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«Mit drei Kirchen bei 1900 Mitgliedern sehr gut dotiert»: Im Unteren Toggenburg könnte bald eine Kirche verschwinden

Die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Unteres Toggenburg berät über die Zukunft ihrer drei Gotteshäuser. Nach Ansicht der Kantonalkirche sind das tendenziell zu viele.
Timon Kobelt
Die evangelische Kirche in Lütisburg liesse sich am ehesten umnutzen oder verkaufen. (Bild: PD)

Die evangelische Kirche in Lütisburg liesse sich am ehesten umnutzen oder verkaufen. (Bild: PD)

Die Hähne krähen es von den Dächern der evangelischen Kirchen im unteren Toggenburg: Der Kirchenlandschaft steht eine Veränderung bevor. «Welche Kirche sollen wir verkaufen?», titelt Enzo Fuschini, Präsident der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Unteres Toggenburg (EKGUT), im «Kirchenboten» bewusst provokativ. Dabei ist bei Weitem noch nicht klar, ob es zu einem Verkauf kommt. «Ich wollte mit dem Titel die Leute aufwecken, damit möglichst viele Menschen an unserem Bistroabend mitdiskutieren», erklärt Fuschini. Dieser findet am 30.Oktober statt und soll den Verantwortlichen der Kirchgemeinde Aufschluss über die Gedanken der Mitglieder geben.

Aktuell ist die Kirchgemeinde im Besitz von drei Kirchen mit jeweils dazugehörigem Pfarreihaus in Lütisburg, Ganterschwil und Bütschwil. In Ganterschwil steht zusätzlich ein Kirchgemeindehaus zur Verfügung. Diese drei Gemeinden und Mosnang bilden zusammen die
EKGUT, wobei in Mosnang keine evangelische Kirche steht und dessen protestantische Kirchbürger die Gottesdienste folglich in Bütschwil besuchen. Die Kirchgemeinde zählt rund 1900 Mitglieder, Tendenz noch steigend. «Das verdanken wir vor allem der Tatsache, dass in Lütisburg und Bütschwil viel gebaut wird und die Gemeinden wachsen», sagt Fuschini. Man habe heute mehr Mitglieder als beim Zusammenschluss zwischen den Kirchgemeinden von Bütschwil und Ganterschwil 2014. Lütisburg kam 2017 hinzu.

Nach Vorprojekt kommt die Verkaufsidee

«Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass wir mit etwas über 1900 Mitgliedern als Kirchgemeinde, welche dem Finanzausgleich unterstellt ist, mit drei Kirchen gut dotiert sind», schreibt Enzo Fuschini im «Kirchenboten». Der Präsident erklärt, dass er diese Rückmeldung von der Kantonalkirche erhalten habe, ausgerechnet nachdem sie ein Vorprojekt für einen Umbau bei der Kirche Lütisburg eingereicht hätten.

«Wir wurden dann darauf hingewiesen, dass wir uns mit dem Gedanken befassen sollten, uns allenfalls von einer unserer Kirchen zu trennen.»

Auch deshalb wolle man am Bistroabend die Mitglieder abholen, um Ideen und Meinungen zu hören.

Enzo Fuschini, Präsident der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Unteres Toggenburg. (Bild: Timon Kobelt)

Enzo Fuschini, Präsident der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Unteres Toggenburg. (Bild: Timon Kobelt)

Das Vorprojekt in Lütisburg sieht einen Anbau vor, der direkt mit der Kirche verbunden ist. Eine Glaswand soll für eine gewisse Trennung sorgen. Der Anbau könne etwa als Spielecke für Kinder während eines Gottesdiensts und für den Kirchenkaffee genutzt werden, meint Fuschini. «Natürlich würden wir auch Anlässe in diesem Raum abhalten. Es geht vor allem darum, den Kirchenraum mit dem zusätzlichen Raum multifunktional zu nutzen», erklärt der 70-jährige Präsident. Er glaubt nicht, dass es verlorenes Geld wäre, wenn man einen anderen Kurs als den des Vorprojekts fahren würde. «Auch wenn das Projekt nicht realisiert würde, eignet es sich gut, um den Menschen aufzuzeigen, in welche Richtung sich das Kirchenleben entwickeln könnte.»

Zentrale Elemente verändern sich

Konkret meint er damit, dass die Kirchen und die Gottesdienste künftig wohl nicht mehr die zentralen Elemente innerhalb einer Kirchengemeinde sein werden.

«Es gibt eine Verschiebung des Schwerpunkts hin zu anderen gemeinsamen Veranstaltungen.»

Gut möglich also, dass sich die Gotteshäuser in ihren Gemeinden mit der Rolle der zweiten Geige abfinden müssen. Auch die Gottesdienste würden sich stark verändern, so Fuschini. Die Pfarrerinnen und Pfarrer nicht mehr zwingend die Hauptdarsteller und müssten ihre Rollen vermehrt als Vermittler interpretieren.

«Es ist eine Tatsache, dass die gewöhnlichen Gottesdienste schwach besucht sind. Wenn wir allerdings spezielle Programmpunkte anbieten können, kommen die Menschen.»

In Lütisburg und Bütschwil würden zurzeit mehr Gottesdienste durchgeführt als in Ganterschwil, wo rund alle zwei Wochen die Kirche ihre Tore öffnet. «Dass in allen Kirchen gleichzeitig ein Gottesdienst stattfindet, hat Seltenheitswert. Vielleicht einmal an einem hohen Feiertag», berichtet Fuschini. Doch selbst an diesen sei es schwierig, die Kirche zu füllen.

Wenn man Alternativen für das Zentrum innerhalb der Kirchengemeinde finden wolle, komme man nicht umhin, über die Infrastruktur zu sprechen. «Deshalb haben wir auch dieses Vorprojekt in Lütisburg erarbeitet und zusätzlich ein Gebäudekonzept für unsere Kirchgemeinde erstellt», sagt Fuschini. In diesem Konzept sind die Gebäude der EKGUT nach Wert und Stärken und Schwächen klassiert.

Die evangelische Kirche in Ganterschwil steht unter Denkmalschutz. (Bild: PD)

Die evangelische Kirche in Ganterschwil steht unter Denkmalschutz. (Bild: PD)

Spiel man die Gedankengänge von Verkauf oder Umnutzung durch, ist vor allem spannend, wie die Gebäude geschützt sind. Dabei wird schnell klar, dass vor allem die Kirche Lütisburg sich für eine andere Nutzung eignen würde, da die beiden anderen Gotteshäuser geschützt sind. Der Zeitwert beträgt bei den Kirchen Bütschwil und Ganterschwil rund 2 Millionen Franken, in Lütisburg rund 1,5 Millionen.

Die evangelische Kirche in Bütschwil könnte im Inneren allenfalls leicht angepasst werden. (Bild: PD)

Die evangelische Kirche in Bütschwil könnte im Inneren allenfalls leicht angepasst werden. (Bild: PD)

Die Meinungen gehen weit auseinander

Enzo Fuschini ist sich bewusst, dass das Thema emotional ist: «Die Meinungen gehen sehr weit auseinander.» Dies zeigt sich auch am Beispiel Ebnat-Kappel: Als die Kirche Kappel verkauft wurde, reichte die Meinungsspanne von «Verrat» bis hin zu «Erleichterung». Deshalb will Enzo Fuschini dem Prozess genügend Zeit lassen, damit er «reifen kann». Selbst wenn dies bedeutet, dass bis 2022, wenn er sein Amt niederlegen will, keine fertige Lösung auf dem Tisch liegt.

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