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Luna Tic testen ihr Programm in Lichtensteig: Happy End für Antigone

Das neue Programm des Kabarett-Duos Luna Tic ist furios und tiefschürfend.
Michael Hug
Antigone als Mythos und Gegenwartsheldin: Claire (rotes Kleid) und Olli als Duo Luna Tic. (Bild: Michael Hug)

Antigone als Mythos und Gegenwartsheldin: Claire (rotes Kleid) und Olli als Duo Luna Tic. (Bild: Michael Hug)

Noch sind sich Mademoiselle Olli und Fräulein Claire offensichtlich nicht einig, wie ihr neues Stück heissen soll: «Heldinnen» oder «Happy End für Antigone» oder einfach nur «Antigone». Doch dieses Problem wird sich bis zur Premiere in zwei Wochen in Bern auch noch lösen lassen.

Es gibt noch der Probleme genug auf dieser Welt. Doch für Lösungen fehlt der Mut. «Wir brauchen Heldinnen!», sagt Claire, dabei ist das Stück aber schon am Schluss. «Ich will Antigone sein», sagt Olli, ein Frau mit Mut, eine Heldin. Doch die Probleme, die da zu lösen wären, sind viel zu gross: «Fangen wir doch mit einem kleinen Problem an», sagt Claire, «zum Beispiel einem Fleck im Kleid.»

Am Ende wird alles klar

Es geht um das Scheitern am Grossen. Antigone, das grosse Vorbild, scheitert in der Tragödie von Sophokles (wahrscheinlich 442 v. Chr. zum ersten Mal aufgeführt) und sucht den Freitod. Die um sie und ihre Familie entstandenen Wirren sind viel zu gross, um entwirrt zu werden. Intrigen, Mord, Inzest stehen als Metaphern, die noch heute Gültigkeit haben. Claire (Judith Bach) und Olli (Stéfanie Lang) verzweifeln schier ob der tragischen Gemengelage damals im alten Athen. Als Vorlage für ihr neues Stück scheint Sophokles’ Tragödie ungeeignet, erkennen die Beiden nach einer Denkpause. «Man müsste etwas Postives draus machen, vielleicht müsste man der Tragödie das «Tra» wegschneiden, dann wäre es eine Gödie!»

Doch man kann auch das «gödie» wegschneiden, dann ist es ein «Tra, Tra, Trallala...» und schon ist es lustig. «Antigone macht Ferien – all inklusive!», singen Claire und Olli. Grosspapi Kreon ist in Frührente gegangen und baut eine Sandburg mit seinen Enkeln. «Wo sind denn unsere Brüder?», fragt Antigone, und Olli antwortet: «Sie spielen Goodminton!» Früher hiess das Badminton. Positiv denken. Im Schloss von Kreon spielen derweil statt der Toten Hosen die Lebendigen Shorts. Doch auch skurriler Humor löst die realen Probleme nicht. Wie das so ist im wahren Leben, streitet, wer streiten will: «Wenn zwei sich töten, freut sich der Dritte.» Und Antigone ist wieder komplett allein auf weiter Flur. Traurig, genervt, allein sitzt sie da wie ein Kind am Freitag, das sich gegen die Welt auflehnt. Eine Heldin die sich gegen das Unausweichliche stemmt.

Auch ohne Titel ist das Stück fertig

Wenn auch der Titel des Stücks noch nicht feststeht ist es dennoch fertig. Stéfanie Lang, nach der zweiten Babypause, und Judith Bach, nach einem Intermezzo mit dem Solostück «Claire alleene», haben unter der Regie von Federico Dimitri ein neues, topaktuelles, poetisches und vielschichtiges Stück erarbeitet.

Grundlage ist der Mythos der Antigone, Metaphernlieferant ist die Tragödie von Sophokles und die aktuelle Gesellschaft liefert die Tragödien der heutigen Zeit. Gegen welche die Heldin kämpfen will, aber nicht kann, weil sie nicht darf, weil irgendwelche dunklen Mächte im Hinter- und Untergrund wollen, dass es so bleibt. Es gibt kein Happy End für Antigone. Dieser Titel für das Stück fällt aus der Wahl.

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