Mehr als nur eine Politikerin: SP Toggenburg informiert sich über Rosa Luxemburg

In einem Nicht-Wahljahr sind die Hauptversammlungen der Kreisparteien meist nicht reich mit Themen befrachtet. Die SP Toggenburg nutzte die Gelegenheit und blickte auf die Geschichte Rosa Luxemburgs zurück.

Ruben Schönenberger
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Rosa Luxemburg, hier beim internationalen Sozialistenkongress in Stuttgart im Jahr 1907, war Thema des Referats an der Hauptversammlung der SP Toggenburg. (Bild: Getty)

Rosa Luxemburg, hier beim internationalen Sozialistenkongress in Stuttgart im Jahr 1907, war Thema des Referats an der Hauptversammlung der SP Toggenburg. (Bild: Getty)

Obwohl der Sozialismus einige Niederlagen einstecken müsse, führte der Weg über ebendiese am Ende zum Sieg. So paraphrasierte die St.Galler Jungpolitikerin Andrea Scheck eine zentrale Aussage in Rosa Luxemburgs letzter Veröffentlichung.

Luxemburg, die bis heute umstritten bleibt und als Politikerin, Feministin, Revolutionärin, Kommunistin oder eine Mischung dieser Begriffe beschrieben wird, hatte kurz vor ihrer Ermordung im Januar 1919 noch einen Text in der «Roten Fahne» veröffentlicht. Die von ihr gegründete Zeitung sollte bis 1945 das Zentralorgan der Kommunistischen Partei Deutschlands bleiben.

Die Doppelrolle der Frau

Andrea Scheck (Mitte) im Gespräch mit Nati Janssen und Stefan Diener von der SP Toggenburg. (Bild: Ruben Schönenberger)

Andrea Scheck (Mitte) im Gespräch mit Nati Janssen und Stefan Diener von der SP Toggenburg. (Bild: Ruben Schönenberger)

Scheck referierte an der Hauptversammlung der SP Toggenburg im Wattwiler Restaurant I Due Fratelli anlässlich des 100. Todestags Luxemburgs und ihres langjährigen Gefährten Karl Liebknechts. Für Scheck verkörperte Luxemburg die Doppelrolle der Frau in der Politik sehr gut. Diese sei eben nie bloss nur Politikerin, sondern immer auch Frau. Dieser Eigenschaft werde immer wieder einiges zugeschrieben, was sie als Stadtparlamentarierin selber erfahren habe.

«Gleich vier Männer haben mich gefragt, ob ich denn nicht lieber in eine andere Kommission Einsitz nehmen wolle als in die Werkkommission, die sich unter anderem um die Ver- und Entsorgung kümmert.»

Luxemburg bezeichnete sich selbst als Marxistin und kümmerte sich vor allem um Wirtschaftsfragen. Im Gegensatz zu Marx ging sie aber nicht davon aus, dass rein kapitalistische Systeme existierten. Während sie dabei wohl an Bauern dachte, die für sich selber produzieren, könne man einen Vergleich zur unbezahlten Pflege und Betreuung ziehen, die heute vielerorts stattfinde. Dabei und in anderen Themen, stellte Luxemburg grundsätzliche Fragen. So zum Beispiel, ob Reformen genügten oder ob solche mit dem Ziel einer Revolution angegangen werden müssten.

Bruch mit der SPD wegen des Weltkriegs

Grundlegende Veränderungen strebte sie ab dem Ersten Weltkrieg ausserhalb der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) an. Als die SPD ihre Meinung zum Krieg änderte, die Terminologie des Verteidigungskriegs aufnahm und zum Zusammenstehen und einem eigentlichen Burgfrieden aufrief, kam es zum Bruch zwischen Luxemburg und der Partei. Zusammen mit Liebknecht, Sohn des SPD-Gründers, gründete sie später den Spartakusbund und die Kommunistische Partei Deutschlands.

Die erwähnte letzte Veröffentlichung schloss Luxemburg mit dem Satz:

«Ich war, ich bin, ich werde sein!»

«Solange es Veranstaltungen wie diese gibt, wird Luxemburg tatsächlich immer sein», schloss Scheck ihr Referat an der Hauptversammlung der Toggenburger Sozialdemokraten.

Für das nächste Jahr bahnen sich Rücktritte an

Diese hatte die Traktanden zuvor in rekordverdächtiger Zeit abgehandelt. Alle Vorstandsmitglieder wurden einstimmig wiedergewählt, auch wenn sich für die nächste HV bereits einige Rücktritte ankündigten. Die Rechnung wurde einstimmig genehmigt, fiel aber mit einem Gewinn von knapp 3000 Franken wie immer in Nicht-Wahljahren auch relativ unspektakulär aus. Kassier Hanspeter Nef kündigte indes schon an, dass im laufenden oder kommenden Jahr für die Kantonsratswahlen 2020 eine Fundraising-Aktion gestartet werden müsse, damit genügend flüssige Mittel vorhanden seien. Ebenso wie die Rechnung wurde der Jahresbericht des Präsidenten Hansheiri Keller genehmigt. In diesem kritisierte er vor allem die Vorgänge rund um das Spital Wattwil. «Wir werden uns mit aller Kraft für den Erhalt des Spitals Wattwil wehren und einbringen», hiess es zum Beispiel.

Zu Beginn der HV wurde Peter Hüberli-Bärlocher gedacht. Er sass für die SP im Kantonsrat und wohnte bis 1998 in Wattwil, wo er auch die lokale SP-Sektion präsidierte und in der Geschäftsprüfungskommission der Gemeinde Einsitz nahm. Er verstarb unerwartet am 22. Januar.