Lütisburg
Nutzungserweiterung: Deshalb soll die evangelische Kirche ein multifunktionales Kirchengebäude werden

Die Hoffnung, dass die Kirchbürger am 3. April Ja sagen zur Nutzungserweiterung der evangelischen Kirche Lütisburg, war am Infoabend spürbar. Die neuen Zahlen zeigten aber auch: Der Bau könnte teurer werden, als in der Abstimmungsbotschaft steht.

Christof Lampart
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Die evangelische Kirche in Lütisburg soll in Zukunft auch für nicht kirchliche Zwecke genutzt werden können.

Die evangelische Kirche in Lütisburg soll in Zukunft auch für nicht kirchliche Zwecke genutzt werden können.

Bild: PD

Die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Unteres Toggenburg und ihre Kirche in Lütisburg, respektive deren Umnutzung, sind seit einigen Jahren fast so etwas wie eine unendliche Geschichte. Am Mittwoch informierte die Kirchenvorsteherschaft in der Kirche Lütisburg über den Stand der Dinge.

Der Präsident der Kirchenvorsteherschaft, Enzo Fuschini, erklärte vor rund 30 Personen, dass die Erweiterung der Kirche dazu dienen soll, das Kirchgemeindeleben auch abseits der Gottesdienste wieder in Schwung zu bringen. Tatsächlich hat die Kirchgemeinde, die rund 1800 Gläubige zählt, aktuell keinen Raum, in dem man eine grössere Veranstaltung durchführen kann.

Da das Gotteshaus in Lütisburg weder denkmal- noch ortsbildgeschützt ist – was bei den Kirchen in Bütschwil und Ganterschwil jedoch der Fall ist – steht einer Erweiterung im Grunde genommen nichts im Wege.

Multifunktionales Kirchgemeindegebäude

Das Bauprojekt sieht vor, dass durch einen kubischen Anbau aus der typischen Predigerkirche ein multifunktionales Kirchgemeindegebäude werden soll. Es soll ein Raum entstehen, in dem das Licht heller sein wird als heute, die Sitzanordnung flexibler (Stühle statt Bänke) und die Heizung ökologischer. Deshalb soll etwa die Ölheizung durch einen Anschluss ans Fernwärmenetz ersetzt werden.

Der Präsident der Kirchenvorsteherschaft der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Unteres Toggenburg, Enzo Fuschini, tat deutlich kund, dass er sich ein Ja zum Kredit für die Nutzungserweiterung der Kirche Lütisburg wünscht, damit «die Gemeinschaft besser gepflegt werden kann».

Der Präsident der Kirchenvorsteherschaft der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Unteres Toggenburg, Enzo Fuschini, tat deutlich kund, dass er sich ein Ja zum Kredit für die Nutzungserweiterung der Kirche Lütisburg wünscht, damit «die Gemeinschaft besser gepflegt werden kann».

Bild: Christof Lampart

Dort, wo heute die Orgel steht, soll ein Büro entstehen, was dazu führen könnte, dass der Pfarrer zukünftig ziemlich häufig in der Kirche anzutreffen sein dürfte. Wo heute die Sakristei ist, sollen Toiletten eingebaut werden, der eigentliche Anbau ein Foyer, einen Begegnungsraum mit Küchennische und einen Abstellraum enthalten.

Pfarrer äusserte Angst vor Abriss

Bis auf wenige Details fand das Raumprogramm bei den Gekommenen Anklang. Viele lobten den Versuch, Rahmenbedingungen vor Ort zu schaffen, welche auch Junge motivieren könnten, dem Gemeindeleben neuen Elan und der Kirche Lütisburg eine Zukunft zu geben.

Pfarrer Fabian Kuhn merkte an, dass man die Chance nutzen sollte, um die Weichen für eine gute Zukunft zu stellen. Verpasse man diese, dann könne es sein, dass man in einigen Jahren die Kirche verkaufen müsse.

Und da die Kirche unter keinem behördlichen Schutz stehe, könne es dann passieren, dass die Kirche abgerissen und an ihrer Stelle Wohnungen gebaut würden.

Fuschini: «Kosten dürfen nicht mehr wachsen»

Trotzdem fehlte es nicht an Stimmen, die davor warnten, die Kosten aus dem Ruder laufen zu lassen. Schliesslich sei man im Finanzausgleich und sollte zu den Finanzen Sorge tragen. Tatsächlich schien Fuschini die Mahner in ihrer Meinung zu bestätigen. Denn er musste der Versammlung erklären, dass die in der Botschaft abgedruckten 1,8 Millionen Franken wahrscheinlich schon wieder überholt seien.

Aktuell gehe man von Kosten von 1,968 Millionen Franken aus. Doch auch für Fuschini war klar, dass nun ein absolutes Limit erreicht sei. «Die Kosten dürfen nicht mehr weiter anwachsen. Sonst müssen wir uns überlegen, wo wir einsparen.»

Er gab zu bedenken, dass die Bau- und Rohstoffkosten «momentan gar nicht kalkulierbar» seien und es deswegen sein könne «dass wir mit dem Bau noch zuwarten, denn alle Spezialisten sagen, dass die Baupreise wieder runterkommen werden – nur sagt niemand, wann das sein wird.»

Pfarrhaus-Verkauf soll Eigenkapital schonen

Sagen die Kirchbürger am 3. April Ja zur Nutzungserweiterung, so werden 868'000 Franken von der Kirchgemeinde Unteres Toggenburg aus dem Eigenkapital getragen. Die restliche Investition von 1,1 Millionen Franken wird über fünf Jahre der Verwaltungsrechnung belastet.

Damit das noch vorhandene Eigenkapital von rund einer halben Million Franken nicht allzu stark angetastet wird, will die Kirchgemeinde das nicht mehr benötigte Pfarrhaus Ganterschwil verkaufen.

Vor drei Jahren sei das Haus auf 690'000 Franken geschätzt worden. Da seitdem die Immobilienpreise um sechs bis acht Prozent gestiegen seien, könnte man auch fürs Pfarrhaus mehr Geld erwarten, so Fuschini.