Die Künstlerin Hedwig Scherrer setzte sich früh gegen männliche Vorurteile durch

Mit der Vernissage ihrer Werkausstellung und der Edition eines Albums erinnerte die Hedwig Scherrer-Stiftung an das Werk der Ostschweizer Malerin.

Peter Küpfer
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Ein Landschaftsbild von Hedwig Scherrer: «Winterliches Rheintal». (Bild: Peter Küpfer)

Ein Landschaftsbild von Hedwig Scherrer: «Winterliches Rheintal». (Bild: Peter Küpfer)

Die bewegte und bewegende Biografie der zu Unrecht wenig bekannten Ostschweizer Künstlerin Hedwig Scherrer zeigt das Bild einer willensstarken und eigenständigen Persönlichkeit. Hedwig Scherrer (1878-1940) war eine der ersten Frauen, die ihr Künstlertum auch gegen damalige männliche Vorurteile lebte und durchsetzte.

Sie war leidenschaftliche Bergsteigerin und Hochgebirgs-Skisportlerin, was damals eine Pioniertat war. Die Künstlerin schlug eine Liebesheirat und «gute Partie» zugunsten ihres kreativen Wirkens aus und setzte sich schon früh menschlich, politisch und künstlerisch für den Frieden und gegen den Krieg ein – das alles unverbissen, menschenfreundlich, manchmal humorvoll und immer mit ausserordentlicher Bescheidenheit.

Höheren Bekanntheitsgrad verdient

An der Vernissage, umrahmt von Jodelliedern und Naturjodeln des Jodelclubs Kirchberg-Bazenheid unter der Leitung von Stefan Segmüller, gab der Kirchberger Gemeindepräsident Roman Habrik seiner Freude und Genugtuung Ausdruck über das Zustandekommen der Ausstellung in der Alten Zwirnerei Mühlau in Bazenheid. Dass sich die Bevölkerung des Toggenburgs an die vielseitige Ostschweizer Malerin erinnere, sei mehrfach geboten. Die Künstlerin und ihr vielfältiges Schaffen verdienten einen weitaus grösseren Bekanntheitsgrad, sagte Habrik.

Ein Weiler bei Lichtensteig. Die Zeichnung diente als Illustration in der Festschrift «100 Jahre Kanton St. Gallen». (Bild: Peter Küpfer)

Ein Weiler bei Lichtensteig. Die Zeichnung diente als Illustration in der Festschrift «100 Jahre Kanton St. Gallen». (Bild: Peter Küpfer)

Kurator Peter Zünd gab einen umfassenden Einblick in die gut präsentierende Werkschau der Ostschweizer Künstlerin. Dabei überraschten die Vielfalt der Themen, die verschiedenen künstlerischen Techniken und die hohe Qualität der Kunstwerke. Hedwig Scherrer, die sich ihre Ausbildung und ihr künstlerisches Wirken erkämpfen musste, beeindruckte durch ihren feinen Zeichenstift, ihre harmonischen Kompositionen und die Vielfalt der Themen, die sie gestaltete.

Es finden sich unter ihren Werken sowohl Entwürfe zu Marionettenfiguren, Miniaturen, grossflächige Wandgemälde, die an Hodler erinnern und berührende Landschaften, aber auch selbst verfasste Märchen mit Illustrationen. Sie beherrschte Ornamentik und Karikatur so gut wie eine eigene eindringliche Plakatsprache gegen den Wahnsinn der beiden Weltkriege.

Neue Edition in begrenzter Anzahl erhältlich

Kurator Peter Zünd wies auf die kürzlich als Druck fertiggestellte begrenzte Edition einer weiteren Kostbarkeit aus dem Werk von Hedwig Scherrer hin. Oft waren die Anlässe ihres Schaffens familiär, wie das nun auch beim vorliegenden Büchlein der Fall war. Es ist ein Album, das die Künstlerin ihrem Vater zum Geburtstag schenkte.

Aus Anlass der Vernissage des Drucks las Verena Zünd Ausschnitte aus der lebendigen Korrespondenz der Künstlerin, hauptsächlich mit ihren Freundinnen aus der Schulzeit, die ihr lebenslang verbunden blieben. Dabei betonte sie die vielfältigen Berührungspunkte Hedwig Scherrers mit dem Toggenburg. Berg- und Skitouren im Obertoggenburg und im Alpstein, oft mutterseelenallein in der damals noch völlig unberührten Bergwelt, gehörten zu ihren grossen Leidenschaften, von denen Skizzen und Gemälde beredtes Zeugnis ablegen.

Öffnungszeiten der Ausstellung in der Alten Zwirnerei Mühlau

- Mittwoch, 24. Oktober und Sonntag, 28. Oktober, je von 14 bis 17 Uhr
- Mittwoch, 31. Oktober, von 14 bis 17 Uhr, Lesung für Kinder mit Vreni Zünd von Märchen aus der Hand von Hedwig Scherrer
- Samstag, 3. November von 14 bis 17 Uhr
- Die Finissage findet am Sonntag, 4. November, von 14 bis 17 Uhr statt