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Interview

Mehr Borkenkäfer diesen Sommer – Toggenburger Förster: «Man muss ihn rechtzeitig bekämpfen»

Christof Gantner, Regionalförster der Waldregion 5 spricht über Möglichkeiten, den Borkenkäfer zu bekämpfen, und über die Wichtigkeit der Kommunikation zwischen Waldeigentümern und Förstern.
Michael Hehli
Auch in den Toggenburger Wäldern kann der Borkenkäfer grossen Schaden anrichten. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Auch in den Toggenburger Wäldern kann der Borkenkäfer grossen Schaden anrichten. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Der Borkenkäfer stellt auch für Toggenburger Wälder eine Herausforderung dar. Wird er nicht mit konkreten Massnahmen bekämpft, befällt er massenhaft Bäume und richtet dabei erheblichen Schaden an.

Wie wird sich die Lage voraussichtlich dieses Jahr entwickeln?

Christof Gantner (Bild: Urs Bucher)

Christof Gantner (Bild: Urs Bucher)

Christof Gantner: Die Entwicklung des Borkenkäfers hängt stark von der Witterung ab; je wärmer und trockener das Wetter, desto schneller entwickelt er sich. Die Voraussetzungen für den Borkenkäfer sind recht gut, seine Population ist angewachsen und wir haben viele Bäume, die vom letzten Sommer her gestresst und darum anfälliger sind.

Ich muss leider davon ausgehen, dass es diesen Sommer noch mehr Borkenkäfer als letztes Jahr geben wird.

Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden, den der Borkenkäfer jedes Jahr anrichtet?

Das ist sehr schwer zu sagen, da er manchmal, wie Anfang letzten Jahres oder nach Stürmen wie Lothar oder Vivian, massenhaft auftaucht und dann grossen wirtschaftlichen Schaden anrichtet. Man kann also nicht sagen, er richte jährlich einen bestimmten Schaden an. Ich habe einmal versucht, den Umsatzverlust auszurechnen. Bei grossem Auftreten von Borkenkäferholz können das im Toggenburg mehrere hunderttausend Franken sein. In einem normalen Jahr mit wenig Borkenkäfern wären es etwa 50'000 Franken.

Wie stark sinkt der Preis von Holz, wenn es befallen wird?

Das Holz verliert durch Befall deutlich an Wert; momentan ist ein Kubikmeter befallenes Holz 30 oder 35 Franken weniger wert als gesundes, das ist fast der halbe Preis. Es hat natürlich auch einen Einfluss auf den Gesamtholzmarkt, wenn auf einen Schlag viel Holz auf den Markt kommt; die Preise sinken dadurch zusätzlich. Auch die Holzerei für befallenes Holz ist aufwendiger. Meist sind dies Kleinstmengen, die aus hier und da verstreuten Bäumen bestehen. Man muss hinfahren, holzen, und alles wegtransportieren. Verglichen mit einem herkömmlichen Holzschlag sind Holzerei und Bringung deutlich arbeitsintensiver.

Wie kann der Borkenkäfer bekämpft werden?

Man muss rechtzeitig sein. Solange er noch unter der Rinde in der Entwicklung ist, kann man die Bäume fällen, direkt aus dem Wald wegführen und wenn möglich sofort, oder sonst im Bestand entrinden, sodass die Larven austrocknen.

Ist man zu spät, macht man am besten gar nichts und schaut, dass sich in diesen Stämmen die natürlichen Feinde des Borkenkäfers entwickeln können.

Schaut man die Statistiken an, so hatten wir im Jahr vor Lothar noch ungefähr 1'600 Festmeter Borkenkäferholz gehabt. Im Jahr danach waren es über 10'000. Das ist fast das Zehnfache. Da kommt man bei der Bekämpfung kaum noch nach. Nach so einem Sturm kann man probieren, das Brutmaterial zu entfernen, bevor er sich in die Bäume einnistet, damit er gar nicht erst brüten kann.

Was würde geschehen, wenn der Käfer nicht bekämpft würde?

Borkenkäfer sind etwa fünf Millimeter lang und können sich im Jahr bis zu dreimal fortpflanzen. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Borkenkäfer sind etwa fünf Millimeter lang und können sich im Jahr bis zu dreimal fortpflanzen. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Der Borkenkäfer würde sich noch stärker vermehren. Wie das bei sich stark reproduzierenden Tierarten üblich ist, würde der Bestand dann aber einbrechen. Das dauert allerdings Jahre. Im Nationalpark Bayerischer Wald gab es einst einen starken Borkenkäferbefall und es wurde nichts unternommen, da der Bayerische Wald ja ein Nationalpark ist. Grosse Flächen wurden befallen und starben ab. Irgendwann wirkte der Käfer aber nicht mehr. Es gibt schon gewisse Regulatoren. Die Frage ist, was es für den Wald, den wir wirtschaftlich nutzen oder der eine Schutzfunktion hat, bedeutet, wenn grossflächig die Fichte ausfällt. Deswegen betreiben wir gezielte Borkenkäferbekämpfung, wo wir es als wichtig erachten. In Waldreservaten, wo wir Naturwerte fördern wollen, handeln wir teils auch gar nicht, solange die Schutzfunktion des Waldes das zulässt.

Woran kann der Laie Borkenkäferbefall erkennen?

Man kann Befall erkennen, wenn am Fuss des Stammes Bohrmehl liegt. Das ausgestossene Mehl sieht man teils auch an den Fichtenschuppen oder in Spinnweben. Ein erhöhter Harzfluss kann auch darauf hinweisen.

Der Baum wehrt sich gegen den Borkenkäfer, indem er Harz ausstösst, um dessen Löcher zu schliessen.

Das ist aber relativ schwierig zu erkennen. Was man momentan sieht, sind Fichten, bei denen die Krone dürr wird und die Rinde in der oberen Hälfte abblättert. Dann ist der Käfer aber schon ausgeflogen, zum Bekämpfen ist man zu spät.

Wie sollte ein privater Waldeigentümer vorgehen, wenn er einen Befall entdeckt?

Wichtig ist, dass private Waldeigentümer die Bekämpfung mit dem Förster zusammen besprechen. Dann kann der Förster beurteilen, ob dies überhaupt Sinn macht. Fällt man die Bäume, wenn es schon zu spät ist, verhindert man, dass sich die natürlichen Feinde des Borkenkäfers entwickeln. Solche dürren Bäume kann man, solange die Sicherheit dies zulässt, problemlos stehen lassen.

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