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Man hätte auch den Vorhang ziehen können: Pedro Lenz und Max Lässer überzeugen in Mogelsberg mehr mit Inhalt, als mit dem Bühnenbild

Autor Pedro Lenz und Musiker Max Lässer brachten am Samstag Mogelsberg ins Sinnieren.
Michel Hug
Starres Bühnenbild: Pedro lenz liest, Max Lässer spielt Gitarre. (Bild: Michael Hug)

Starres Bühnenbild: Pedro lenz liest, Max Lässer spielt Gitarre. (Bild: Michael Hug)

«Mengisch hättmer Angscht, bevor dasmer überhaupt Angscht müesst haa. S’gitt enart en Angscht vor ärrere angere Angscht, vo är Angscht wo erschtno chönnti choo.» Diese Art von Angst sei drin im Kopf, etwas, was man sich selbst zusammenbaut, eine Fantasie, die wächst, bis sie gross und mächtig wird. Und dann gehe man hin zu anderen und rede mit ihnen und sagt doch nichts von der Angst. Aber man verstehe sich auch so, vielleicht, man weiss, von was man spricht. Man ahne es, und da könne das Gegenüber ein Afghane sein oder ein Pakistani, die man nicht versteht, man hat eine Ahnung von Angst. Eine Ahnung von Angst: «Es isch alptroumhaft, die Afghane z’ghöre, und glich kei Aahnig zhaa, ob si schlimmi Sache sääge, ob si bösi Absichte u bösi Gedanke hei. U me hätt Angscht.»

Pedro Lenz erzählt seine Geschichte mechanisch, stoisch, ohne eine Miene zu verziehen. Todernst erzählt er sie, der Ernst der Sache könnte dem Publikum dabei fast abhandenkommen. Max Lässer begleitet sachte auf der E-Gitarre. Ist das eigentlich lustig, was die zwei da machen, fragt man sich. Oder ist es ernst, spitzfindig oder einfach nur ein Dahergerede. Nein, Dahergeredet ist es nicht. Es ist Alltag, Alltag im Mittelland, das Lebensgefühl des Durchschnittsmenschen in einem durchschnittlichen Leben. Aber: Es ist nicht durchschnittlich beobachtet und erzählt. Lenz hat seine Beobachtungen in eine Textform gebracht, die mit der Begleitung von Lässer korreliert, manchmal einhergeht mit ihr und manchmal auch gegen sie kämpft. Der Erzähler möchte dabei zurückstehen und auch der Musiker möchte eigentlich nur die Musik für sich sprechen lassen.

Man könnte auch den Vorhang ziehen

Doch beide sitzen nun mal da auf der Bühne. Der eine, gross und lang sitzt am Tisch mit geradem Rücken und schüttelt dann und wann mal seine verkrampften Hände. Der andere, klein, kauert auf seinem Stuhl, hantiert mit Gitarre und Sequenzer, schräubelt herum an der Technik und drückt dann und wann mal ein Pedal. Eine Show ist das nicht, eher ein Bild. Man könnte gut den Vorhang ziehen vor den beiden und ihnen nur zuhören – die Wahrnehmung wäre die gleiche. Lenz und Lässer ziehen seit einem Monat mit diesem neuen Format durchs Land, jedes Wochenende zwei, drei Auftritte, die meisten Säle sind ausverkauft. Das hat wohl mehr mit dem Renommee des Aargauers und des Berners zu tun denn mit dem Format. Das Bild auf der Bühne wirkt recht starr – das, was man hört, ist es beileibe nicht. Also Augen zu und durch.

«Eine vo Langethal. Är xsiet uus wie dä Astronaut vo de Apollo elf. Eine vo Langethal.» Aber in den Apollos sassen nie Schweizer. Da hat sich der Protagonist wohl geirrt – oder seine Fantasie ist mit ihm durchgegangen. Lenz referiert über Durchschnittsmenschen, durchschnittserlebnisse, redet von durchgeknallten Typen, schwadroniert von Verlierern und beschreibt die einfachen Dinge. Stets ist ziemlich viel Wahrheit drin, heiterer Tiefsinn, viel Melancholie, und manchmal aber auch blumiger Blödsinn. Normale Fantasien normaler Leute. Einige davon aus Langenthal, die nicht weiterwissen, wenn jemand Fremder kommt und Tee nicht aussprechen kann und stattdessen Thé sagt. Diese Geschichte endet übrigens lustig.

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