Hauswirtschaft ist weitaus mehr als Putzlappen und Staubwedel

Sie agieren meist im Hintergrund, sind aber für den reibungslosen Ablauf im Seniorenzentrum Solino in Bütschwil unerlässlich. Drei Mitarbeitende des Teams Hauswirtschaft berichten, warum sie diesen Beruf ausgewählt haben und wie sie den Alltag erleben.

Urs M. Hemm
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Ramona Scarcia, Leiterin Hauswirtschaft, sowie die zwei Lernenden Regula Kuratli (2. Lehrjahr) und Fiona Bechtiger (1. Lehrjahr) sorgen gemeinsam für weihnachtliche Stimmung im Seniorenzentrum Solino in Bütschwil (von links). (Bild: Urs M. Hemm)

Ramona Scarcia, Leiterin Hauswirtschaft, sowie die zwei Lernenden Regula Kuratli (2. Lehrjahr) und Fiona Bechtiger (1. Lehrjahr) sorgen gemeinsam für weihnachtliche Stimmung im Seniorenzentrum Solino in Bütschwil (von links). (Bild: Urs M. Hemm)

Beim Thema Hauswirtschaft denken viele zuerst einmal an Eimer, Putzlappen und Staubwedel. Diese Utensilien gehören zwar auch zum Handwerkszeug einer Fachfrau Hauswirtschaft, das Aufgabenspektrum bis zum Abschluss als Fachfrau oder Fachmann Hauswirtschaft EFZ umfasst aber Einiges mehr.

«In meinem Freundeskreis musste ich zuerst erklären, was eine Ausbildung zur Fachfrau Hauswirtschaft beinhaltet», sagt etwa Regula Kuratli, die zurzeit im zweiten Lehrjahr als Fachfrau Hauswirtschaft im Seniorenzentrum Solino in Bütschwil ihre Ausbildung absolviert. Ähnliche Erfahrungen in ihrem Umfeld hat auch Fiona Bechtiger gemacht, die im ersten Ausbildungsjahr steht.

Die Reaktionen im Bekanntenkreis auf die Berufswahl der beiden jungen Frauen waren in beiden Fällen eindeutig: «Dieser Beruf passt zu dir.» Dass man in diesem Beruf mit dem Herzen dabei sein muss, weiss auch die Leiterin Hauswirtschaft, Ramona Scarcia. Nach Anstellungen in verschiedenen anderen Betrieben arbeitet sie seit knapp drei Jahren im «Solino» und begleitet Fiona Bechtiger und Regula Kuratli auf ihrem Ausbildungsweg.

Berufsbild der Fachfrau Hauswirtschaft korrigieren

Beiden Lernenden schien ihre Berufswahl in gewisser Weise vorgezeichnet. «Wir sind eine grosse Familie, sodass ich oft im Haushalt geholfen habe. Als mir meine Mutter dann die Stellenausschreibung gezeigt hat, war der Weg für mich klar», sagt Regula Kuratli. Bei Fiona Bechtiger sei es ganz ähnlich gewesen. Für sie sei jedoch zudem die Vielseitigkeit des Berufs ausschlaggebend gewesen.

Die entsprechenden Informationen über die Ausbildung haben die beiden im Internet gefunden, so beispielsweise im Rahmen der Berufsvorbereitung in der Schule. Ramona Scarcia kam durch ihre Schwester zur Hauswirtschaft, die in einem Betrieb eben diese Ausbildung absolvierte. «Ich konnte dort schnuppern und war sofort davon überzeugt», sagt sie. Insbesondere die Mischung aus Zupacken und administrativer Arbeit sowie der Kontakt mit den Menschen habe ihr dabei gefallen.

Noch vor nicht allzu langer Zeit sei das Bild der Fachfrau Hauswirtschaft tatsächlich noch mit Staubwedel und Putzlappen gleichgesetzt worden. «Ich habe selbst an Berufsmessen miterlebt, wie Eltern ihre Kinder mit den Worten ‹das ist nichts für dich› von unserem Stand weggezogen haben», erinnert sich Ramona Scarcia. Heute gebe man ihnen zumindest die Möglichkeit aufzuzeigen, was alles hinter dem Berufsbild Fachfrau Hauswirtschaft stecke. «Oftmals sind die Eltern dann überrascht, welche Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten der Beruf bietet», sagt sie. Zudem würden diese in den verschiedensten Bereichen, wie beispielsweise Heime und Spitäler, aber auch in der Gastronomie gebraucht.

Kontakt mit den Bewohnern ist wichtig

Das Spezielle im Seniorenzentrum sei sicherlich der Kontakt mit den Bewohnern. «Wenn es die Zeit zulässt, höre ich ihnen auch gerne mal zu. Eigentlich kann ich immer etwas lernen.» Dieser Erfahrung können Fiona Bechtiger und Regula Kuratli nur zustimmen. «Manchmal erzählen mir Bewohner Geschichten, wie sie mein Grossvater auch schon erlebt und mir davon erzählt hatte», sagt Fiona Bechtiger. «Manchmal muss man sich auch einfach die Zeit nehmen, wenn man merkt, dass ein Bewohner etwas erzählen will», fügt Regula Kuratli an.

Die Lernenden im «Solino» arbeiten jeweils drei Monate in der Lingerie, in der Reinigung, im Bistro, in der Küche und nebenbei begleiten sie Anlässe, die Arbeitsgruppe Raumgestaltung und helfen ihrer Berufsbildnerin bei administrativen Arbeiten. «Manchen fällt der Wechsel leicht, andere tun sich eher schwer damit», sagt Ramona Scarcia, denn die Lernenden müssten sich immer wieder in ein neues Team einfügen. Gerade aber diese Abwechslung und Herausforderung schätzen Regula Kuratli und Fiona Bechtiger.

Weiterbildung bis zum Master möglich

Die Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Ausbildung zur Fachfrau/Fachmann Hauswirtschaft EFZ sind vielfältig: Es gibt weiterführende Lehrgänge beispielsweise zur Bereichsleiterin Hotellerie/Hauswirtschaft FA oder zur Betriebsleiterin Facility-Management HF an der Fach- und Fortbildungsschule (BFF) in Bern. Der Abschluss HF berechtigt dann zum Bachelor- oder Masterstudium, was die Türen auch zu anderen, höheren Kaderstellen öffnet.

Das jedoch ist alles noch weit entfernt. So träumt Fiona Bechtiger nach ihrem Abschluss der Ausbildung von Reisen nach Australien oder Hawaii, während Regula Kuratli sich tatsächlich berufliche Gedanken für die Zeit nach der Ausbildung macht − sie würde am liebsten im «Solino» bleiben.