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Interview

Lütisburger Schulratspräsident zur Schulraumerweiterung: «Wir kämpfen für ein zweifaches Ja»

Schulratspräsident Josef Rütsche will den Schulstandort Lütisburg langfristig sichern. Dafür braucht er zwei Baukredite: für die Erweiterung des Schulraums und eine neue Turnhalle. Letzterer könnte umstritten sein.
Timon Kobelt
Der 66-jährige Josef Rütsche sitzt vor dem Schulhaus Neudorf in der «Arena», dem Aussenklassenzimmer. Dass dieses erhalten bleibt, war den Bürgern ein wichtiges Anliegen. Auch die Treppe im Hintergrund, die den Pausenplatz mit dem oberen Parkplatz verbindet, besteht weiter. (Bild: Timon Kobelt)

Der 66-jährige Josef Rütsche sitzt vor dem Schulhaus Neudorf in der «Arena», dem Aussenklassenzimmer. Dass dieses erhalten bleibt, war den Bürgern ein wichtiges Anliegen. Auch die Treppe im Hintergrund, die den Pausenplatz mit dem oberen Parkplatz verbindet, besteht weiter. (Bild: Timon Kobelt)

Am 25. November befinden die Schulbürger über das Projekt «Primarschulraum Lütisburg 2020plus» (PSL 2020plus). Schulratspräsident Josef Rütsche hat es mehrfach als Generationenprojekt bezeichnet. Im Interview erklärt er, weshalb das Projekt für Diskussionsstoff sorgen könnte, obwohl der Fahrplan seiner Ansicht nach stimmt.

Josef Rütsche, Sie bringen die Kredite für die Erweiterung des Schulhauses Neudorf und den Neubau der Turnhalle getrennt zur Abstimmung. Ein riskanter Zug?

Ein gewisses Risikopotenzial ist tatsächlich vorhanden. Aber wir wollten die Bürger ernst nehmen und ihnen unbedingt die Möglichkeit geben, zu beiden Aspekten unabhängig ihre Meinung zu bilden. Man muss auch die Vorgeschichte berücksichtigen: Die Turnhalle in Lütisburg hat schon immer stark polarisiert. Seit 20 Jahren wird über das Thema diskutiert, aber noch nie kam es zu einer Abstimmung. Deswegen wollen wir die Kredite für die Turnhalle und die Erweiterung des Schulhauses nicht verknüpfen. Es soll kein Zwang bestehen, der Turnhalle nur zuzustimmen, weil man den Schulraum nicht torpedieren will. Aber natürlich kämpfen wir für ein zweifaches Ja, denn die Schule ist auf eine grössere Halle und die neuen Nebenräume angewiesen.

Was passiert denn, falls es nur ein einfaches Ja der Bürger gibt?

Das angenommene Objekt könnte dann trotzdem gebaut respektive erweitert werden. Beim abgelehnten Bereich stünde man dann quasi wieder auf Feld eins. Aber natürlich hängen die Aspekte Schulraumerweiterung und Neubau der Turnhalle eng zusammen, weswegen wir wie gesagt auf ein zweifaches Ja hinarbeiten.

Sie haben die Schwierigkeiten in der Turnhallen-Debatte angedeutet. Was macht dieses Thema so komplex?

Die Ansprüche driften weit auseinander. Es gibt Vereine, die am liebsten eine Doppelturnhalle hätten, anderen reicht eine Einfachturnhalle und einige sehen für eine neue Halle gar keinen Bedarf.

Welche Variante der Turnhalle ist denn nun geplant?

Wir schlagen den Bürgern den Kredit für eine etwas grössere Einfachturnhalle vor, die 24 Meter breit und 28 Meter lang und somit sinnvoll unterteilbar ist.

Das ist breiter als ursprünglich geplant und somit auch teurer.

Das stimmt. Wir wollen nebst der Qualität der Trainingsmöglichkeiten auch die Trainingskapazitäten für die turnenden Vereine verbessern. Durch die Verbreiterung der Halle kann sie bei Bedarf mittels einer Trennwand sinnvoll geteilt werden. Unter dem Blickwinkel dieses Generationenprojekts hat der Schulrat auf Antrag der Baukommission entschieden, diese zusätzliche Kapazität zu schaffen. Die profitierenden Vereine wollen sich an dieser Lösung finanziell beteiligen.

Die Verbreiterung der Turnhalle ist nicht die einzige Änderung im Projekt. Weshalb haben sie den Kindergarten Oberdorf wieder ins Projekt integriert?

Es bestanden schon 2017 bei der ausserordentlichen Bürgerversammlung zwei Varianten des Projekts, eine mit Integration des Kindergartens und eine ohne. Damals haben wir letztere favorisiert. Inzwischen hat sich das aber aus mehreren Gründen geändert. Die Analyse der Baukommission hat ergeben, dass eine Integration des Kindergartens in den Standort Neudorf am kostengünstigsten ist. Einerseits kann alles in einem Bauvorhaben erledigt werden und andererseits fallen Sanierungen weg, die sonst beim Kindergarten in den nächsten Jahren anstünden. Ausserdem kann das Land, auf dem der Kindergarten steht und das sich heute in der Zone für öffentliche Bauten befindet, mittels Umzonung als Bauland zu guten Konditionen verkauft werden. Damit wäre ein grosser Teil des finanziellen Aufwands der Integration des Kindergartens am Standort Neudorf gedeckt. Langfristig gedacht ist die Integration des Kindergartens vor allem aus finanzieller Sicht das einzig Sinnvolle.

