Markanter Bau aus dem 20. Jahrhundert: Kirche Wattwil feiert Jubiläum

Die katholische Kirche «Felix und Regula» besteht seit 50 Jahren. Gefeiert wird das Jubiläum am Wochenende vom 7. bis 9. September. Die Kirche wurde durch den Basler Architekten Hermann Baur geplant.

Adi Lippuner
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Der Innenraum der katholischen Kirche von Wattwil – mit dem dunklen Steinboden, den weissen Wänden und der Holzdecke – ist bewusst schlicht gehalten worden. (Bild: Adi Lippuner)

Der Innenraum der katholischen Kirche von Wattwil – mit dem dunklen Steinboden, den weissen Wänden und der Holzdecke – ist bewusst schlicht gehalten worden. (Bild: Adi Lippuner)

Die römisch-katholische Kirche, ein Spätwerk des Basler Architekten Hermann Baur, weist einige Besonderheiten auf: So ist der Hauptzugang vom Thurweg her gestaltet, ganz im Unterschied zu vielen Gotteshäusern, welche jeweils von der Hauptstrasse her erschlossen werden. Der gut sichtbare, getrennt vom übrigen Gebäudekomplex stehende Kirchturm hat eine grosse Ähnlichkeit mit der, ebenfalls von Hermann Baur geplanten Kirche «Notre-Dame de la Prévôté, im Moutier.

Das Ensemble von Kirche, Pfarrhaus und Pfarreizentrum ist so gruppiert, dass in der Mitte ein höher gelegener Vorplatz zur Kirche besteht, der gut erreichbar ist. Dem Planer war wichtig, dass auf diesem Vorplatz auch liturgische Handlungen stattfinden können. So wurde seinerzeit ein Granitblock mit der Inschrift «Lumen Christi» gestaltet. Vor dem Kirchenportal, in der Nähe des Grundsteins ist eine Skulptur aus Kupfer, welche die Patrone der Kirche, die Heiligen Felix und Regula darstellt.

Schlichte Gestaltung des Innenraumes

Marlies Kaufmann neben der Kupferskultpur der Kirchenheiligen. (Bild: Adi Lippuner)

Marlies Kaufmann neben der Kupferskultpur der Kirchenheiligen. (Bild: Adi Lippuner)

Der Innenraum wurde bewusst schlicht gehalten. Nach Auskunft von Marlies Kaufmann, der Präsidentin des Kirchenverwaltungsrats von Wattwil, zeugt dies von der Aufbruchsstimmung, welche nach dem zweiten Vatikanischen Konzil im Jahr 1962 bestand. Papst Johannes XXIII. hatte neue Sichtweisen auf den Glauben angeregt und zahlreiche, oft nicht für möglich gehaltene, Neuerungen für die Kirche beschlossen. «Damals erfolgte eine Umgestaltung der Gottesdienste, die Priester lasen diese nicht mehr in Latein und abgewandt von den Gläubigen.»

Diesem Wandel trugen die Kirchenbauten des Basler Architekten Rechnung. Hell verputzte Wände, eine Decke aus Tannenholz und dunkler Stein am Boden prägen den Raum, der 650 Personen Platz bietet.

Der Altarraum ist um wenige Stufen vom übrigen Kirchenraum abgehoben und schlicht, aber würdig gestaltet. Das Kirchenportal und die liturgischen Orte stammen vom Bildhauer Pierino Selmoni.

Eine Vorstudie entstand bereits 1959

In der Zeit von 1843 bis 1848 wurde in Wattwil die heutige evangelische Kirche, welche bis im September 1963 von beiden Konfessionen als paritätische Kirche genutzt wurde, erbaut. Aufgrund des Bevölkerungswachstums wuchs der Wunsch der Katholiken, eine eigene Kirche zu haben. Bereits 1959 beauftragte die Kirchgemeinde den Architekten Hermann Baur mit einer Vorstudie für den Umbau der bestehenden Kirche oder einen neuen katholischen Kirchenbau. Wie den Unterlagen zur Baugeschichte zu entnehmen ist, befürwortete der Verfasser der Studie den Bau einer eigenen katholischen Kirche.

Grundstein wurde 1967 gelegt

1963 erfolgte der Architekturwettbewerb, den Hermann Baur für sich entscheiden konnte. Im April 1966 bewilligte die Kirchbürgerversammlung den Kredit für den Bau der Pfarrkirche samt Pfarrhaus und Pfarreizentrum. Im September des gleichen Jahres erfolgte der Spatenstich und im April 1967 legte der damalige Bischof von St. Gallen, Josephus Hasler, den Grundstein und am 8. September 1968 erfolgte die Weihe des fertiggestellten Gotteshauses.

50 Jahre Kirche «Felix und Regula»

Das Wochenende von Freitag, 7. September, bis Sonntag, 9. September, wird für die Wattwiler Katholiken ganz im Zeichen des Jubiläums, «50 Jahre Kirche Felix und Regula» stehen. Am Freitagabend erfolgt die Eröffnung der Ausstellung über die Baugeschichte der Kirche.

Der Samstag wird dann der Jugend gehören, steht doch ein «Jubla-Tag» mit Kinderprogramm bevor. Am Abend sollen Familien in den Genuss des Open-Air Kinos kommen. Eine Kaffeestube lädt zum Verweilen ein, und die Austellung zur Kirchengeschichte ist ebenfalls geöffnet.

Höhepunkt des Festes wird dann der sonntägliche Gottesdienst – mit der Messe von Peter Roth «Juchzed und singed» – mit Kirchenchor und Festpredigt sein. Ein Mittagsbuffet, gemütliches Beisammensein und Unterhaltung stehen ebenso auf dem Programm wie eine musikalische Reise durch die Schweiz, gestaltet durch den Kirchenchor Felix und Regula. Auch die Ausstellung ist am Sonntag geöffnet. (adi)