Lütisburg ist die vermehrungsfreudigste Gemeinde des Toggenburgs

Gemäss Statistik für das Jahr 2017 kamen im Vergleich der Toggenburger Gemeinden in Lütisburg am meisten Babys zur Welt. Oberhelfenschwil bildet das Schlusslicht.

Urs M. Hemm
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2017 war für den Kanton St. Gallen, aber auch für das Toggenburg, ein kinderreiches Jahr. Von insgesamt 5205 Babys erblickten 453 in einer der zwölf Toggenburger Gemeinden das Licht der Welt. Mit 14,05 Neugeborenen pro 1000 Einwohner schwang Lütisburg oben aus und erwies sich im Vergleich zum Jahr 2015 als unverändert produktiv. Auch gegenüber den anderen St. Galler Gemeinden muss sich Lütisburg nicht verstecken. Dort belegt die Alttoggenburger Gemeinde hinter Tübach (14,69) und Gams (14,68) den dritten Rang. Im Jahr 2015 musste sich Lütisburg noch von Mosnang geschlagen gegeben. 2017 jedoch befinden sich die Mosnanger mit 10,4 Geburten im Mittelfeld der Toggenburger Gemeinden. Unverändert im Vergleich zur letzten Erhebung bildet Oberhelfenschwil mit 6,31 Babys pro 1000 Einwohner das Schlusslicht. Die aktuellen Zahlen publiziert jeweils die Fachstelle für Statistik des Kantons St. Gallen.

Fehlender Wohnraum − keine Zuzüger

Für Toni Hässig, Gemeindepräsident von Oberhelfenschwil, kommt die Nachricht nicht überraschend. «Auf Statistiken gebe ich ohnehin nicht sehr viel», sagt er. Dennoch führt er die tiefe Geburtenrate in seiner Gemeinde vor allem auf das fehlende Angebot an Wohnungen und Einfamilienhäusern für junge Familien zurück. «Die Gemeinde selbst hat kein Bauland mehr, nachdem nun einige Projekte in Arbeit sind», sagt er. Das Problem sei das Bauland, das in privater Hand ist, und Bauwilligen nicht zur Verfügung steht. «Diese Baulandhortung ist mit ein Grund, warum Oberhelfenschwil Bauland auszonen muss. Eigentlich ist es ein Unsinn, denn es gibt immer wieder Anfragen nach Wohnungen oder Einfamilienhäusern.» Denn Oberhelfenschwil biete hohe Lebensqualität und mit Schule und Einkaufsmöglichkeiten eine familienfreundliche Infrastruktur. Dass dem tatsächlich so ist, bestätigt eine kurze Rückfrage beim Einwohneramt: In diesem Jahr kamen in Oberhelfenschwil bereits 16 Babys zur Welt, was bei gleichbleibender Einwohnerzahl einem Wert von 12,63 Babys pro 1'000 Einwohnern entspricht.

Eigener Spielplatz vor dem Haus

Die Lütisburger Gemeindepräsidentin Imelda Stadler freut sich über die Nachricht, sagt aber, dass sich das auch wieder ändern werde. «In den vergangenen acht Jahren wurde in Lütisburg viel gebaut, was zu einigen Zuzügern führte», führt Imelda Stadler als Begründung für die vielen Geburten an. So wurden in der Zeit vier Mehrfamilienhäuser und einige Einfamilienhäuser auf dem Lütisburger Gemeindegebiet erstellt. «Eine solche Bautätigkeit wird jedoch in Zukunft in diesem Ausmass nicht mehr möglich sein, da Lütisburg über praktisch keine Baulandreserven mehr verfügt», sagt Imelda Stadler. Somit werden auch die Geburtenzahlen in den kommenden Jahren tendenziell auch wieder mal zurückgehen, mutmasst sie.

Die gute verkehrstechnische Erschliessung Lütisburgs komme der Gemeinde als Wohnort auch entgegen. Ob Wil, St. Gallen oder Zürich − alle grossen Zentren sind per Bahn oder Auto innert nützlicher Frist erreichbar. Darüber hinaus habe Lütisburg für Familien einiges zu bieten. Beispielsweise haben alle neuen Mehrfamilienhäuser einen eigenen Spielplatz, jedoch auch Zugang zum Spielplatz der Gemeinde. Zudem gebe es ein breites Schulangebot sowie ein lebendiges Vereinsleben. Bezüglich aktueller Zahlen für das Jahr 2018 möchte sich Imelda Stadler nicht festlegen. «Ich habe aber gehört, dass es noch einmal ein geburtenreiches Jahr geben soll», sagt sie.

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