Lütisburg: Befürworter und Gegner kämpfen mit offenem Visier

Bald stimmen die Bürger über das Projekt PSL 2020plus ab. Der Turnverein sieht darin eine Chance für das Dorf und eine Belohnung für die Jugendarbeit. Die örtliche FDP hingegen moniert, dass es nicht zu Ende gedacht sei und ein Verkehrskonzept fehle.

Timon Kobelt
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Die Aerobic-Gruppen des TV Lütisburg sind stark von den ungenügenden Turnbedingungen in der jetzigen Halle betroffen. (Bild: PD)

Die Aerobic-Gruppen des TV Lütisburg sind stark von den ungenügenden Turnbedingungen in der jetzigen Halle betroffen. (Bild: PD)

Die Abstimmung über das Projekt PSL 2020plus wirft hohe Wellen im Dorf. Besonders die Grösse der Turnhalle heizt die Debatte an. Sie soll gemäss Projekt 24 Meter lang und 28 Meter breit werden. Damit wäre sie grösser als eine Einzelhalle, welche die Masse 16 mal 28 Meter aufweist. Die Halle kann mittels Trennwand in zwei Hälften unterteilt werden, sodass mehrere Sportarten gleichzeitig ausgeübt werden könnten.

Die Jugend soll im Dorf trainieren können

Zu den grössten Profiteuren der neuen Halle würde der Turnverein Lütisburg (TVL) gehören. Das gibt dessen Präsident Andreas Solenthaler auch offen zu, wobei alle Dorfvereine ebenfalls enorm profitierten. «Wie die meisten Vereine leistet der TVL viel in der Jugendarbeit. Wir haben im Jahr 2018 163 Mitglieder in unserer Jugendabteilung, wovon ein Grossteil nicht im eigenen Dorf trainieren kann», sagt Andreas Solenthaler. Die neue Turnhalle würde das ändern. Es sei dem TVL sehr wichtig, dass die Jugend im eigenen Dorf trainieren könne.

Von der Abteilung Aerobic müssten drei von vier Jugendriegen im Mehrzweckgebäude trainieren, wo unwürdige Trainingsbedingungen herrschten. Viele andere Abteilungen seien gezwungen in Nachbargemeinden zu trainieren. Die Leichtathletik beispielsweise müsse im Winter nach Bazenheid ausweichen. «Das Problem mit diesen auswärtigen Lösungen ist, dass sie nicht mit Sicherheit langfristig bestehen», sagt Andreas Solenthaler. Wenn in den anderen Dörfern vermehrt einheimische Vereine Anspruch auf die Hallen erheben würden, stünden die Lütisburger mit abgesägten Hosen da.

Dem vorgelegten Projekt kann der 30-jährige Präsident viel Positives abgewinnen. «Dadurch, dass die Halle geteilt werden kann, wird viel mehr Kapazität geschaffen», sagt Solenthaler. Somit könne die Halle zur meisten Zeit doppelt genutzt werden. Dies sei sowohl für den TVL als auch für die Ballsportvereine ein entscheidender Vorteil. Abschliessend meint der Turner zur Grösse und den Kosten: «Die Hallengrösse ist ein vernünftiger Kompromiss. Sie bringt einen klaren Mehrwert mit der Trennmöglichkeit, ist aber trotzdem noch ein gutes Stück kleiner als eine Doppelturnhalle. Gute Infrastruktur kostet auch etwas.»

Man sei auch bereit, sich an den Kosten zu beteiligen. Der Turnverein hat zugesagt, 140'000 Franken beizusteuern. Hinzu kämen 70'000 Franken, die für die Anschaffung von Geräten aufgewendet würden. 2015 habe man einen Hallenfonds gegründet, in den jeweils unter anderem der gesamte Gewinn des Toggenburger Spieltages geflossen sei. «Insgesamt haben unsere Mitglieder für den Hallenfonds rund 3'000 Stunden Arbeit investiert», sagt Solenthaler.

«Verkehrskonzept hätte zwingend ins Projekt gehört»

Die FDP Lütisburg empfiehlt in einem Flyer ein Nein zum Projekt. Deren Vizepräsident Thomas Felber betont aber, dass man nicht grundsätzlich gegen das Schulhaus oder die Turnhalle sei. Man bestreite den Bedarf an Investitionen nicht. Allerdings weise das Projekt einige zentrale Mängel auf. «Ein ausgefeiltes Verkehrskonzept hätte zwingend in das Projekt gehört. Es sind einige zentrale Fragen, wie die Position der Fussgängerstreifen, ungeklärt», sagt Thomas Felber. Auf diesen Punkt habe die FDP bereits vor einigen Jahren hingewiesen. Schon vor einem Jahr habe sich die FDP mit ihrem Infoanlass zum Projekt aktiv eingebracht. «Viele der positiven Aspekte des Projekts, wie die bessere Besonnung des Pausenplatzes, sind ein Resultat jenes Abends», betont Felber.

Generell sei die Aufgleisung des Projekts mangelhaft. «13 Millionen Franken sind für Lütisburg ein Riesenlupf. Es hätte zwingend einen Architekturwettbewerb gebraucht und ein externes Fachgremium, welches das Projekt begutachtet», sagt Felber. Dieses Vorgehen sei in anderen Gemeinden gang und gäbe. Man habe aktuell keine Gewissheit, dass wirklich alle erdenklichen Varianten auf Herz und Nieren geprüft worden seien. «Wir können nicht sicher sein, dass wir das Optimum für unser Geld bekommen», sagt Felber. So weise die Turnhalle auch überflüssigen Luxus auf, beispielsweise ein Foyer mit 200 Quadratmetern. Dies übersteige die Norm des Bundesamtes für Sport bei weitem. Dass Turnhalle und Schule nun getrennt an die Urne kämen, sei inkonsequent und ein Zeichen, dass kein Gesamtkonzept bestehe.

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