Apropos Finanzen: Können Sie konkrete Zahlen zum Projekt nennen?

2017 haben wir für die Variante mit Kindergarten rund 11,5 Millionen Franken berechnet. In dieser Grössenordnung bewegen wir uns noch immer, wobei der Betrag wohl etwas höher ausfallen wird. Wir sind aktuell dabei, letzte Kostenoptimierungen vorzunehmen. Aufgrund der definitiven Zahlen im Kostenplan des Projekts, welche die Schulbehörde bald der Gemeinde übergibt, berechnet die Gemeinde zusätzlich, wie sich eine Annahme der Kredite auf den Finanzplan der Gemeinde auswirken wird. Über die konkreten Angaben zu den Baukrediten, der Finanzierung und zum Finanzplan wird Ende Oktober mittels Gutachten und anfangs November an einer öffentlichen Veranstaltung informiert.

Diese Veranstaltung war ursprünglich auf Ende August angesetzt.

Das stimmt. Dieser Termin war jedoch zu optimistisch angekündigt, wofür ich alleine die Verantwortung trage. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt weder die verbindlichen Pläne noch die genauen Kosten. Und das interessiert letztlich die Bürgerschaft.

Reicht die Zeit für eine fundierte Meinungsbildung, wenn den Bürgern das Projekt anfangs November vorgestellt wird, und diese Ende November darüber befinden müssen?

Davon bin ich überzeugt. Der interessierte Bürger kann sich ab Ende Oktober mit dem Gutachten im Detail auseinandersetzen. Auch haben wir regelmässig im Gemeindeblatt informiert und zum Dialog aufgerufen. Dieser fand jedoch hauptsächlich in der Baukommission statt, in der unter anderem auch die Bevölkerung und die Vereine ihre Vertreter haben. Somit konnten wir die Anliegen der verschiedenen Anspruchsgruppen aufnehmen und oftmals auch umsetzen.

Welche zum Beispiel?

Die breitere Turnhalle, die den Vereinen und der ganzen Bevölkerung zugutekommt, ist eines. Von Bevölkerungs- und Schulvertretern drang durch, dass das Aussenschulzimmer, auch Arena genannt, erhalten bleiben soll. Auch der Durchgang, der mittels Treppe den oberen Parkplatz und den Pausenplatz miteinander verbindet, bleibt erhalten, was so gewünscht wurde.

Sie haben mehrfach die Baukommission angesprochen. Wie würden sie die Zusammenarbeit innerhalb dieses Gremiums beschreiben?

Als sehr fruchtbar und konstruktiv. Es ist wertvoll, dass wir Vertreter aus verschiedenen Anspruchsgruppen in der Baukommission haben. Aus einer vorsichtigen und abtastenden Kennenlernphase entwickelte sich ein konstruktives Miteinander. Natürlich gab es auch Meinungsverschiedenheiten, die teilweise heftig diskutierten wurden. Doch am Schluss sind wir immer zu einem konstruktiven Resultat gekommen, hinter dem alle stehen können. Meistens fällten wir unsere Beschlüsse einstimmig.

So setzt sich die Baukommission (BK) zusammen

- Josef Rütsche, Schulratspräsident/Präsident BK
- Jakob Rüegg, Schulrat Ressort Infrastruktur, Stv. Präsident BK
- Michael Bolt, Schulrat Ressort Dienste
- Andreas Rütsche, Gemeinderat/Umwelt, Bau, Verkehr & Entsorgung
- Werner Scherrer, Gemeinderat/Jugend, Sport, Kultur
- Remo Walder, Schulleiter
- Thomas Oberlin, Vertreter Schule/Hauswart
- Daniel Wenk, Vertreter Bevölkerung
- Felix Tschirky, Vertreter Turnende Vereine
- Ivan Marty, Generalplaner (mit beratender Stimme)
- Martina Münster, Bauherrenunterstützung (mit beratender Stimme)

Gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat ähnlich konstruktiv? Von diesem war mehrfach zu hören, dass die Kosten des Projekts tiefer sein müssten.

Für eine Gemeinde wie Lütisburg ist ein Projekt in dieser finanziellen Grössenordnung auch kein Zuckerschlecken. Grundsätzlich ist es ja Aufgabe der politischen Gemeinde, die Finanzierung sicherzustellen. Deshalb muss der Gemeinderat dort auch genau hinschauen. Doch auch die Schulbehörde und die Baukommission versucht permanent, die Kosten zu optimieren. Mit den beiden Gemeinderäten, die in der Baukommission vertreten sind, verlief die Zusammenarbeit sehr erfreulich.

Demnächst stehen wichtige Sitzungen mit Gemeinde- und Schulrat an. Worum geht es dabei?

Dass wir die Auswirkungen auf den Finanzplan der Gemeinde möglichst genau beziffern können. Ausserdem gilt es, die Parameter für den Finanzplan zu diskutieren. Und natürlich erhofft sich der Schulrat auch vom Gesamtgemeinderat ein klares Bekenntnis zum Projekt.

Wäre es bei einem solchen Projekt einfacher, wenn man als Einheitsgemeinde aufgestellt wäre?

Für den Erfolg eines Projektes sind primär die Leute in den Schlüsselpositionen entscheidend. Wenn diese an einem Strick ziehen und gut zusammenarbeiten, ist die Gemeindeform unbedeutend.

Lesen Sie zum Projekt «PSL 2020plus:»

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