Mit einer Geburtstagsparty in die zweite Saison: Das Lichtensteiger Rathaus für Kultur feiert

Offene Ateliers, Musik und entspannt-angeregte Gesprächen. In Lichtensteig wird trotz Corona-Virus gefeiert.

Sascha Erni
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In der Rathausstube trafen sich neue und alte Freunde und Bekannte des Kulturzentrums.

In der Rathausstube trafen sich neue und alte Freunde und Bekannte des Kulturzentrums.

Bild: Sascha Erni

«Corona-Registration» stand auf einem Anschlag im Eingangsbereich des Kulturzentrums in Lichtensteig zu lesen. Auch an seinem Geburtstag musste das Rathaus für Kultur verschiedenen kantonalen Auflagen folgen. So wurde am Samstag zur Feier des einjährigen Bestehens des Rathauses für Kultur und der Dogo-Residenz für Neue Kunst nur eingelassen, wer mit Namen und Unterschrift bestätigte, dass er oder sie nicht Epidemie-Zentren wie China oder Norditalien besucht hat.

Auch die Geburtstagsparty im Rathaus für Kultur stand im Zeichen der Corona-Epidemie.

Auch die Geburtstagsparty im Rathaus für Kultur stand im Zeichen der Corona-Epidemie.

Bild. Sascha Erni

Im Vorfeld hatten die Projektverantwortlichen des Kulturzentrums die Hoffnung ausgedrückt, dass die Gäste trotz der Virus-Situation zahlreich erscheinen würden. Tatsächlich fanden sich über 100 Personen ein, um die erste Saison des Rathauses für Kultur zu feiern. Man traf sich in der Rathausstube zu Risotto und Gesprächen oder besuchte die offenen Ateliers der Kunstschaffenden.

Gut etablierte «Keller-Feten»

Später spielte die Band More Eats im Foyer auf, während das Duo Daif im Dachgeschoss mit nachdenklichen Texten zu elektronischer Musik rappte. Eine Afterparty mit den Kultur Konsumenten und im Rathauskeller mit DJ Nexus 2000 durfte nicht fehlen. «Die Keller-Feten haben sich 2019 gut etabliert», freute sich Maurin Gregorin vom Rathaus-Team. Die erste Saison im Rathaus für Kultur sei ein gutes Jahr gewesen, führte Gregorin aus. Es sei eine anstrengende und intensive Zeit gewesen.

Im Herbst 2018 ging das Rathaus für Kultur mit einer Crowdfunding-Kampagne an den Start. Dazu wurde auch das Sommerbeizli auf dem Bankplatz aus dem Winterschlaf geholt.
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Das Crowdfunding war erfolgreich. Monatelang bauten freiwillige Helfer das Innere des denkmalgeschützten Rathauses um.
Am 9. März 2019 eröffnete das Rathaus für Kultur mit einem Festakt.
Auch der Schwesterverein Dogo – Residenz für Neue Kunst legte los. Bereits im April führten die jungen Künstlerinnen und Künstler durch ihre Ateliers.
Die Kunstschaffenden aus aller Welt wohnten jeweils einige Monate bei Dogo im Rathaus und zeigten mit Werkschauen ihre im Toggenburg entstandenen Arbeiten.
Beliebt waren im ersten Jahr besonders auch die Partys im Rathauskeller.
Während den Jazztagen verwandelte sich der grosse Ausstellungsraum in einen Dancefloor.
Ein Highlight des ersten Jahres war das zusammen mit dem Familienzentrum organisierte Kinderfest.
Das ganze Jahr über fanden in und um das Rathaus für Kultur Konzerte wie hier von «Kamala» statt.
Für aufwendigere Veranstaltungen wie den Auftritt von Livia Rita nutzte das Rathaus für Kultur die Kalberhalle.
Ins neue Jahr starteten das Rathaus für Kultur und Dogo mit einer ersten Kollaboration: Die Gruppenausstellung «Rivapiana» des Steckborner Kollektivs «Haus zur Glocke» lockte hunderte Besucher an.
An der Geburtstagsfeier vom 7. März machte das Duo «Daif» mit tanzbaren Beats und nachdenklichen Texten die Aufwartung im Rathaus für Kultur.

Im Herbst 2018 ging das Rathaus für Kultur mit einer Crowdfunding-Kampagne an den Start. Dazu wurde auch das Sommerbeizli auf dem Bankplatz aus dem Winterschlaf geholt. 

Bild: Sascha Erni (14. September 2018)

«Durch die Intensität haben wir manchmal das Gefühl, als wären wir schon viel länger hier», sagt er und lacht. Denn es war durchaus ein volles Jahr fürs Rathaus: Eine Auflage der Gemeinde Lichtensteig ist laut Gemeinderat Roland Walther, dass das Rathaus für Kultur pro Jahr fünf öffentliche Anlässe durchführt. «Das haben sie bei weitem übertroffen», meinte Walther am Samstag.

Rathaus-Team holte vergessene Tradition zurück

Für Gregorin war besonders das Kinderfest ein Highlight. «Das wollen wir unbedingt wiederholen.» Das Rathaus-Team hatte zusammen mit dem Familienzentrum Lichtensteig und vielen Vereinen eine fast hundert Jahre lang vergessene Tradition wiedererweckt. Generell seien die Events gut besucht gewesen. Besonders die Apéros wie für Hochzeitsgesellschaften kamen laut Gregorin überraschend gut an. «Das hatten wir so gar nicht auf dem Radar.» In diesem Bereich wolle das Rathaus-Team weiter ausbauen.

Denn das komme auch der Rathausstube zugute. Das Lokal stand in der ersten Saison immer wieder in der Kritik. Besondere Verwirrung schafften die Öffnungszeiten, so hatte etwa die Bevölkerung kaum verstehen können, weshalb die Sommer-Beiz erst gegen Abend öffnete und dass die Rathausstube im Winter seltener geöffnet hat, irritierte viele. «Wir brauchen die Beiz, wir hätten sie gerne immer offen, aber das liegt nur schwer drin», erklärte Maurin Gregorin. Das Projektteam müsse einen Spagat machen, da es die Rathausstube nicht mit den Fördergeldern, die der Verein erhält, quersubventionieren dürfe. «Die Rathausstube muss alleine rentieren.»

Mehr Regelmässigkeit, mehr Struktur

Um die Situation zu verbessern, setze das Team auch auf Regelmässigkeit. Neu werden die Anlässe im Rathaus für Kultur vierteljährlich programmiert, was auch für die Rathausstube positiv sei. Denn die Kombination aus Kultur, Speis und Trank habe sich 2019 als sehr beliebt herausgestellt. «Wir wollen aus der Sturm-und-Drang-Phase des ersten Jahres nun zu mehr Regelmässigkeit und Struktur kommen, ohne die Lust am Neuen zu verlieren.»

Eine dieser Neuerungen ist die Einführung von Schwerpunktthemen. Für 2020 lautet das Motto «Gegensätze im Toggenburg». Das Rathaus-Team arbeitet dabei mit dem geplanten Solarkino zusammen, um einen Kurzfilm-Wettbewerb zu lancieren. «Es ist schön, dass viele Unterstützer von Anfang an an uns glaubten und es immer mehr werden», betont Gregorin. Und dass sich der Samstagabend trotz Corona-Epidemie zu einer entspannten Geburtstagsfeier gemausert hat, dürfte dem Rathaus in der Hinsicht ebenfalls entgegengekommen sein.

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