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Interview

Marktführend: Das Jahr 2018 war für die Heberlein AG in Wattwil das geschäftlich erfolgreichste Jahr überhaupt

Die Heberlein AG investiert in neue Maschinen und damit auch in den Standort Wattwil. Denn trotz eines erfolgreichen Geschäftsjahres sieht Betriebsleiter Roland Messmer noch viel Entwicklungspotenzial.
Urs M. Hemm
Roland Messmer, Betriebsleiter der Heberlein AG (links), und Patrick Buchmüller, Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung, sehen im Textilbereich wie auch in der Sparte Medizinaltechnik noch viel Entwicklungspotenzial für die Heberlein AG in Wattwil. (Bild: Urs M. Hemm, 02.05.2019)

Roland Messmer, Betriebsleiter der Heberlein AG (links), und Patrick Buchmüller, Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung, sehen im Textilbereich wie auch in der Sparte Medizinaltechnik noch viel Entwicklungspotenzial für die Heberlein AG in Wattwil. (Bild: Urs M. Hemm, 02.05.2019)

In den vergangenen Monaten gab es Veränderungen und Ergänzungen in der Geschäftsleitung der Heberlein AG, um den weiteren Ausbau zu gestallten. Die Muttergesellschaft, die chinesische Jinsheng-Group, weiss um die Bedeutung der Firma Heberlein und den Standort Wattwil. Deswegen möchte sie die marktführende Position der Heberlein weiter ausbauen und investiert in modernste Maschinen und vor allem auch in die Entwicklung innovativer Produktlösungen. Roland Messmer, Betriebsleiter, und der Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung, Patrick Buchmüller, geben Einblick in die Pläne des Toggenburger Traditionsunternehmens.

Wie verlief das Geschäftsjahr 2018 für die Heberlein AG?

Roland Messmer: In der jüngeren Heberlein-Geschichte − und hier reden wir über die letzten 20 Jahre − war 2018 das erfolgreichste Jahr überhaupt. Dies im Umsatz und im Ergebnis, ohne dass wir gross im Ausland produzieren. Unsere Wertschöpfung findet grösstenteils hier in Wattwil statt. Für die Keramikrohlinge und dessen Halbfabrikate haben wir natürlich Lieferanten, ansonsten haben wir alle Kernprozesse im Haus.

Wie entwickelten sich Ihre Kernbereiche Textil und Medizinaltechnik?

Patrick Buchmüller: In beiden Bereichen musste unsere Belegschaft im vergangenen Jahr viele Überstunden leisten, damit alle Kundenaufträge termingerecht fertig geworden sind. Beide Bereiche haben sich sehr positiv entwickelt und wir konnten einen guten Auftragsbestand in dieses Jahr mitnehmen.

Messmer: Der Bereich Medizinaltechnik konnte im Jahr 2018 ein grosses Umsatzwachstum verzeichnen und schloss erstmalig profitabel ab. Im Gegensatz zum Textil sehen wir hier ein kontinuierliches Wachstum. Der Medizinalmarkt ist aber wegen der ganzen Bewilligungsverfahren sehr träge und neue Produkte etablieren sich nur langsam. Dennoch soll uns dieser Markt helfen, die Abschwünge im Textilbereich aufzufangen.

Wie sehen die Prognosen für das laufende Jahr aus?

Messmer: In diesem Jahr erwarten wir noch eine gute Marktsituation. Danach gehen wir davon aus, dass der Textilbereich − ein Markt, der starken Zyklen unterworfen ist − schwächer wird, nachdem wir im Jahr 2018 die vorläufige Spitze erreicht hatten. Das ändert jedoch nichts an unserer Wachstumsstrategie. Im Wissen, dass der Markt schwächer wird, werden wir uns darauf vorbereiten und in die Technik, in den Verkauf und in neue Maschinenkapazitäten investieren, um das erhoffte Wachstum ausserhalb des Textilbereiches auch realisieren zu können.

«Dafür haben wir im Verkauf und in der Entwicklung, neue Stellen geschaffen, die wir mit Spezialisten aus der Region besetzen konnten.»

Buchmüller: Wir wollen auch in die Verfahrenstechnik investieren. Denn, wenn die Talsohle erreicht ist, können wir als Hersteller von Komponenten mit unseren Produkten Firmen umrüsten und so deren Kosten niedrig halten, weil sie keine neuen Maschinen kaufen müssen.

Sie haben kürzlich in eine neue Produktionsmaschine investiert. Für welchen Bereich haben Sie diese gekauft?

