Maria und Rolf Altherr aus Wattwil haben ihr Lebenswerk vollendet

32 Jahre führten sie die Dropa-Drogerie, nun übergeben sie das Geschäft in jüngere Hände. Sie freuen sich auf die hinzu gewonnene Freizeit.

Adi Lippuner
Drucken
Teilen
Das Ehepaar Maria und Rolf Altherr an einem ihrer letzten Arbeitstage in der Dropa-Drogerie im Coop Zentrum in Wattwil.Bild: Adi Lippuner

Das Ehepaar Maria und Rolf Altherr an einem ihrer letzten Arbeitstage in der Dropa-Drogerie im Coop Zentrum in Wattwil.Bild: Adi Lippuner

Wer über drei Jahrzehnte ein Geschäft führt, hat einiges zu erzählen. Dabei sind vor allem die Gespräche mit Kunden wichtig, ihre Anliegen und Geheimnisse werden aber nicht ausgeplaudert. «Für uns standen die Begegnungen auf Augenhöhe und das Vertrauen der Menschen im Mittelpunkt. Wir haben sehr viel Intimes erfahren und das wird auch nach der Pensionierung vertraulich behandelt», so Rolf Altherr bei einem Gespräch an einem seiner letzten Arbeitstage.

Seit dem 1. Oktober ist nun der Drogist Lukas Zogg und seine Geschäftsführerin, Selina Epper, zusammen mit dem Dropa-Team verantwortlich.

Drogist zu werden war früher ein Wunschberuf

Am 26. Juni 1987 wurde das Coop Zentrum im Wattwil, «gebaut auf der ehemals grünen Wiese», wie der Drogist erklärt, eröffnet. «Wir waren von Anfang an dabei, nachdem ich als gelernter Drogist mit der Weiterbildung zum Meisterdiplom ein eigenes Geschäft eröffnen durfte.» Er habe während sechs Jahren die Dropa-Drogerie im Seedammcenter in Pfäffikon geführt, «dann wollte ich die Zeit für ein eigenes Geschäft nutzen», sagt Rolf Altherr zurück.

Zusammen mit Ehefrau Maria baute er das Unternehmen mit fünf Arbeitsplätzen auf. «Zudem bildeten wir immer junge Menschen aus und stellten fest, dass Drogist oder Drogistin früher ein Wunschberuf war, heute sind motivierte Lernende nicht mehr so einfach zu finden.» Beim Blick zurück auf 32 Jahre als selbstständiger Drogist kommen Rolf Altherr mehrere Stichworte in den Sinn.

Da ist einmal das Sortiment: «Naturheilprodukte werden immer stärker nachgefragt und auch im Bereich der Kosmetik will die Kundschaft möglichst schadstofffrei einkaufen.» Leider werde die Möglichkeit, chemisch-technische Produkte für den Haushalt in Form von Nachfüllpackungen zu kaufen, immer weniger genutzt. «Alle reden von Nachhaltigkeit, es ist aber nur ein ganz kleiner Kreis, der dies auch konsequent macht.» Beratung, und zwar nach einem vorgegebenen Schema habe nach wie vor einen hohen Stellenwert im Fachgeschäft», erläutert Rolf Altherr.

Möglichst optimale Lösungen anbieten

Altherr erklärt das Vorgehen mit dem Begriff «Lindaaff». Dies bedeutet, Lokalisierung; Intensität; Natur/Art der Beschwerde; Dauer; Andere Symptome/ Krankheiten/Therapien; Verschlimmernde Faktoren; Verbessernde Faktoren. «Mit diesem Grundgerüst kann der Kunde beraten werden und unser Bestreben ist es, nicht nur gerade aus, sondern auch nach links und rechts zu schauen, um eine möglichst optimale Lösung anbieten zu können.»

Als Inhaber einer Fachdrogerie fühlte sich Rolf Altherr während seiner ganzen beruflichen Laufbahn der Beratung und Begegnung mit der Kundschaft verpflichtet. «Die immer stärker aufkommenden Drogeriemärkte holen die Kundschaft über den Preis ins Geschäft. Fachliche Beratung gehört kaum dazu, denn meist ist nur eine einzige Person ausgebildete Drogistin oder Drogist.

Um beim Preiskampf wenigstens ansatzweise mithalten zu können, kaufen Drogisten einzelne Leaderprodukte gemeinsam ein, um ihrer Kundschaft attraktive Angebote und Beratung bieten zu können.»

«Wir dürfen alles, müssen aber nichts mehr»

Während fünf Jahren haben Maria und Rolf Altherr die Geschäftsübergabe geplant und vorbereitet. «Es gab zahlreiche Interessenten, aber bis wir die richtige Lösung fanden, dauerte es seine Zeit. Nun können wir uns zurücklehnen, haben weniger Verpflichtungen und Verantwortung und geniessen die Freizeit beim Wandern, mit Gartenarbeit und bei Ausfahrten mit dem E-Bike.» Auch ab und zu ein Wellnesstag stehe vermehrt im Fokus, ganz nach dem Plan, «wir dürfen alles, müssen aber nichts mehr».

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nahm das Ehepaar Abschied von ihrer langjährigen Kundschaft. «Diese Kontakte werden wir vermissen, ganz im Gegensatz zur sich immer mehr häufenden Büroarbeit und der damit verbundenen Gesetzesflut», meint ein entspannter Rolf Altherr.