Millimeterarbeit zahlt sich aus: SAK montierte im Unterwerk in Nesslau einen neuen Transformator, der für die Zukunft gerüstet ist

Die SAK AG ist dem Abschluss des Netzausbaus von 50 auf 110 Kilovolt einen Schritt näher. Sie adaptierte das Unterwerk Nesslau, sodass es für die neue Spannung der Axpo bereit ist. Nun fehlt noch ein letztes Unterwerk, das bis 2023 ebenfalls umgerüstet wird.

Sabine Camedda
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Am Mittwoch erreicht der Transport mit dem 68 Tonnen schweren 50/110kV-Transformator das Unterwerk der SAK in Nesslau

Am Mittwoch erreicht der Transport mit dem 68 Tonnen schweren 50/110kV-Transformator das Unterwerk der SAK in Nesslau

Bild: Sabine Camedda

In Schritttempo stösst die Zugmaschine des Lastwagens den Anhänger über die schmale, kurvige Strasse. Stopp. Es geht zwei Meter zurück, und dann gleich wieder voran. Weg vom Parkplatz bei der Robert Fuchs AG in der Nesslauer Schneit zum Unterwerk der St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) AG.

Noch eine 90-Grad-Kurve, dann ist es geschafft. In Millimeterarbeit parkiert der Lastwagenfahrer sein tonnenschweres Gerät dort, wohin sein Kollege ihn per Funkgerät dirigiert. Millimetergenau abgemessen.

Diese Präzision zahle sich aus, weiss Vitus Müller, Leiter Regionalnetze und Betrieb der SAK. Je genauer die Mitarbeiter der Transportfirma aus dem Vorarlberg in dieser Phase arbeiten, desto einfacher kann der Transformator im Verlauf des Tages vom Lastwagenanhänger an seine Endposition im Unterwerk gerückt werden.

Gerüstet für die nächsten 50 Jahre

Bis es gestern Vormittag so weit war, leisteten Daniel Moser, Leiter Anlage-Engineering, und sein Team viel Vorarbeit. Der neue Transformator sei nicht einfach eine modernere Version seines Vorgängers, der mit rund 50 Jahren sein Betriebsende erreicht hatte.

«Er ist bereits so ausgerüstet, dass er die geplante Spannungsumstellung des Axpo Netzes von 50 auf 110 Kilovolt bewerkstelligen kann», führt Vitus Müller aus.

Die Planung des gesamten Projekts musste zudem tagesgenau erfolgen. Denn die SAK tauscht in jedem Unterwerk beide vorhandenen Transformatoren aus. Diese Arbeiten sollten natürlich so gestaffelt ablaufen, dass die Stromlieferungen an die Kunden stets gewährleistet sind.

Nach dem Toggenburg ist die SAK bereit

Die SAK ist schon seit mehreren Jahren daran, ihre Anlagen auf diese Umstellung der Axpo vorzubereiten. In mehreren Regionen sind diese Arbeiten bereits abgeschlossen, nun ist das Toggenburg an der Reihe.

Vitus Müller, Leiter Regionalnetze und Betrieb SAK (links), und Daniel Moser, Leiter Anlagen-Engineering SAK, nehmen den 68 Tonnen schweren 50/110kV-Transformator vor dem Unterwerk Nesslau in Empfang.

Vitus Müller, Leiter Regionalnetze und Betrieb SAK (links), und Daniel Moser, Leiter Anlagen-Engineering SAK, nehmen den 68 Tonnen schweren 50/110kV-Transformator vor dem Unterwerk Nesslau in Empfang.

Bild: PD

Als letzte Etappe werden nach dem Austausch in Nesslau auch die Transformatoren in Bazenheid ausgetauscht. Das entsprechende Projekt wird derzeit ausgearbeitet. Danach sei die SAK bereit für die Umstellung der Spannung durch die Axpo.

Als Vorteile davon nennt Vitus Müller eine höhere Versorgungssicherheit.

«Wir können im Vergleich zu heute die doppelte Leistung über unsere Freileitungen transportieren. Damit können wir auch in Zukunft den Strombedarf unserer Endkunden decken.»

18 Millionen Franken lässt sich die SAK den Umbau der sechs Unterwerke entlang der Leitungen zwischen Wittenwil-Wattwil-Buchs und Wattwil-Ernetschwil kosten. 2023 ist das Projekt definitiv abgeschlossen.

Bereit, um den künftigen Strombedarf abzudecken

Als Besonderheit der neuen Transformationen streicht Vitus Müller hervor, dass diese sowohl vor als auch nach der Umstellung funktionieren müssen. Derzeit verringern sie im Unterwerk die Spannung von 50 Kilovolt auf 20 Kilovolt, so wie der Strom in die Dörfer verteilt wird.

In Zukunft wird diese Umwandlung grösser sein, von 110 Kilovolt auf 20 Kilovolt. «Für den Endkunden ändert sich nichts, er bekommt unseren Strom weiterhin mit der gleichen Spannung ins Haus geliefert», sagt Vitus Müller.

Bei der Montage braucht es Präzision und Handarbeit

Millimetergenau wird der Transformator mit dem Lastwagen zu seinem künftigen Standort gebracht.

Millimetergenau wird der Transformator mit dem Lastwagen zu seinem künftigen Standort gebracht.

Bild: Sabine Camedda

Sobald der Lastwagenzug in der richtigen Endstellung ist, beginnen die Arbeiter mit dem Abladen des 68 Tonnen schweren Transformators. Mit Hydraulikpumpen heben sie ihn sachte an. Dann wird der Anhänger darunter weggezogen. Stattdessen wird der Transformator auf Schienen wieder abgesetzt.

Mit Hydraulikpumpen wird der Transformator sachte angehoben.

Mit Hydraulikpumpen wird der Transformator sachte angehoben.

Bild: Sabine Camedda

Mit Seilzuggeräten wird der Transformator auf diesen Schienen schliesslich an seinen Standort gezogen. Dort wird er in den nächsten Tagen fertig montiert, ans Netz angeschlossen, getestet und schliesslich in Betrieb genommen.

Kurz vor dem Transport wurde ein Expansionsgefäss auf dem Transformator montiert. Vitus Müller erklärt: «Der Transformator ist im Innern mit Öl gefüllt, das einerseits die Spannung isoliert, andererseits eine kühlende Wirkung hat.» Im Expansionsgefäss ist Platz, damit das Öl nicht ausläuft, wenn es sich bei Hitze ausdehnt.

Auf dem 68 Tonnen schweren 50/110kV-Transformator der SAK wird ein Expansionsgerät montiert.

Auf dem 68 Tonnen schweren 50/110kV-Transformator der SAK wird ein Expansionsgerät montiert.

Bild: Sabine Camedda

Bereits Anfang Juni hat ein gleicher Transformator den Weg vom Hersteller in Linz ins Unterwerk nach Nesslau zurückgelegt. Dieser übernimmt nun den Spannungsabbau, damit die SAK ihre Kunden auch während der Montagearbeit immer mit Strom versorgen können.

Daniel Moser geht davon aus, dass das Unterwerk Nesslau nun für die nächsten 50 Jahre keine neuen Transformatoren braucht. So lange beträgt ihre Lebensdauer, wenn man sie regelmässig wartet und instand hält.