Messe-Bauer Syma führt wegen Corona-Virus Kurzarbeit ein

Im Kanton St.Gallen haben 28 Betriebe Gesuche für Kurzarbeit eingereicht. Eine davon ist die Syma AG.

Fabio Giger und Miguel Lo Bartolo
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Die Syma-System AG in Kirchberg steckt in der Corona-Krise.

Die Syma-System AG in Kirchberg steckt in der Corona-Krise.

Bild: PD

Der bisher wohl gewichtigste Patient des Corona-Virus ist die Weltwirtschaft. Auch Schweizer Unternehmen sind direkt von den Folgen der Epidemie tangiert. Die Verunsicherung spüren nicht zuletzt die Arbeitnehmer. Auch wenn in der Region bisher noch kein Corona-Fall bekannt ist: Unternehmen zeigen erste Symptome.

Der Spezialist für Messebauten Syma-System AG mit Hauptsitz in Kirchberg gehört zu den Leidtragenden des Versammlungsverbots des Bundesrats. Laut dem Messen- und Eventverband Expo Event finden in der Schweiz acht von zehn geplanten Veranstaltungen nicht statt. «Uns gehen mit jeder abgesagten Messe die Aufträge ab», sagt Beat Müller, Geschäftsführer bei Syma.

Kurzarbeit soll Entlassungswelle verhindern

Derzeit sind die Auftragsbücher für die Frühlingsmessen leer. Deshalb kündigte die Geschäftsleitung der Syma am 28. Februar eine ausserordentliche Arbeitspause an. «Derzeit läuft der Betrieb wegen der Corona-Krise auf Sparflamme. Rund 70 Personen bauen ihre Überstunden ab», erklärt Müller.

Beat Müller, Geschäftsleiter der Syma AG.

Beat Müller, Geschäftsleiter der Syma AG.

Bild: Benjamin Manser

Der Grossteil der Belegschaft, darunter Logistiker oder Arbeiter in der Produktion blieben letzte Woche zu Hause. Nur der Verkauf arbeitet in Vollbesetzung.Mittlerweile hat die Syma-System AG ein Gesuch für Kurzarbeit eingereicht. «Für uns ist es derzeit der einzige Weg, keine Angestellten entlassen zu müssen», sagt Müller.

Laut dem St.Galler Amt für Wirtschaft und Arbeit sind bisher 28 Gesuche eingegangen die den Arbeitsausfall ausschliesslich auf die Auswirkungen des Corona-Virus zurückführen. Deren drei stammen aus dem Toggenburg. «Wie in anderen Kantonen verzeichnet auch St.Gallen einen Anstieg der Gesuchszahlen», sagt Amtsleiterin Karin Jung.

Um Kurzarbeit einzuführen, muss das Arbeitsvolumen einer Firma um mehr als zehn Prozent einbrechen. Betroffene Mitarbeiter haben einen Anspruch auf ein Taggeld von 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Die Betriebe werden für die effektiv verpasste Arbeitsstunden, nicht aber für die entgangenen Erträge entschädigt. So ergeht es auch der Syma. Beat Müller berichtet:

«Am Beauty Forum Swiss in Luzern hatten wir schon alles komplett aufgebaut. Doch die Messe wurde abgesagt.»

Wer bereits angefallene Kosten übernimmt, wenn eine Messe oder Veranstaltung aufgrund gesetzlicher Bestimmungen nicht stattfinden kann, müsse man in jedem Fall einzeln abklären.

Kein rosiger Ausblick

Die Lage verbessere sich auch nicht, wenn der Bundesrat das bis zum 15. März geltende Corona-Virus-Versammlungsverbot nicht verlängern würde. «Bis Ende März und April wurden schon fast alle Veranstaltungen abgesagt», weiss Müller. Bleibt noch die Messesaison im Herbst, die dafür umso intensiver sein dürfte.

Roger Amacker, Geschäftsleiter von Perfectlight.

Roger Amacker, Geschäftsleiter von Perfectlight.

Bild: PD

Einen drastischen Rückgang von Aufträgen verzeichnen auch die Veranstaltungstechniker, etwa die Perfect Light GmbH aus Ebnat-Kappel. Inhaber Roger Amacker arbeitet aber fast nur mit freien Mitarbeitern. Kurzarbeit muss er deshalb nicht beantragen. Derzeit beschäftigt er sich mit dem Materialunterhalt. «Aber wenn es bis im Sommer so bleibt, wird es eng», sagt Amacker.

Schwierigkeiten hat auch Andreas Frick, Geschäftsführer von der FSL Veranstaltungstechnik in Uzwil. «Ich versuche fortlaufend neue Aufträge zu beschaffen.» Aufgrund der aktuellen Stimmung sei sein Vorhaben aber nur selten von Erfolg gekrönt. Die einzige Option, die ihm bleibt, sind Mitarbeiter auszumieten oder Kurzarbeit anzumelden. 50 Prozent seiner Mitarbeiter arbeiten bereits andernorts. Mit den Übrigen ist er bemüht, das Geschäft am Laufen zu halten. Die Zeit arbeitet gegen ihn.

In der Hochsaison könnte den Technikern die Zeit fehlen

So auch die Vorgaben des Bundes, die sich in absehbarer Zeit wohl eher ver- als entschärfen werden. «Bis Anfang April ist bis auf einige kleinere Events alles abgesagt», sagt Frick. Die meisten Events werden verschoben. «Aber auf wann?», fragt sich Frick.

Was Frick zudem zunehmend Sorgen bereitet, ist die Ungewissheit über den Verlauf der Hochsaison im Sommer. «Wenn jeder Event auch noch auf die Hochsaison verschoben wird, können wir nicht mehr alle Events stemmen.» Es bleibt Frick, Amacker und der Syma-System AG nur zu hoffen, dass sich die Situation entspannt und die Wirtschaft rasch gesundet. Denn Kurzarbeit wirkt nur symptomlindernd.

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