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Mit Ernst Zwingli verabschiedet sich ein «Bänkler» der alten Schule von der Raiffeisenbank Obertoggenburg

Im Oktober 1986 kam der Gemeinderatsschreiber Ernst Zwingli von Bischofszell in die damalige Raiffeisenbank Nesslau-Krummenau als Bankleiter. Nun ist er im Vorruhestand und blickt noch einmal auf seine Wirkenszeit zurück.
Sabine Camedda
Ernst Zwingli arbeitete fast 33 Jahre lang als Bankleiter der Raiffeisenbank Obertoggenburg, nun wird er freiberuflicher Immobilienmakler. (Bild: Sabine Camedda)

Ernst Zwingli arbeitete fast 33 Jahre lang als Bankleiter der Raiffeisenbank Obertoggenburg, nun wird er freiberuflicher Immobilienmakler. (Bild: Sabine Camedda)

Dass Ernst Zwingli im Herbst 1986 vom Gemeindehaus Bischofszell zur damaligen Raiffeisenbank Nesslau-Krummenau wechselte, bezeichnet er heute als «ungeplant». Er sei gerne Gemeinderatsschreiber gewesen. Dennoch hat er sich quasi in letzter Minute auf die Stelle als Bankleiter in Neu St.Johann beworben. Nicht zuletzt wegen seiner Frau, die ins Toggenburg zurückkehren wollte.

Der Quereinsteiger Zwingli bekam die Stelle – und behielt sie bis zu seinem Vorruhestand. Die Bank sei damals schon fortschrittlich gewesen, wenn auch ganz anders als heute, erzählt Ernst Zwingli. Vier Mitarbeiter waren sie damals und die Kunden bestanden hauptsächliche aus Bauern und Inhabern von Kleingewerbe.

«Es gab gerade einmal einen Lehrer als Kunden.»

Als Bauernsohn habe er aber schnell einen Draht zu den Kunden gefunden. So wurde er auch für Aufgaben ausserhalb der Bank angefragt, welche ihm den Aufbau eines grossen Beziehungsnetzes ermöglichten. «Ich habe mich um die Finanzen der Kreisalpenkorporation gekümmert und war in der Kommission. Zudem habe ich im Jodelclub gesungen und war später unter anderem auch im Schulrat», sagt er.

Dieses Engagement forderte aber seinen Tribut. «Ich habe nach den Sitzungen viele Nächte im Büro gesessen und meine Aufgaben erledigt. Das war nötig, sonst hätte meine Zeit nie gereicht», erzählt Ernst Zwingli.

Ins Bankfach hat er sich rasch eingearbeitet. Er habe sich in seiner Anfangszeit vor allem um Kredite gekümmert. Das nötige Wissen brachte er vom Grundbuchamt der Gemeinde mit.

Gute Mitarbeiter sind wichtig für den Erfolg

Viel Erfahrung brachten ihm auch bankinterne Weiterbildungen und der Austausch mit anderen Bankleitern. Oftmals habe er dabei gehört, dass Kollegen dieselben Sorgen hätten und da sei er beruhigt gewesen. «Der Erfolg einer Bank hängt aber stark von den Mitarbeitern ab», ist Ernst Zwingli überzeugt. Das habe er früh erkannt und Mitarbeiter stets gefördert. «Eine Investition in die Ausbildung von jungen Menschen zahlt sich immer aus.»

Das Wachstum der Bank – durch Fusionen ist die Raiffeisenbank Obertoggenburg mit 30 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von 654 Millionen Franken entstanden – hat für den Bankleiter neue Herausforderungen gebracht. Er habe sich immer anpassen können und aus Intuition das Richtige gemacht, sagt Ernst Zwingli.

Sie hätten ihren Kunden einen überdurchschnittlich hohen Service geboten und auch Dinge erledigt, die über das Bankengeschäft hinaus gingen. Das und die Treue der Mitarbeiter brachten mit sich, dass die Raiffeisenbank Obertoggenburg auch viele auswärtige Kunden hat. Denn diese schätzen es, wenn sie länger mit «ihrem» Bankberater zusammenarbeiten können.

Bei zu vielen Regulatorien geht der Mensch vergessen

Doch nicht alle Veränderungen findet Ernst Zwingli gut. «Die ganzen Regulatorien können einem das Business zum Verleiden bringen», bringt er es auf den Punkt. Die Banken seien die am dichtesten regulierte Branche in der Schweiz.

«Wo bleibt da der gesunde Menschenverstand? Das zunehmend enge Korsett, in dem man sich bewegen muss, wird dem Menschen, dem Kunden, nicht mehr immer gerecht. Dagegen habe ich mich stets gewehrt.»

Man könne ihn «alte Schule» nennen, aber er denke, dass heute oftmals das Wesentliche untergehe und die Bank die Kunden mit Kleinkram belasten müssen. Auf für die Mitarbeitenden sei es schwierig, ständig Neuerungen und Anpassungen umzusetzen und dann im Alltag auch nichts zu übersehen.

Ein kleiner Schritt in die Immobilienbranche

Zwar tritt Ernst Zwingli nun beruflich kürzer, in den Ruhestand verabschiedet er sich nicht. Nun habe er mehr Zeit, zusammen mit seiner Frau die erwachsenen Kinder und deren Familien zu besuchen, sagt er. Dazu kommt eine freiberufliche Tätigkeit als Immobilienmakler.

Erfahrungen mit dem Thema Bauen hat Ernst Zwingli genügend gesammelt. Sein Einfamilienhaus, drei Banken, ein Schulhaus, Alterswohnungen, die Markthalle Toggenburg und das Holzenergiezentrum Toggenburg – bei all diesen Projekten war Ernst Zwingli involviert.

Beim letzten Bau, der neuen Raiffeisenbank in Nesslau, hatte allerdings Ernst Zwinglis Nachfolger Thomas Bleiker die Federführung. «Ich bin aber überzeugt, dass wir ein sehr gutes Projekt umgesetzt haben, das hoffentlich langfristig für Nesslau einen Mehrwert bringt», sagt Ernst Zwingli.

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