Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Mein Sohn hat gesagt, er würde eher gegen einen Baum fahren, als mit meinen Waffen Suizid zu begehen» – Vater aus dem Toggenburg erneut verurteilt

Das Kantonsgericht weist die Berufung eines Familienvaters aus dem Toggenburg ab. Dieser war verurteilt worden, weil er die Sorgfaltspflicht bei der Aufbewahrung seiner Waffen verletzt hatte. Sein psychisch angeschlagener Sohn hätte mit einer Pistole des Vaters beinahe Selbstmord begangen.
Timon Kobelt
Der Verurteilte hat nach Ansicht des Kantonsgerichts seine Waffen nicht sorgfältig genug aufbewahrt. (Symbolbild: Peer Füglistaller)

Der Verurteilte hat nach Ansicht des Kantonsgerichts seine Waffen nicht sorgfältig genug aufbewahrt. (Symbolbild: Peer Füglistaller)

Es ist ein hochemotionaler Fall für alle Beteiligten: Der heute 32-jährige Sohn wollte sich im Januar 2017 mit der Schusswaffe seines Vaters das Leben nehmen. Für die Familie, die im Toggenburg lebt, ist seitdem nichts mehr wie früher. Besonders der Vater, der im März vom Kreisgericht Toggenburg wegen der fahrlässigen Übertretung des Waffengesetzes schuldig gesprochen wurde, wird von schlechtem Gewissen geplagt. Dennoch kämpft der 63-Jährige weiter. Er legte Berufung gegen das Urteil des Kreisgerichts ein und zog den Fall weiter ans Kantonsgericht, wo am Donnerstag die Berufungsverhandlung stattfand.

Wie sich am Freitagmorgen herausstellte, blieb der Kampf erfolglos. Das Kantonsgericht teilte schriftlich mit, dass die Berufung abgewiesen und somit der Entscheid des Kreisgerichts Toggenburg bestätigt wird. 500 Franken Busse muss der Mann bezahlen oder ersatzweise für fünf Tage ins Gefängnis. Die Kosten des Berufungsverfahrens sowie der erstinstanzlichen Verhandlung hat er ebenfalls zu tragen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da der 63-Jährige es weiterziehen könnte.

Dies ist aufgrund der finanziellen Situation des Mannes jedoch unwahrscheinlich. Er könne sich das alles eigentlich nicht mehr leisten, sagte der Angeklagte nach der Verhandlung im Kantonsgericht.

«Ich tue es vor allem für meinen Sohn. Er könnte leichter mit seiner Tat umgehen, wenn er wüsste, dass ich deswegen nicht verurteilt werde.»

Der Sohn hatte den Holz-Waffenschrank seines Vaters mit einer Axt aufgebrochen und einen Revolver herausgeholt, den er anschliessend mit Munition aus der väterlichen Werkstatt lud. Er gab vier Schüsse ab, jedoch keinen gegen sich selbst. Daraufhin begannen für den Vater die juristischen Streitereien.

Vater redete mit dem Sohn über Suizid

Der 63-Jährige äusserte sich während der Befragung durch das Kantonsgericht weitgehend ähnlich wie im März vor dem Kreisgericht Toggenburg. Waffen seien seit seiner frühen Jugendzeit sein Hobby gewesen. Er habe sich viel Wissen angeeignet und dieses später auch mit seinen sechs Söhnen geteilt, wenn einer neugierig gewesen sei. «Ich habe ihnen aber immer klargemacht, dass sie mein Waffenzimmer nicht alleine betreten dürfen. Das hat 30 Jahre lang einwandfrei funktioniert», sagt der ehemalige Lastwagenchauffeur, der mit 60 Jahren in Rente ging.

Der Beschuldigte ging vor dem Kantonsgericht jedoch viel detaillierter auf den Selbstmordversuch seines Sohnes ein. Den Eltern war vor dem Vorfall bekannt gewesen, dass bei ihrem Sohn «Psychischer Infantilismus» diagnostiziert wurde und er deshalb Medikamente verordnet bekam. Sie wussten auch vom Waffenverbot, das aufgrund der psychischen Probleme gegen ihren Sohn erlassen worden war. «Ich habe ihn mehrfach gefragt, ob er schon einmal an Suizid gedacht habe. Und auch auf die Schusswaffen im Haus habe ich ihn angesprochen», sagt der Vater. Der Sohn habe alles mit Entrüstung zurückgewiesen und betont, dass er zu feige für einen Selbstmord wäre. Wir müssten uns keine Sorgen mache.

«Weiter hat er gesagt, wenn er sich umbringen würde, würde er eher mit einem Auto gegen einen Baum fahren, als zur Pistole zu greifen. Denn er wusste, dass er mich damit in Schwierigkeiten bringen und mich für den Rest meines Lebens mit einem schlechtes Gewissen zurücklassen würde.»

Anwalt sieht Anklage-Grundsatz verletzt

Der Anwalt des Beschuldigten plädierte auf einen Freispruch. Seinem Mandanten könne keine Fahrlässigkeit vorgeworfen werden. Im Waffengesetz heisse es lediglich, dass Waffen sorgfältig aufbewahrt werden müssen. Es werde nicht einmal verlangt, dass sie eingeschlossen seien. «Mein Mandant hat jedoch die Waffen in einem Sperrholzschrank mit Schliessvorrichtung verwahrt. Er hat das getan, was man von ihm erwarten konnte. Er hat sich auf seine langjährige Erfahrung mit seinen Kindern verlassen und konkret mit seinem Sohn über Suizidgedanken gesprochen. Sein Sohn war ja denn letztlich auch nicht mutig genug, mit der Pistole Selbstmord zu begehen.» «Gott sei Dank», entfährt es dem Vater an dieser Stelle unwillkürlich.

Zwei Hauptgründe nannte der Anwalt für die Berufung: Zunächst sah er den Anklagegrundsatz verletzt:

«Es handelt sich hier um eine Übertretung des Waffengesetzes, welche unter Artikel 33 geregelt ist. Dieser macht gar keine Unterscheidung zwischen Vorsatz und Fahrlässigkeit. Folglich kann das Gericht nicht auf Fahrlässigkeit plädieren. Selbst wenn also Fahrlässigkeit vorläge, was meiner Meinung nach nicht zutrifft, wäre sie nicht strafbar.»

Auch habe eine Blutuntersuchung des Sohnes durch die Psychiatrie St.Gallen Nord in Wil ergeben, dass die Dosierung des Medikaments zu tief war, als dass es hätte anschlagen können. Über diese Punkte habe die Vorinstanz recht «salopp» hinweggesehen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.