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Lütisburg: Wilde Kandidatin hat den offiziellen Kandidaten ausgestochen

Marianne Burger Studer erobert als wilde Kandidatin das Schulratspräsidium in Lütisburg. Sie freue sich «irrsinnig» und sei überzeugt, dass sie im Dorf etwas bewegen könne, sagte sie nach der Wahl.
Timon Kobelt
Marianne Burger Studer und ihr Mann Hans-Jörg Studer (links) freuen sich am Wahl-Apéro vor der Turnhalle in Lütisburg. Der unterlegene Werner Scherrer (hinten rechts) klatscht mit. (Bild: Timon Kobelt)

Marianne Burger Studer und ihr Mann Hans-Jörg Studer (links) freuen sich am Wahl-Apéro vor der Turnhalle in Lütisburg. Der unterlegene Werner Scherrer (hinten rechts) klatscht mit. (Bild: Timon Kobelt)


Marianne Burger Studer vereinte 288 Stimmen auf sich und übertraf damit das absolute Mehr von 246 Stimmen deutlich. Ihr Kontrahent Werner Scherrer kam auf 197 Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 46,7 Prozent.

Im Vorfeld hatte für Spannung gesorgt, wie gut die Chancen für Marianne Burger Studer auf eine Wahl im ersten Wahlgang stehen, obwohl sie ihre Kandidatur später eingereicht hat als Werner Scherrer. Ausserdem stand ihr Name nicht auf dem Wahlzettel, da sie keine offizielle Kandidatin war.

«Vielleicht war es an der Zeit für eine Frau»

«Ich habe natürlich gehofft, dass es schon im ersten Wahlgang reichen würde», sagt Marianne Burger Studer rund zwei Stunden nach dem Bekanntwerden des Ergebnisses. Sie wäre aber auch guten Mutes in einen zweiten Wahlgang gezogen. Die 56-Jährige meint:

«Meine beruflichen Qualitäten haben mir bei der Wahl wohl geholfen.»

Zu diesen Qualitäten zählen unter anderem, dass Marianne Burger Studer beim Amt für Volksschulen sowohl Lehrpersonen als auch Schulleitungen beraten hat. Ausserdem war sie selbst Lehrerin und Schulleiterin. Bei letzterem hat sie Projekterfahrung gesammelt, etwa im Bereich Schulhausneubauten. «Vielleicht hat auch eine Mehrheit gedacht, dass es an der Zeit für eine Frau ist, dieses Amt zu bekleiden», ergänzt sie.

Sie sei bis auf zwei Stunden am Sonntag im Vorfeld der Wahl überhaupt nicht nervös gewesen. «Doch während dieser zwei Stunden dafür umso mehr. Als ich wusste, dass die Urnen geschlossen sind, war es wieder besser», beschreibt Marianne Burger Studer ihre Gefühlslage. Nun habe sie «irrsinnig» Freude und danke der Bevölkerung von Lütisburg für das entgegengebrachte Vertrauen. Sie hoffe, dass auch diejenigen, die sie nicht gewählt hätten, mit der Zeit Vertrauen in sie gewinnen würden.

«Ich bin überzeugt, dass ich etwas einbringen kann»

Ab dem 1. April wird die 56-Jährige ihr Amt als Chefin der Schule ausüben. Zu Beginn stehe für sie im Vordergrund, den Schul- und Gemeinderat sowie die Lehrkräfte kennen zu lernen. «Zu diesem Zweck werde ich zunächst viel zuhören. Natürlich muss ich mich auch in viele Dossiers einlesen», sagt die ehemalige Schulleiterin. Sie freue sich extrem auf die Zeit, «weil ich überzeugt bin, dass ich etwas in die Primarschule Lütisburg einbringen kann». Dabei denke sie vor allem daran, die Kommunikation zu verbessern und zu einem positiveren Klima beizutragen.

Werner Scherrer ist ein fairer Verlierer

Werner Scherrer zeigte sich nach der Wahl als fairer Verlierer. Er gratulierte Marianne Burger Studer beim Wahl-Apéro, den die Schulgemeinde vor der Turnhalle im Freien organisierte, persönlich zu ihrer Wahl. «Es ist ein eindeutiges Votum der Leute, das es zu akzeptieren gilt», sagte er gegenüber dem «Toggenburger Tagblatt». Natürlich sei er enttäuscht, weil er sich aus Überzeugung zur Verfügung gestellt habe und das Amt gerne ausgeführt hätte. «Doch ich kann auch lehrreiche Erfahrungen aus dem Wahlkampf mitnehmen», sagte Werner Scherrer. Er werde sich nun weiterhin als Gemeinderat aktiv für die Gemeinde Lütisburg einsetzen.

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