf Anfrage sagt, «die Krönung meiner bisherigen Karriere». Er hoffe, dass er noch weitere Erfolge erzielen kann, und will sich dafür einsetzen, den bisher erreichten, hohen Stand zu halten.

Palma steht im Schlussbild vor dem Publikum

Auf die Frage an Hansueli Huser, ob die Europameisterin nun in seinem Stall, nach der Rückkehr, eine Sonderbehandlung erhalten werde, lacht der Landwirt herzhaft und meint: «Sie wird sich, wie alle anderen Tiere im Laufstall bewegen, gut gefüttert und gemolken werden und erhält sicher ab und zu eine extra Streicheleinheit.» In Verona holte sich Palma Platz eins bei den Jungkuh-Championwahlen. «Wir freuten uns riesig und dachten, dass dies ein grosser Erfolg ist», so Hansueli Huser. Doch dann ging die Wahl weiter, die junge Palma stand mit vier älteren Schweizer Kühen und der italienischen Nationalsiegerin als Schlussbild vor den Zuschauern. Richter Daniele Garbaldi aus Italien entschied sich für Palma, eine Blooming Tochter, und krönte mit diesem Titel die eindrückliche Züchterkarriere der Familie Huser.

Ein Gesamtpaket, wie es nur wenige Tiere erreichen

Für Braunviehkenner wichtig: Palma ist eine Tochter der legendären Jolden Patrizia deren Gesamtpaket Produktion, Fitness, Exterieur und Zuchtpotenzial nur ganz wenige Kühe erreichen. Palma hat, wie ihre Mutter, einen Eiweissgehalt von vier Prozent und erhielt in der Vergangenheit bereits die Auszeichnung Junioreuterchampion an der «Tier und Technik», sie war Junior-Vizechampion und Schweizer Meisterin bei den Erstmelkkühen und erhielt eine Ehrenerwähnung an der Betriebsmeisterschaft.

Doch was braucht es, um in der Zucht ganz vorne mitzumischen? «Ohne Fleiss keinen Preis», dieses Sprichwort zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben des 1972 geborenen Hansueli Huser. Aufgewachsen auf einem Hof im Weiler Schlatt, hoch über Neu St.Johann lernte er auf dem elterlichen Hof schon früh, was anpacken heisst. «Ich war das jüngste von vier Kindern und für mich war immer klar, dass ich Bauer werden will.» Seine berufliche Laufbahn begann sozusagen in den Kinderschuhen, denn nebst dem Besuch der Schule gehörte die Arbeit auf den Hof ganz selbstverständlich dazu.

Was für den Vater üblich war, lernen auch seine eigenen Kinder: Werner (24), Jasmin (18), Christian (16), Hansruedi (15) und Reto (9) packen, ihrem Alter entsprechend überall mit an, wo sie gebraucht werden. Das Gleiche gilt für Ehefrau Andrea. Sie stammt aus dem zur Gemeinde Mosnang gehörenden Dorf Dreien und ist die Tochter des engagierten Ziegenzüchters Sepp Wenk. Die Familie Huser bewirtschaftet ihren Hof ohne fremde Hilfe. Bei 38 Kühen und 60 Stück Jungvieh ein gerütteltes Mass an Arbeit, sind sich die Eheleute einig.

Seit Anfang an ganz vorne mit dabei

Im Oktober 2005 wurde in Nesslau erstmals die grösste Viehschau des Kantons St.Gallen durchgeführt. Bis zu diesem Datum präsentierten sich die Tiere dezentral, also an den Schauen in Krummenau und Nesslau. Bei der Familie Huser stand damals die Frage im Raum: «Weiterhin mittun oder daheim bleiben?» Weil Traditionen – und dabei vor allem das Öberfahre und die Teilnahme an der Viehschau – allen wichtig sind, nahmen Tiere und Besitzer den Weg vom Schlatt bis nach Nesslau unter die Füsse. Dass an jenem denkwürdigen Tag Prinzessin, die Mutter der legendären Jolden Patrizia, «Miss Nesslau» wurde, hätte Hansueli Huser nicht zu hoffen gewagt.

«Aber das war sozusagen der Ansporn, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen. Wir befassten uns noch eingehender mit der Züchterarbeit und durften während der vergangenen Jahre zahlreiche Erfolge verbuchen.» Eine bescheidene Aussage angesichts der Tatsache, dass Jolden Patrizia von Reto Grünenfelder, inzwischen Präsident von Braunvieh Schweiz wie folgt beschrieben wird. «Jolden Patrizia vereinigt Schönheit, hohen Eiweissgehalt, beste Eutergesundheit und Fruchtbarkeit, gute Persistenz und hohe Zuchtwerte.»

Nachgefragt

«Ideal, wenn die ganze Familie Freude an Kühen hat»

Reto Grünenfelder, Präsident Braunvieh Schweiz.

Reto Grünenfelder, Präsident Braunvieh Schweiz. 

Bild: PD

Hansueli Huser ist ein Züchter mit kontinuierlichem Erfolg. Was braucht es, um längerfristig ganz vorne mit dabei zu sein?
Reto Grünenfelder: Es braucht mehrere Faktoren. Sicher ein guter Viehbestand und Kuhfamilien, die über mehrere Generationen erfolgreich sind. Das Zuchtziel des eigenen Betriebs muss konsequent verfolgt werden, dazu gehört der Verzicht auf die Beteiligung an Modeströmungen. Zudem muss sich der Züchter mit der Genetik der Stiere gut auskennen und diese gezielt anwenden. Nicht zuletzt ist es ideal wenn, wie bei der Familie Huser, alle enorm viel Freude an den Kühen haben.

Welche Bedeutung hat der Sieg in Verona für die Toggenburger und die Schweizer Braunviehzucht?
Das ist beste Werbung für die Schweizer Braunviehgenetik, waren doch in Verona mehrere Züchter mit ihren Spitzentieren anwesend. Zudem fördern solche Ausstellungen auch die Zusammenarbeit zwischen den Ländern, denn die Rasse Braunvieh gehört weltweit zu einer Minderheit. Fürs Toggenburg ist es eine Bestätigung, dass es sich schweizweit um eine Hochburg der Braunviehzucht handelt.

Wie beurteilen Sie persönlich diesen Erfolg der Familie Huser mit Palma?
Das ist ganz einfach die Krönung für die langjährige und erfolgreiche Züchterarbeit der Familie Huser, dieser Erfolg ist kaum mehr zu toppen. (adi)

Feier für Palma und ihren Züchter

Am Dienstag, 3. März, wird Palma, nachdem sie vier Wochen in Quarantäne verbrachte, wie dies vom Tierseuchengesetz vorgeschrieben ist, auf den Hof im Schlatt in Neu St. Johann zurückkehren. Ab 17.30 Uhr findet ein offizieller Empfang statt, dabei wird Regierungsrat Bruno Damann vor Ort sein, die Gemeinde Nesslau, die Züchtergruppe und Braunvieh St.Gallen werden den Erfolg der Familie Huser würdigen. Musikalische Unterhaltung und eine Festwirtschaft runden die Feier ab. (adi)