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Der etwas andere Studienurlaub: 6716 Kilometer mit dem Velo quer durch den Balkan

Der Pfarrer Philippe Müller radelte diesen Frühling im Rahmen seines Studienurlaubs von Ebnat-Kappel über den Balkan bis in die Türkei. Nun erzählt er von seinen Erlebnissen und Begegnungen.
Julia Engel
Am Ziel: Philippe Müller mit seinem Velo vor der Hagia Sophia in Istanbul. (Bild: PD)

Am Ziel: Philippe Müller mit seinem Velo vor der Hagia Sophia in Istanbul. (Bild: PD)

Obwohl Philippe Müller gerne als Pfarrer arbeitet, ist sein Beruf nicht das einzige Wichtige in seinem Leben. «Velofahren ist meine Leidenschaft. Das brauche ich als Ausgleich zum Pfarramt», verriet er und fügte an, dass er pro Jahr zwischen 7000 und 8000 Kilometer mit dem Rad zurücklege.

Drei Monate auf dem Velosattel unterwegs

Diesen Frühling radelte er rund drei Monate mit dem Velo in die Türkei. Bereits im Winter begann er mit den Vorbereitungen. Dazu gehörte ein Veloflickkurs beim Velomechaniker, eine Hunde-Verhaltens-Schulung und natürlich das Packen. Sein Plan: hin mit dem Velo, zurück mit der Fähre. Insgesamt 6716 Kilometer legte er auf dem Velosattel zurück.

Das ganze Abenteuer hielt er auf seinem Blog fest, auf dem er sich selbst als Radpfarrer bezeichnet. Es war seine Familie, die ihn auf die Idee brachte, seine Reise so zu dokumentieren. «Jeden Tag erlebte man etwas und das auf den Punkt zu bringen, hat sehr geholfen, das Ganze etwas zu fassen», meinte er im Nachhinein und sah auch einen Eigennutzen im Blog.

Hype-Weg, Kriegsgebiet oder eben Istanbul

Aufgrund seiner Abreise in der kalten Jahreszeit entschied sich Müller für den Süden. «Nach Santiago de Compostela wollte ich nicht, weil dieser Jakobsweg momentan ein Hype ist.» Der Jerusalemweg sei ebenfalls weggefallen, des Krieges in Syrien wegen. Schlussendlich entschied er sich also für Istanbul, wobei sein eigentliches Ziel Marmaris (Türkei) war. «Istanbul tönt einfach gut», nannte er als Grund, diese Stadt als Ziel anzugeben.

Philippe Müller ist der evangelische Pfarrer in Ebnat-Kappel

Philippe Müller ist der evangelische Pfarrer in Ebnat-Kappel

Nachdem das Ziel feststand, suchte er sich diverse Orte aus, an denen er Zwischenstopps einlegen würde. Christlich bedeutsame Pilgerorte, diverse Kirchen und zwei lokale Hilfsprojekte, die vom Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) unterstützt werden, befanden sich darunter. Es sei eindrücklich gewesen, mit den Leuten vor Ort zu sprechen, meinte Müller.

Bekanntschaften gestalteten sich eher schwierig

Während seiner Reise habe er andere Radreisende in Italien kennen gelernt, die nächsten jedoch erst in Mazedonien und Griechenland. «Ich hätte mehr Veloreisende erwartet», meinte Müller dazu. In den Unterkünften habe er noch ein paar Leute getroffen, doch daraus seien oft nur oberflächliche Gespräche entstanden, da er meist bloss eine Nacht an einem Ort verharrte.

«Ich habe mir das Pilgern etwas beschaulicher vorgestellt. Anfangs war ich überrascht, wie aufwendig es ist, Unterkünfte und Essen zu suchen.»

Nach einiger Zeit habe sich jedoch ein Rhythmus eingependelt, und er habe die Tagesetappe immer besser einschätzen können, was die Buchung der Unterkünfte erleichtert habe. Brenzlige Situationen habe er kaum erlebt. Teilweise sei er durch Gebiete gefahren, in denen er nicht übernachten haben wolle. Grundsätzlich habe er aber Glück gehabt und alles sei reibungslos verlaufen.

«Es bleibt ein Schatz, den man mitträgt»

Um den Pilgercharakter beizubehalten, habe er regelmässig meditiert und das Neue Testament gelesen. «Mein schönstes Erlebnis war die Einfahrt in Istanbul.» Er habe unbedingt vor die grosse Kirche namens Hagia Sophia fahren wollen. Stolz, Reichtum und Erfüllung, dass es ihm gelungen ist, nehme er aus der Reise mit. Ob es ihn menschlich verändert hat, wisse er nicht. «Der Alltag holt einen schnell wieder ein, aber es bleibt ein Schatz, den man mitträgt», so Müller. Er würde sofort wieder gehen, vieles gleichmachen, jedoch etwas straffer planen, um zielbewusster fahren zu können.

Leidenschaftlicher Pfarrer und Velofahrer

Die Idee vom Theologiestudium festigte sich bei Philippe Müller erst kurz vor der Matura. Einen speziell religiösen Hintergrund hat seine Familie nicht, er ist ein Einzelfall mit dieser Berufsentscheidung. Nach dem abgeschlossenen Studium absolvierte er ein Vikariat und startete danach direkt mit der Arbeit als Pfarrer in Kirchberg. Seit 1999 ist er nun in Ebnat-Kappel im Pfarramt. Mittlerweile ist er verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Neben seinem Amt, das er nun bereits seit 27 Jahren ausübt, ist er als Religionslehrer tätig und seine Freizeit verbringt er gerne auf dem Velo. Seine Leidenschaft fürs Velofahren begann schon früh, bereits die Rekrutenschule absolvierte er bei den Radfahrern. Diesen Frühling ist er im Rahmen eines Studienurlaubs mit dem Velo nach Istanbul gepilgert. (jue)

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