Messmer: Das ist ein so genanntes Acht-Achsen-Bearbeitungscenter für die Fertigung von Keramikteilen. Mit dieser Maschine stellen wir hauptsächlich Produkte für die Medizinaltechnik her, insbesondere Zahnimplantate.

Buchmüller: Im Sommer werden zudem zwei neue Maschinen für unser Textiltechnikum geliefert. Die eine ist eine Texturiermaschine, die andere eine Testmaschine. Auf dieser werden Filamentdüsen mit echtem Garn getestet, bevor diese an die Kunden ausgeliefert werden. Diese Investitionen sollen den Produktionsstandort Wattwil stärken.

Welche technischen Entwicklungen sind im Bereich Medizinaltechnik noch möglich?

Messmer: Zahnimplantate aus Hartkeramik beispielsweise müssen hochpräzise gearbeitet sein und dies bei möglichst geringem Ausschuss. Um das gewährleisten zu können brauchen wir neue Werkzeuge, die es auf dem Markt aber so nur sehr bedingt gibt. Es müssen also in Zusammenarbeit mit den Herstellern neue Werkzeuge entwickelt werden, welche diese Präzision auch in einem Mehrschichtbetrieb sicherstellen können und nicht nach wenigen Teilen bereits wieder ausgetauscht werden müssen. Unser Ziel ist die Prozesssicherheit, damit wir auch bei wachsenden Mengen hochwertigste Produkte stabil herstellen können, die wettbewerbsfähig sind.

Buchmüller: Weiterentwicklungen sind sicherlich auch noch am Produkt selbst möglich. Diese Inputs kommen aber eher von unseren Kunden. Sie teilen uns ihre Wünsche mit. Wir entwickeln dann diese gemeinsam und setzen die Wünsche um.

Wo sehen Sie im Bereich Textil noch Potenzial?

Buchmüller: Hier gibt es noch viele Möglichkeiten. Wir werden an der diesjährigen ITMA in Barcelona (grösste internationale Messe für Textilmaschinen, Anm. der Red.) drei Produkte präsentieren, die einen grossen Fortschritt für die Industrie bedeuten. Ohne bereits jetzt zu viel zu verraten, handelt es sich um Innovationen im Bereich Leistungssteigerung. Ein weiteres Thema ist die Energieersparnis.

«Gerade in unserem Kerngeschäft, den Luftdüsen, entspricht der weltweite jährliche Energiebedarf ungefähr dem Potenzial des AKW Leibstadt.»

Düsen mit mehr Leistung bei weniger Druck würden also viel zum Energiesparen beitragen. Und: Energiesparen ist immer auch gleichbedeutend mit Kostensenkungen für die Firmen.

Messmer: Ökologie ist zurzeit sehr stark im Trend und wir sind im Vergleich zu unseren Mitbewerbern mit unseren neuen Produkten im Vorteil.

Buchmüller: Dies zeigt sich in insbesondere in China, wo der chinesische Präsident Xi Jinping vor zwei Jahren seinen Fünf-Jahres-Plan präsentiert hat, der sehr stark auf die Senkung des Energieverbrauchs ausgerichtet ist. Dank unseren energiesparenden Produkten konnten wir unseren chinesischen Kunden genau die Lösungen bieten, die sie zur Erfüllung der Ziele brauchten.

Wo, ausser in der Bekleidungsindustrie, werden Textilien sonst noch gebraucht?

Buchmüller: Kunstfasern haben vor allem in der Medizinaltechnik an Bedeutung gewonnen. Beispielsweise der Faden, der sich selbst auflöst oder Stents, also Gefässstützen aus Kunstfasern, sind wichtige Entwicklungen, wobei es in diesem Bereich noch viel Potenzial gibt.

Sie haben gerade China angesprochen. Inwieweit ist die Heberlein AG von den US-Handelssanktionen gegenüber China betroffen?

Messmer: Für uns ist es abhängig davon, welche Produkte von den Handelssanktionen betroffen sind. Wenn es die Bereiche, in welche unsere Produkte einfliessen treffen sollte, würden wir es spüren. Das ist jedoch noch nicht der Fall. Ansonsten gehen wir davon aus, dass wir Lösungen finden werden, sollte es so weit kommen. Dennoch: Unser Hauptmarkt ist Asien, insbesondere China, so, dass wir die Situation genau beobachten müssen.

Wo möchte die Heberlein AG in zehn Jahren stehen?

Messmer: Wir wollen im nicht textilen Bereich mindestens so stark sein, wie im Textilbereich und uns in der Keramikherstellung international einen Namen gemacht haben. Das heisst, dass wir generell unsere Kernkompetenzen in der Keramik vertiefen wollen, damit wir alle Wertschöpfungsstufen bei uns anbieten können.

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