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Kirche Ganterschwil: Mit dem Pinsel reinigen, aber nichts beseitigen

Schon 1941 entdeckte man bei der Kirchenrenovation spätgotische Malereien an den Wänden. Heute stehen diese unter Denkmalschutz und werden erneut restauriert.
Peter Küpfer
Die Abdeckungen vor der Reinigung zeigen ein ungewöhnliches Bild des kirchlichen Innenraums. (Bild: Peter Küpfer)

Die Abdeckungen vor der Reinigung zeigen ein ungewöhnliches Bild des kirchlichen Innenraums. (Bild: Peter Küpfer)

Nach der Sanierung des historischen Ganterschwiler Kirchturms mit seinen goldenen Zeigern wird nun auch das Innere der evangelischen Kirche Ganterschwil saniert. Dazu gehört die fachkundige Reinigung der Wände mit ihrer kunsthistorisch bedeutenden spätmittelalterlichen Wandmalerei und der Decke. Die unter eidgenössischem Denkmalschutz stehende Kirche erhält auch eine neue Innenbeleuchtung.

Gut erhaltene Malereien der Passion Christi

Sie waren bei ihrer Entdeckung eine kleine Sensation. Als die alte Ganterschwiler Kirche 1941 renoviert wurde, kamen unter dem Putz der Apsis- und Chorwände wunderschöne, spätgotische Malereien zum Vorschein. Es handelte sich dabei um Fresken, farbige Bilder, die bei ihrer Entstehung auf den frischen, noch feuchten Kalkputz angebracht wurden. Wann und warum sie übertüncht wurden, ist offen. Die Malereien mit Szenen aus der Passion Christi und des Marien-Zyklus sind gut erhalten und wurden schon bei ihrer Entdeckung fachgerecht restauriert. Sie stehen unter Denkmalschutz.

Seit einigen Tagen sind in der Kirche Fachleute am Werk. Es geht insgesamt nicht um eine umfassende Renovation, sondern um eine sorgfältige konservatorische Reinigung der Raumschale. Im Wesentlichen um die Decke und die Wände. Dabei werden weder Wasser noch Lauge verwendet. Die durch die Jahrzehnte sich natürlich bildende Patina wird mittels eines speziellen Schwamms sorgfältig gereinigt, aber nicht beseitigt. Spuren von Feuchtigkeitsschäden und Verunreinigungen müssen an Decke und Wänden von Hand, oft mit einem feinen Pinsel entfernt oder retuschiert werden. Ziel der anspruchsvollen Arbeit ist ein fürs Auge harmonisches und möglichst authentisches Gesamtbild.

Original im ursprünglichen Zustand erhalten

Eine Herausforderung für sich bilden die wertvollen Fresken. Was für die Wände gilt, gilt für die teils etwas «verwaschenen», teils detailreichen farbigen figürlichen Darstellungen erst recht. Grundsatz bei der anspruchsvollen Arbeit ist, dass das Original nicht verfälscht, sondern in seinem ursprünglichen Zustand erhalten wird. Auch das verlangt zeitraubende Arbeit mit geschultem Auge und viel Sachwissen, wie aus den Hinweisen von Kirchenmaler und Restaurator Hugo Stössel hervorgeht.

Kirchenratspräsident Enzo Fuschini (links) bespricht die Details mit Kirchenmaler und Restaurator Hugo Stössel. (Bild: Peter Küpfer)

Kirchenratspräsident Enzo Fuschini (links) bespricht die Details mit Kirchenmaler und Restaurator Hugo Stössel. (Bild: Peter Küpfer)

Um das Erhaltungswerk ins richtige Licht zu setzen, wird eine neue Innenraumbeleuchtung installiert. Die Beleuchtungskörper sind in die Decke versenkt, optisch eine höchst ansprechende Lösung. Auf dem Fussboden des Dachstocks hat sich deshalb ein ganzes Gewirr von feuersicheren Behältern angesammelt, welche das alte Holz des Dachgestühls vor der abstrahlenden Wärme der Strahler schützen. Dort oben steht neu nun auch ein Elektromotor, welcher bei Bedarf die automatische Handhabung der Leinwand garantiert.

Kirchenratspräsident Enzo Fuschini, der die Arbeiten im Kircheninnern intensiv verfolgt, freut sich schon jetzt auf das nun auch inwendig erneuerte Erscheinungsbild der schon 800 Jahre alten Kirche.

Ungewöhnlich realistische Züge

Die Ganterschwiler Fresken werden auf das Entstehungsjahr 1488 datiert. Für die Kunstwissenschaft handelt es sich um eines der bedeutendsten Ensembles spätgotischer Malerei im Kanton St. Gallen. Anders als in vergleichbaren Darstellungen tragen die einzelnen Figuren ungewöhnlich realistische Züge. Die Gesichter von Maria und Jesus und sogar die der kreuzigenden Knechte sind individualisiert. Details wie beispielsweise Hammer und Nägel sind erkennbar. Mit der konservatorischen Reinigung der Fresken und ihrer kunstgerechten Beleuchtung werden die Eigenheiten der wertvollen Malereien noch deutlicher wahrnehmbar. (pek)

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