Mit Humor gegen Rassismus – Comedian Charles Nguela begeistert das Zeltainer-Publikum

Der Stand-up-Comedian Charles Nguela thematisiert in seinem neuen Programm unter anderem Rassismus. Am Samstag präsentierte er es im Zeltainer in Unterwasser.

Mirjam Bächtold
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Charles Nguela gastierte im Zeltainer in Unterwasser.

Charles Nguela gastierte im Zeltainer in Unterwasser.

Bild: Ueli Bächtold

«Seit ich in Zürich lebe, habe ich viel mit Vorurteilen zu kämpfen», sagt Charles Nguela und im Publikum denkt jeder: «Natürlich, er ist schwarz.» Doch das meint der Komiker nicht:

«Als Aargauer hat man es hier nicht leicht.»

Unter dem eigenen Lachen fühlt man sich im Publikum ertappt. Charles Nguela ist am Freitag mit seinem Programm «Helvetia’s Secret» im ausverkauften Zeltainer in Unterwasser aufgetreten. Das aktuelle Thema Rassismus hat er facettenreich in sein Programm eingewoben, begonnen bei Kantönli-Vorurteilen, welche er als Aargauer erlebt hat, bis zum diskriminierenden Erlebnis auf einem Schweizer Polizeiposten.

Dazwischen mokiert er sich über Alltagssituationen, die er gut beobachtet hat. Er beginnt seine Show mit dem allgegenwärtigen Thema Coronavirus, für das er eine Oscarverleihung erfindet.

Er schildert, wie Coronavirus über den roten Teppich schreitet und von Journalisten belagert wird. Wie sein Mentor – im Löwenmantel und mit Goldringen – ihm kurz vor der Preisverleihung den Rücken massiert: Ebola klopft Corona auf die Schulter und ruft: «Go out and get all the white people!»

Erfrischende Art kommt gut an

Charles Nguela betritt die Bühne tanzend. Er ist ein Energiebündel, der das Publikum sofort mit seiner Begeisterung ansteckt. Dass er sich freut, endlich wieder auftreten zu können, sieht man ihm an. Es ist sein erster Auftritt, nachdem er wegen des Lockdowns drei Monate lang pausieren musste. Er sei deshalb sehr nervös, gesteht er.

Das merkt man höchstens daran, wie er hektisch vom einen Bühnenrand zum nächsten geht, jede Bewegung mit der freien Hand unterstreicht und das Lachen über die eigenen Witze unterdrücken muss. Als ein Mann in der ersten Reihe länger lacht als der Rest des Publikums, bricht der Stand-up-Comedian selbst in Lachen aus und kann kaum noch damit aufhören. Er scherzt:

«Dich werde ich in Zukunft zu meinen Shows mitnehmen.»

Seine erfrischende, herzliche Art und sein Humor, mit dem er Alltagssituationen auf die Schippe nimmt, kommen beim Publikum gut an.

Er kritisiert unplausible Sexszenen in Filmen und stellt sie so dar, wie sie in der Realität eigentlich aussehen. Unbeholfen, dafür realistisch. Er gesteht, dass er Angst davor hat, Kinder zu bekommen wegen seiner eigenen Kindheit. Er erzählt auf witzige Weise, wie er als jüngstes von vier Kindern von seinen Brüdern viel einstecken musste.

Nguelas Umgang mit seiner Wut

Natürlich thematisiert er auch seine Hautfarbe. Er beschreibt, wie der Kommandant im Militär sagte: «Ihr rennt jetzt alle zurück. Der letzte zahlt eine Runde und ist der Neger.» Lustig wird das erst mit seinem Nachsatz: «Wo in der Geschichte der Menschheit, habt ihr eine Gruppe Männer rennen sehen und der letzte war ein Schwarzer?

In sein Comedyprogramm baut Nguela auch die Szene seiner Verhaftung ein, weil er verdächtigt wird, Drogen in einem Abfalleimer am Bahnhof deponiert zu haben. Auf der Wache wird er untersucht – wie das bei der Suche nach Drogen üblich ist –, auch in der Intimzone. Er schildert die Szene so, dass er dem Polizisten dieses Vergnügen gönnen mag. Er beschreibt eine Szene, die für ihn sehr demütigend war, auf eine Art, dass ein weisses Publikum darüber lachen kann.

In einem früheren Artikel wird Nguela als Albtraum jeder Antirassismusorganisation bezeichnet. Wohl, weil er mit dieser Art von Humor Gefahr läuft, andere Schwarze vor den Kopf zu stossen. Doch für ihn ist es ein Weg, mit seiner Wut umzugehen. Damit befreit er sich aus der Opferrolle. «Mein Vater sagte immer: ‹Egal wie arm du bist, solange du lachen kannst, bist du reicher als alle.›»