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Mit dem Postauto in den Märchenwald – Die Proben zur Freilichtaufführung von «wild» laufen auf Hochtouren

Zurzeit finden im Guggenloch bei Lütisburg die Proben fürs Freilichttheater «wild» statt. Profis und Laien arbeiten Hand in Hand, um das Stück auf die Bühne beziehungsweise in den Wald zu bringen.
Sascha Erni
Die Zuschauergruppe wird zum Waldluftbad geladen. (Bild: Sascha Erni)

Die Zuschauergruppe wird zum Waldluftbad geladen. (Bild: Sascha Erni)

«Wir sind hier im absoluten Nowhere-Land», beschwerte sich eine junge Städterin im Postauto von Lütisburg Dorf zum Bahnhof. Sie trug Stöckelschuhe und kurzen Rock, wollte wohl gerade an eine Party. «Ja, im absoluten Nowhere!», gab ihre nicht minder auf Ausgang getrimmte Kollegin zurück. Das vollgepackte Postauto machte Halt, weitere Fahrgäste stiegen zu. Unter ihnen eine Dame mit Lachfalten um die Augen, in der Hand einen Stapel Papier. «Hallo, ich bin die Regisseurin. Und jetzt gerade bin ich ein Mann.»

Abstieg ins Surreale

Andrea Schulthess ist als Theatermacherin im Projektteam von «wild − ein Stück unter freiem Himmel» für die Dramaturgie zuständig. Am Abend des 1. Juni fand eine erste Hauptprobe statt, bei der der gesamte Ablauf in Kostümen geprobt wurde − und Schulthess kurzerhand die Rolle eines abwesenden Schauspielers übernahm. Es gesellten sich gut ein Dutzend Gäste zu den Darstellerinnen und Darstellern. Diese waren während der eröffnenden Postautofahrt nicht immer leicht zu erkennen, denn so schrill wie die zwei Partygängerinnen gaben sich nicht alle. Bereits früh im Stück fragte man sich also: Was ist inszeniert, was ist echt? Und gibt es wirklich einen Unterschied? Beim Lütisburger Schulgarten verliessen Gäste wie Darsteller das Postauto und machten sich zu Fuss in Richtung Guggenloch. Während des steilen Abstiegs gaben sich weitere Protagonisten zu erkennen, erste Konflikte schwelten. Aber dann kletterte plötzlich ein wilder Mann in den Bäumen, Kinder liessen Blüten regnen. Eine Hexe mit violetten Haaren schlich durchs Unterholz, Gongs und Flöten erklangen, bis schliesslich fünf weissgewandete Frauen die Gruppe anhielten und zum Waldluftbad einluden. Es sollte nur eine von vielen märchenhaften Stationen dieses Samstagabends werden.

Ein Stück über Stock und Stein

Mehr zum Inhalt von «wild» sei an dieser Stelle nicht verraten. Das Stück lebt vom Unerwarteten und Überraschenden, davon, dass das Publikum mit den Inhalten regelrecht konfrontiert wird. Dazu gehört auch, dass man sich fast die ganze Zeit über in Bewegung befindet. Ein Stück, das über Stock und Stein führt. «Wir optimieren noch die Abläufe und Timings», erklärte die Komponistin und Musikerin Angela Pina Ganzoni. So stoppten die Theatermacher etwa die Zeiten zwischen den Etappen oder experimentierten direkt mit den Reaktionen der Zuschauer. Bis zur Premiere am 6. Juni wird das gut 30-köpfige Team aus Laiendarstellern und Profis noch einiges zu tun haben.

«Ich bin gerade ein Mann»: Die Regisseurin Andrea Schulthess als Darsteller-Ersatz. (Bild: Sascha Erni)

«Ich bin gerade ein Mann»: Die Regisseurin Andrea Schulthess als Darsteller-Ersatz. (Bild: Sascha Erni)

Was aber bereits an der Probe klar wurde: Die Natur, das Wilde ist der eigentliche Star dieses Freilichttheaters. Die Atmosphäre im Guggenloch lud zum Verweilen und neugierigen Wundern ein. Naturklänge wie Vogelgezwitscher und Schafgeblöcke vermischten sich nahtlos mit Ganzonis Musik und den durchgeplanten Geräuschkulissen. Am Wasser und im Wald verwischten die Grenzen zwischen «Zufall» und «Inszenierung», zwischen «Natur» und «Kultur». Die Theaterform spiegelte so gekonnt den Kern des Stücks wider – «Alles ist Eins», wie Andrea Schulthess zuvor in ihrer Rolle als Darstellerersatz gestaunt hatte.

Hinweis

«wild – ein Stück unter freiem Himmel.» Im Guggenloch Lütisburg, vom 6. bis 30 Juni. Weitere Informationen und Reservationen unter: www.wildmond.ch.

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