20'000 Fahrzeuge machen den Lütisburger Schulweg zur Gefahr

Bis zu 40 Tonnen darf ein Camion in der Schweiz wiegen. Wenn ein solches Ungetüm bei der alten Holzbrücke in Lütisburg vorbeifährt, zittert nicht nur der Boden.

Martina Signer
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Diese Gefahrentafel ist viele Meter vom Zebrastreifen entfernt und wird dadurch nicht immer wahrgenommen. (Bild: Martina Signer)

Diese Gefahrentafel ist viele Meter vom Zebrastreifen entfernt und wird dadurch nicht immer wahrgenommen. (Bild: Martina Signer)

Nicht mehr fähig, sein Tempo zu verringern, donnert ein weisser Laster auf den Fussgängerstreifen bei der alten Brücke in Lütisburg zu. «Haben Sie gesehen? Er konnte gar nicht mehr bremsen», sagt Schulratspräsident Josef Rütsche, nachdem der Lastwagen – und auch der nachfolgende Personenwagen – den Fussgängern den Vortritt genommen haben. Hier wechseln viele Schüler der Primarschule Lütisburg zwei-, drei-, viermal pro Tag die Strassenseite.

Ungefährlich ist das nicht, wie der Praxistest gezeigt hat. Denn: Diese Strasse bewältigt ein Verkehrsaufkommen von über 20'000 Fahrzeugen werktags, wie die letzten Messungen aus der Verkehrsstatistik des Kantons St.Gallen zeigen.

Durch Auffahrkollision auf Zebrastreifen geschoben

Schon nach wenigen Minuten lässt sich nicht mehr an zwei Händen abzählen, wie viele der besagten Fahrzeuge tonnenschwere Lastwagen waren. «Wir können froh sein, dass es hier noch nie zu einem schlimmen Unfall gekommen ist», sagt der Schulratspräsident. Hingegen kam es einige Male vor, dass Auffahrkollisionen durch den Fussgängerübergang verursacht wurden. Die Gefahr dabei: Wenn der Hintermann mit dem vorderen Auto kollidiert, wird Letzterer auf den Zebrastreifen geschoben.

«Wir machen die Kinder immer wieder und mit Nachdruck darauf aufmerksam, dass sie erst gehen dürfen, wenn sich die Räder der Fahrzeuge nicht mehr drehen.» Dies ist nicht der einzige Gefahrenherd auf dem Schulweg der Lütisburger. Direkt beim Schulhaus wurde vor rund vier Jahren der Zebrastreifen entfernt. Dank deutlicher Signalisierung auf dem Belag und Gefahrendreiecken während der Schulschlusszeiten ist diese Gefahr aber mehrheitlich gebannt. «Die Schüler sind hier und bei der alten Brücke besonders aufmerksam», weiss Josef Rütsche.

Schul- und Gemeinderat suchen nach Lösungen

Dennoch sind viele Eltern in Sorge um ihre Kinder. In enger Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat suchen die Schulräte deshalb zurzeit nach möglichen Lösungen, um die Gefahr zu mildern. «Was es bei der Brücke bestimmt nicht geben wird, ist ein Lichtsignal.» Ein solches sei in einer Tempo-60-Zone nicht erlaubt. Ob diese Limite allerdings immer eingehalten werde, sei fraglich.

Denn der Übergang befindet sich in einer Senke, die Fahrzeuge «lassen es rollen» und die Sicht ist von Bütschwil her durch die Leitplanken eingeschränkt. Das Schild, welches einige hundert Meter vor dem Übergang auf die Gefahr aufmerksam macht, wird von den Fahrern meist übersehen. «Vielleicht würde es helfen, wenn hier ein permanenter Blitzkasten angebracht würde.» Denn es sei nicht zweckmässig, wenn die Kinder aus Angst von den Eltern zur Schule gebracht würden. «Der Schulweg ist ein wichtiger Erlebnisraum für die Kinder und sie lernen, Verantwortung zu tragen.»

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