Interview

Marcel Erni, Trainer bei Raiffeisen Volley Toggenburg, vor den Playout-Spielen gegen Genf: «Die Vorteile liegen beim Gegner»

NLA-Aufsteiger Raiffeisen Volley Toggenburg beendete die Qualifikation auf dem letzten Platz. Nun bietet sich den Wattwiler Frauen in einem «Best-of-Three-Modus» gegen Genève Volley den Verbleib in der höchsten Liga zu sichern. Das erste Spiel findet am Samstag um 17.30 Uhr in Genf statt.

Beat Lanzendorfer
Hören
Drucken
Teilen
Am Samstag beginnt für die Frauen von Raiffeisen Volley Toggenburg der Kampf um den Verbleib in der Nationalliga A.

Am Samstag beginnt für die Frauen von Raiffeisen Volley Toggenburg der Kampf um den Verbleib in der Nationalliga A. 

Bild: Beat Lanzendorfer

Volley Toggenburg schliesst die Qualifikation in der Nationalliga A auf dem letzten Platz ab. Wäre mehr möglich gewesen?

Marcel Erni: Es gab einzelne Partien, die wir für uns hätten entscheiden müssen. Ich denke da an die Vergleiche gegen Val-de-Travers oder Lugano. Aus dieser Sichtweise wäre sicher mehr möglich gewesen. Für eine Überraschung muss bei uns aber alles zusammenpassen. Tauchen gesundheitliche Probleme auf oder fallen Spielerinnen aus anderen Gründen aus, wird es schwierig. Die gemachten Fortschritte in den letzten Monaten sind trotzdem erkennbar.

Zu Beginn der Saison sprachen Sie davon, dass das Erreichen der Playoffs – ein Platz unter den ersten acht – ein riesiger Erfolg wäre. Haben Sie mit dieser Äusserung die Mannschaft zu sehr unter Druck gesetzt?

Ich glaube nicht. Vielleicht wurden die Erwartungen durch den Sieg gegen Genf gleich zu Beginn etwas zu hochgeschraubt. Oftmals konnten wir schlicht und einfach unsere Qualität nicht abrufen. Kommt hinzu, dass unsere direkten Konkurrenten finanzielle Möglichkeiten hatten, auf dem Transfermarkt nochmals zuzuschlagen.

Diese Möglichkeit hatten Sie nicht?

Marcel Erni, Trainer Raiffeisen Volley Toggenburg.

Marcel Erni, Trainer Raiffeisen Volley Toggenburg.

Bild: Beat Lanzendorfer

Wir hatten von Anfang an betont, keine finanziellen Risiken einzugehen. Daran werden wir uns halten.

Durch diese bewusst auferlegte Zurückhaltung auf dem Transfermarkt fehlte die Routine im Team. War dies der Hauptgrund, weshalb die Mannschaft nur zwei Saisonsiege verbuchen konnte?

Das ist sicher einer der Gründe. Das Problem unserer Mannschaft ist, dass wir über keine überragende Einzelspielerin verfügen. Dies widerspiegelt der Blick auf die Statistik, in der keine Spielerin vorne anzutreffen ist.

Nun beginnt am Samstag gegen Genève Volley das Playout. Wie ist der Ablauf?

Wer zuerst drei Spiele gewonnen hat, sichert sich den Verbleib in der Nationalliga A. Weil wir in der Tabelle hinter Genf liegen, treten wir zuerst auswärts an. Wenn der Kampf über fünf Spiele dauern sollte, müssten wir dreimal nach Genf reisen.

In der Qualifikation gewann jeweils das Heimteam. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Genf geht sicher mit Vorteilen ins Rennen, zumal sich die Mannschaft nochmals mit einer weiteren Ausländerin verstärkt hat.

Verstärkungen waren bei Ihnen kein Thema?

Wie bereits erwähnt gehen wir keine finanziellen Risiken ein. Wir haben uns zwar kurz auf dem europäischen Markt umgesehen, es hat sich aber nichts Passendes ergeben.

Stichwort Ausländerinnen. Wie zufrieden sind Sie mit Ihren zwei Chinesinnen?

Technisch konnten sie uns sicher weiterhelfen. Der Druck auf zwei Ausländerinnen in einer Mannschaft ist aber ungleich höher, als wenn die Verantwortung bei vier oder mehr Ausländerinnen liegt. Kommt hinzu, dass nur Liu Xinrui im Angriff spielte, deshalb war unser Spiel in der Offensive oftmals zu durchsichtig. 

Unter den gegebenen Umständen
haben die zwei Chinesinnen
ihre Sache aber gut gemacht.

Könnten Sie sich vorstellen, ihr Engagement zu verlängern?

Das werden wir in den kommenden Wochen thematisieren. Eine Weiterverpflichtung von Passeuse Rong Yi ist durchaus denkbar. Vorerst möchten wir unsere Kräfte für den Ligaerhalt einsetzen. Gespräche können danach noch stattfinden.

Ist das Corona-Virus bei zwei Ausländerinnen aus China in der Mannschaft auch ein Thema?

Wir reden durchaus darüber. Rong Yi und Liu Xinrui sind im ständigen Kontakt mit ihren Angehörigen zu Hause. Beide kommen aber nicht aus der Provinz Hubei mit der Millionenstadt Wuhan, die am stärksten vom Corona-Virus betroffen ist.

Wie sieht die personelle Situation für die kommenden Spiele aus?

Gut, alle Spielerinnen sind verletzungsfrei und einsetzbar. Durch unsere relativ dünne Personaldecke kann aber schnell etwas passieren. 15 Spielerinnen für das NLA- und das 1.-Liga-Team sind etwas knapp. Wenn beide Mannschaften dann noch zeitgleich spielen, wird es eng. Das sollte in den nächsten Wochen aber nicht vorkommen.

Falls Volley Toggenburg das Playout verliert, bleibt noch die Chance, sich den Platz in der Nationalliga A über die Auf-/Abstiegsspiele zu sichern. Kennen Sie die möglichen Gegner?

Diese werden bis Ende Februar in einer Achtergruppe zwischen der Ost- und Westgruppe ermittelt. Der Verlierer des Playouts in der Nationalliga A wird in einer Dreierpoule gegen die zwei bestplatzierten Mannschaften, die aufstiegswillig sind, um den letzten Platz in der höchsten Liga kämpfen.

Grundsätzlich sieht sich Volley Toggenburg aber schon in der Nationalliga A?

Auf jeden Fall. Allein schon deshalb, weil einige unserer Spielerinnen durchaus umworben sind und die eine oder andere bei einem Abstieg mit einem Wegzug liebäugelt. Deshalb wäre es wichtig, die Voraussetzungen zu schaffen, damit im Toggenburg weiterhin Volleyball auf höchstem Niveau zu sehen ist. Das würde heissen, dass wir unser Budget erhöhen müssten. Schön wäre halt, wenn sich die Toggenburger Wirtschaft noch vermehrter zum Spitzenvolleyball bekennen würde.

Hier ist der komplette Spielplan des «Best-of-Three-Modus» zu finden.