Mit 15 Jahren schon die Einstellung eines Profis: Gabriel Nzinga vom Turnverein Lütisburg will hoch hinaus

Gabriel Nzinga scheint mit der Leichtathletik seine Berufung gefunden zu haben. Nach seinem zweiten Platz am Eidgenössischen Turnfest hat er weiterhin ambitionierte Ziele und arbeitet hart auf diese hin.

Timon Kobelt
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Gabriel Nzinga vom Turnverein Lütisburg ist ein Versprechen für die Zukunft. Nicht zuletzt deshalb, weil er nebst dem notwendigen Talent auch die richtige Trainingsmoral mitbringt. (Bild: Timon Kobelt)

Gabriel Nzinga vom Turnverein Lütisburg ist ein Versprechen für die Zukunft. Nicht zuletzt deshalb, weil er nebst dem notwendigen Talent auch die richtige Trainingsmoral mitbringt. (Bild: Timon Kobelt)

Für gewöhnlich nutzen Sportler die Sommerpause dazu, nach einer intensiven Saison ein wenig auszuspannen. Nicht so Gabriel Nzinga. Der 15-Jährige hat kürzlich mit dem zweiten Platz am Eidgenössischen Turnfest (ETF) in Aarau im Fünfkampf der U16 aufhorchen lassen. Der Leichtathlet denkt jedoch nicht daran, sich während der Ferien auf seinen Lorbeeren auszuruhen.

Urs Müller, Trainer von Gabriel Nzinga beim TV Lütisburg. (Bild: Timon Kobelt)

Urs Müller, Trainer von Gabriel Nzinga beim TV Lütisburg. (Bild: Timon Kobelt)

Montagabend, Schulanlage Neudorf in Lütisburg. Gabriel Nzinga wärmt sich intensiv für sein Training auf. Der Fokus in seinem Blick ist unverkennbar. «Ich mag Gabriel sehr, weil ich spüre, dass er will. Seine Einstellung passt», sagt Urs Müller, Gabriels Trainer beim Turnverein Lütisburg (TVL). Es ist vorderhand das letzte Training, das sie gemeinsam bestreiten, weil Urs Müller danach in den Ferien ist. Während dieser Zeit wird Gabriel alleine trainieren. «Ich möchte unbedingt im Rhythmus bleiben. Sonst wird der Einstieg nach den Ferien schwieriger», sagt Gabriel. Er beobachte das bei Gleichaltrigen, die während des Sommers sportlich nichts tun würden.

In Richtung Handwerk
 soll es gehen

Gabriel Nzinga ist in Angola geboren. Seit seinem dritten Lebensjahr wohnt er mit seinen Eltern und seinen vier Geschwistern in Bazenheid, wo er nach den Ferien sein letztes Schuljahr in der Oberstufe absolvieren wird. «Es zieht mich wohl in Richtung Handwerk. Als Mechaniker konnte ich bereits schnuppern und ich bin guten Mutes, dass es bald mit einer Lehrstelle klappt», sagt der Angolaner. Der 15-Jährige wirkt bei dieser Aussage zielstrebig und fröhlich zugleich – sein Schweizerdeutsch klingt astrein. Er habe die Sprache bereits im Kindergarten erlernt, was es ihm erleichtert habe, Freunde zu finden. Mit ihnen war und ist er in seiner Freizeit am liebsten draussen.

Weiter spielt er in seiner Freizeit gerne Schlagzeug und Fussball. Letzteres hat er lange im Verein getan. Seine Begründung für den Wechsel zur Leichtathletik, die er nun seit vier Jahren ausübt, ist interessant:

«Fussball als Gemeinschaftssport ist zwar schön. Doch man weiss nie genau, wer nun Schuld an einer Niederlage hat. In der Leichtathletik hingegen bin ich mir sofort bewusst, ob ich mehr hätte geben können und ich habe den Erfolg alleine in den Händen.»

Trotzdem habe er gerne ein Team um sich.

In jungen Jahren ist
 der Mehrkampf Trumpf

Inzwischen trainiert Gabriel Sprints und Kadenz. Sein Gesicht ist vor Konzentration angespannt, am muskulösen Körper sind die pulsierenden Adern zu sehen. Urs Müller beobachtet seinen Schützling genau. «Er ist für sein Alter körperlich schon sehr weit», sagt der Trainer. Seine grössten Stärken seien die Wurfdisziplinen und der Sprint. Auch beim Sorgenkind 1000-Meter-Lauf gehe es aufwärts. Sein Trainer Urs Müller sagt:

«Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass er sich eines Tages spezialisieren wird.»

Doch in jungen Jahren schwöre er auf den Mehrkampf. Dank diesem werde kein Talent übersehen. Ausserdem sei der Körper unterschiedlich gefordert und man könne mal ausweichen, wenn in einer Disziplin der Wurm drin sei.

Starke Gegner kitzeln
das Beste aus ihm heraus

Weder der Trainer noch Gabriel selber war vom zweiten Rang am ETF übermässig überrascht. Als Nächstes grosses Ziel will sich Gabriel am 10.August in den verschiedenen Disziplinen für die Schweizer Meisterschaften qualifizieren. Diese werden nicht als Mehrkampf ausgetragen. Bei dem Unterfangen soll dem 15-Jähigen unter anderem das Training im nationalen Leistungszentrum in St.Gallen helfen, welches er einmal pro Woche bestreitet. «Dort wird er noch mehr gefordert, was gut ist, denn Gabriels Leistungen werden besser, je stärker seine Gegner sind», erklärt Urs Müller.

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