Interview

«Mein ganzes Umfeld steht hinter mir»: Jasmin Näf, Bremserin aus Lütisburg im Bobteam von Melanie Hasler, steht vor dem Auftakt in die Weltcup-Saison

Die 23-jährige Jasmin Näf startet am 29. November als Bremserin zu ihrer ersten kompletten Bob-Weltcup-Saison – vier Titelkämpfe stehen im kommenden Winter auf dem Programm.

Beat Lanzendorfer
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Melanie Hasler und Jasmin Näf verfügen über gutes Material und zeigen sich vor dem Saisonstart zuversichtlich.

Melanie Hasler und Jasmin Näf verfügen über gutes Material und zeigen sich vor dem Saisonstart zuversichtlich.

Bild: PD

In zwölf Tagen beginnt der Bob-Weltcup im lettischen Sigulda. Wie konnten Sie sich in der Coronakrise auf die Saison vorbereiten?

Jasmin Näf: Ich konnte mich eigentlich sehr gut vorbereiten. Trotz Lockdown durfte ich in Lütisburg auf dem Sportplatz trainieren. Hinzu kamen mehrere Trainingslager, an denen ich teilnehmen konnte. Und dann absolvierte meine Pilotin Melanie Hasler die Spitzensport-RS in Magglingen, dabei bot sich mir die Gelegenheit, an ihren Trainings ebenfalls teilzunehmen.

Dann sind Sie mit dem bisherigen Verlauf der Vorbereitung zufrieden?

Ja, das bestimmt. Ich hatte es mir wegen der Coronakrise sogar etwas schwieriger vorgestellt. Aber weil mein ganzes Umfeld hinter mir steht, fällt mir vieles leichter.

Wie sehen die Sicherheitsvorschriften im Bobsport aus? Können Sie sich überhaupt noch mit Personen ausserhalb der Bobszene treffen?

Jasmin Näf.

Jasmin Näf.

Bild: PD

Wir Athletinnen und Athleten tragen immer einen Mund- und Nasenschutz. Hinzu kommt, dass wir wöchentlich mindestens einmal einen Coronatest absolvieren müssen. Wenn wir unterwegs sind, bleiben wir als Nation ziemlich abgeschottet und haben praktisch keinen Kontakt nach aussen.

Wie sieht unter diesen Umständen der Rennkalender aus? Wurden schon Rennen abgesagt?

Die Rennen in Amerika und Kanada wurden alle abgesagt und nach Europa verlegt. An der Anzahl Rennen hat sich deshalb bis jetzt noch nichts verändert.

Können Sie und Ihr Bobteam ohne Einschränkungen in ein anderes Land einreisen?

Ja, das geht. Voraussetzung ist allerdings ein negativer Coronatest. Dann ist es uns problemlos möglich, ohne Quarantäne in ein Land einzureisen.

Ein entscheidender Faktor bei den Bobfahrern ist jeweils das Material. Können Sie mit der Konkurrenz mithalten?

Bis jetzt fühlt es sich sehr gut an. Meine Pilotin Melanie Hasler hat einen neuen Bob gekauft, der unsere Erwartungen bisher erfüllt. Er lässt sich ohne Probleme fahren und ist sehr schnell. Die Kufen stellt uns der Bobclub St.Moritz zur Verfügung, der uns dadurch sehr unterstützt.

Wo würden Sie sich aktuell einordnen? Besteht die Möglichkeit, dass Sie in dieser Saison im Weltcup Podestplätze belegen?

Das ist momentan schwer zu sagen, wir werden aber bestimmt alles dafür geben, dann werden wir sehen, was für uns herausspringt. In erster Linie wird es für uns darum gehen, dass wir uns im neuen Umfeld gut zurechtfinden.

Wie gross ist die Konkurrenz innerhalb der eigenen Reihen?

Rund um Pilotin Martina Fontanive geht noch ein weiteres Schweizer Team im Weltcup an den Start. Zuletzt waren wir bei einem Selektionsrennen aber etwas schneller. Was uns das Team Fontanive noch voraushat, ist die Erfahrung. Aber dieses Manko wollen wir in den kommenden Monaten aufholen.

Sie fahren die komplette Weltcup-Saison. Gibt es im kommenden Winter auch Titelkämpfe, an denen Sie am Start sind?

Da gibt es gleich mehrere. Wir gehen an den Junioren-Europameisterschaften sowie an der Europameisterschaft der Aktiven an den Start. Und dann jeweils auch an den beiden Weltmeisterschaften.

Da kommt einiges auf Sie zu. Wie lauten Ihre Zielsetzungen?

In erster Linie geht es darum, Erfahrungen zu sammeln. Dann wird entscheidend sein, wie wir mit unserem neuen Material zurechtkommen. Wir wollen aber ganz sicher unsere Startzeiten der letzten Saison verbessern und im Weltcup Top-Ten-Ergebnisse erzielen. Weiter aus dem Fenster möchte ich mich aber noch nicht lehnen.

Im Februar 2022 finden in Peking die Olympischen Winterspiele statt. Das dürfte ein Fernziel von Ihnen sein. Wie sehen die Qualifikationskriterien aus?

Die Kriterien werden von Swiss Olympic und Swiss Sliding festgelegt. So wie es zurzeit aussieht, dürften zwei Frauenteams an den Start gehen. Definitiv wird aber erst im kommenden Jahr entschieden.

Dann sind Ihre Chancen für Olympia 2022 in Peking durchaus intakt?

Ich hoffe schon. Wenn ich mich nächsten Sommer voll und ganz auf das Training konzentrieren kann, denke ich, dass ich nicht die schlechtesten Chancen habe. Die Qualifikation wäre die Erfüllung eines Traumes.