Mäuse jagen gegen die Langeweile: Bauernhof in Magdenau bietet Alternativprogramm

Nicole Jud-Peterer bietet für die Zeit geschlossener Schulen sinnvolle Alternativen auf dem Bauernhof an.

Beat Lanzendorfer
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Yannick Wälle sowie Nicole, Enya und Neva Jud haben ein Mausloch entdeckt, bei dem sie nun eine Falle anbringen (von links). Rechts oben Tobias Wälle.

Yannick Wälle sowie Nicole, Enya und Neva Jud haben ein Mausloch entdeckt, bei dem sie nun eine Falle anbringen (von links). Rechts oben Tobias Wälle.

Bild: Beat Lanzendorfer

Nicole Jud-Peterer bewirtschaftet mit ihrem Ehemann Marcel und den drei Kindern Lio (12), Enya (10) und Neva (6) einen Bauernhof mit Milchwirtschaft kurz nach dem Weiler Magdenau an der Strecke Richtung Wolfertswil. Auf der Techenwis leben nebst Kühen auch Schafe, Ziegen, zwei Minischweine, Hasen, Hühner, Hunde und Katzen.

Ein kleines Paradies mitten in der Natur

Für Kinder ist der Ort hier das Paradies, weshalb die 39-Jährige vor neun Jahren eine Bauernhofspielgruppe gegründet hat. «Zurzeit betreue ich mit drei bis vier Mitarbeitenden 45 Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren.» Sie seien ausschliesslich draussen oder in gedeckten Unterständen und hätten immer sehr viel zu tun. Sei dies im Wald, auf der Wiese oder beim Füttern der Tiere, Langeweile komme nie auf.

Seit letztem Freitag und dem Bundesratsentscheid, die Schulen zu schliessen, sei aber alles ein wenig anders. «Ich habe eine Leistungsvereinbarung mit der Gemeinde Flawil, weshalb für mich klar war, dass ich mich an den Richtlinien der Schule orientiere und die Betreuung in der Spielgruppe vorläufig aussetze.» Sie hätte sich aber Gedanken gemacht, wie sie den betroffenen Eltern helfen könne. «Ich habe ihnen via E-Mail oder Whatsapp mitgeteilt, bei Bedarf zu helfen.»

Es braucht nicht mehr als fünf Minuten Einführung

Unabhängig davon, hätte sie nach Möglichkeiten gesucht, wie man die vielen Kinder beschäftigen könne, welche vorläufig bis am 4. April nicht zur Schule müssen und deshalb ganz viel Freizeit haben. Dabei sei ihr das Mausen in den Sinn gekommen. Nach einem milden Winter gebe es sehr viele Mäuse, welche den Winter im Erdreich von Feldern verbracht hätten. Weil sie sich aber von den Graswurzeln ernähren, sterbe das Feld mit der Zeit ab.

Um dies zu verhindern, geht Familie Jud-Peterer jedes Jahr auf Mäusejagd, um der Plage einigermassen Herr zu werden. «Diese Arbeit könnten auch Kinder übernehmen, wenn sie von einem Erwachsenen betreut werden», erklärt Nicole Jud-Peterer. Und weiter: «Ich führe Interessierte gerne in das Mausen ein, länger als fünf Minuten geht das nicht.» Benötigt werde lediglich eine Falle und ein Markierstecken aus Holz oder Plastik.

Dies werde aber alles von ihnen zur Verfügung gestellt. Die Arbeit müsse in jedem Fall gemacht werden und für die Kinder sei es eine sinnvolle Beschäftigung. Wer mithelfen wolle, dürfe einfach auf der Techenwis vorbeikommen oder sich telefonisch mit Nicole Jud-Peterer, Telefon 0786352014, in Verbindung setzen.

Viel Zeit zum Guetzli zu backen

Einen anderen Weg, um ihre Kinder zu beschäftigen, hat die in Bäbikon wohnhafte Michelle Nagel beschritten. Zusammen mit Tochter Laura (12) sowie den Söhnen Fabio (9) und Andrin (7) hat sie mehrere Sorten Guetzli gebacken.

Es sind so viele, dass sie kurzerhand einen kleinen Hofladen einrichteten, in dem die feinen Süssigkeiten nun angeboten werden. Je nachdem, wie gross die Nachfrage sei, könne schnell für Nachschub gesorgt werden.

Andrin, Laura und Fabio Nagel (von links) in ihrem Hofladen mit den selbst gebackenen Guetzli.

Andrin, Laura und Fabio Nagel (von links) in ihrem Hofladen mit den selbst gebackenen Guetzli.

Bild: Beat Lanzendorfer

Und zudem gebe es auf einem Bauernhof immer genügend Arbeit. Sie könne ihre Kinder vorderhand noch gut beschäftigen.

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