Lottospieler machen Kultur: 134'000 Franken fliessen aus dem Lotteriefonds ins Toggenburg

Der St.Galler Kantonsrat entscheidet in der Novembersession über aktuelle Kulturbeiträge. Im Toggenburg profitieren fünf Projekte.

Hans Suter
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Das Wohnhaus am Lederbachweg 3 in Lichtensteig stammt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es wird einer Gesamtrenovation unterzogen.

Das Wohnhaus am Lederbachweg 3 in Lichtensteig stammt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es wird einer Gesamtrenovation unterzogen.

Bild: Sascha Erni

Zweimal jährlich entrichtet der Kanton St.Gallen Beiträge aus dem Lotteriefonds an Institutionen und Projekte im Bereich der Kultur. In der Novembersession, die vom 30. November bis 2. Dezember dauert, entscheidet der Kantonsrat auch über sechs Projekte im Toggenburg.

25'400 Franken für das Haus Lederbachweg 3 in Lichtensteig

Das Wohnhaus, wohl aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, liegt etwas versteckt, aber sehr malerisch direkt am Lederbach. Im Rahmen einer Gesamtrenovation erfolgt auch eine deutliche Aufwertung der äusseren Erscheinung. Das Gebäude wird neu verputzt, erhält stilgerechte Fenster, und die Läden werden renoviert. Seit dem Jahr 2010 ist Lichtensteig als Ortsbild von nationaler Bedeutung ausgeschieden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 103'4337 Franken. Darin sind denkmalpflegebedingt anrechenbare Aufwendungen am Gebäudeäusseren von 84'576 Franken enthalten. Der Kanton entrichtet daran 25'400 Franken.

38'600 Franken für die Villa Roseck in Kirchberg

Die aussergewöhnliche Jugendstilvilla Rosenbergstrasse 5 wurde um 1906/07 für den Stickereifabrikanten Paul Huber erbaut. Sie besitzt Fassaden mit Treppengiebeln, gotisierenden Fenstern und im Erdgeschoss einen Erker mit bunten Glasmalereifenstern. Die reiche originale Innenausstattung umfasst Bodenbeläge, Täfer, Einbauten, Linkrusta und teilweise Malereien. Wegen eines Besitzerwechsels und eines vorangegangenen Wasserschadens musste das Innere restauriert und instand gestellt werden. Holzoberflächen werden teilweise durch den Restaurator maseriert, um Fehlstellen durch unsachgemässe Behandlung des Holzwerks zu retuschieren. Ein durch eine Fachperson erstelltes Farbkonzept stellt die Harmonie der Innenräume der Villa wieder her.

Die rund 115-jährige Villa Roseck in Kirchberg wird einer umfassenden Innenrenovation unterzogen. Das Gebäude ist von kantonaler Bedeutung.

Die rund 115-jährige Villa Roseck in Kirchberg wird einer umfassenden Innenrenovation unterzogen. Das Gebäude ist von kantonaler Bedeutung.

Bild: Hans Suter

Seit dem Jahr 2017 ist dieses Gebäude als Kulturobjekt von kantonaler Bedeutung ausgeschieden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 374'148 Franken bei denkmalpflegebedingt anrechenbaren Aufwendungen von 128'514 Franken. Der Kanton übernimmt 38'600 Franken.

Erlebnislabor in Ebnat-Kappel und Uzwil

An zwei verschiedenen Standorten im Kanton St.Gallen soll ein Experimentierlabor realisiert werden. In Ebnat-Kappel und Uzwil soll für alle Schülerinnen und Schüler der beiden Gemeinden von der dritten bis zur sechsten Klasse ein Experimentier- erlebnis in Form eines Parcours zur Verfügung gestellt werden. Damit entsteht ein attraktives Angebot für die Kinder zweier St.Galler Regionen, das mit vielfältigen Experimenten die Kompetenzen in den Bereichen der Informatik, Technik und Naturwissenschaften bereits im Primarschulalter fördert. Das Projekt entsteht in Zusammenarbeit mit engagierten Unternehmen der Region und wird darüber hinaus über eine Onlineplattform publiziert, sodass es allen Schulen im Kanton, aber auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Für die Konzipierung und Realisierung des Erlebnislabors an beiden Standorten wird mit Gesamtkosten in der Höhe von rund 145'000 Franken und Eigenleistungen von rund 53'000 Franken gerechnet. 6000 Franken werden aus der privaten Förderung erwartet, weitere 46'000 Franken sind bei den Gemeinden und Unternehmen angefragt. Der Kanton beteiligt sich mit den angefragten 40'000 Franken.

20'000 Franken für Toggenburger Museum und Chössi-Theater

Für die neuste Eigenproduktion «Verzell emol vo de Toggeburger Gschicht» geht das Chössi-Theater eine Kooperation mit dem Toggenburger Museum ein, welches 2021 sein 125-jähriges Bestehen feiert. Auf der Grundlage von Exponaten, Bildern, Texten und weiteren Objekten aus dem Museum entsteht eine eigenständige Geschichte, die das Publikum in die Vergangenheit und eine imaginierte Zukunft führen sowie regionale Identitäten und das kulturelle Erbe des Toggenburgs auf eine spielerische Weise vermitteln soll. In regelmässigen Abständen erarbeitet das Chössi-Theater immer wieder mit anderen Partnerinnen und Partnern erfrischende Eigenproduktionen, bei welchen auch die Toggenburger Bevölkerung mitwirken kann. Das neuste Projekt steht unter der bewährten künstlerischen Leitung von Barbara Bucher, den Text zum Stück schreibt Michael Hasenfuss.

Zu seinem 125-Jahre-Jubiläum erarbeitet das Toggenburger Museum mit dem Chössi-Theater das Projekt «Verzell emol vo de Toggeburger Gschicht».

Zu seinem 125-Jahre-Jubiläum erarbeitet das Toggenburger Museum mit dem Chössi-Theater das Projekt «Verzell emol vo de Toggeburger Gschicht».

Bild: PD

Die Gesamtkosten belaufen sich auf 109'200 Franken. Rund 60'000 Franken erbringt der Verein als Eigenleistung, je 25'000 Franken werden von der privaten und öffentlichen Kulturförderung erwartet. Der Kanton St.Gallen unterstützt das institutionenübergreifende Projekt mit dem angefragten Beitrag von 20'000 Franken.

10'000 Franken für den Erhalt des Nachlasses von Peter Angst

Diese 10'000 Franken gehen an Beatrice Häfliger in Hoffeld für die editorische Aufarbeitung des Werks und des literarischen Nachlasses von Peter Angst (1950–2018). Dieser arbeitete nach dem Gymnasium als Meteorologe in Arosa, trampte durch Nordafrika, studierte klinische Psychologie an der Universität Zürich, gründete eine Landkommune am Mutschellen, bereiste die Sahara, erlangte das Zürcher Lehrerpatent und lebte danach in Damaskus, im Tösstal sowie vier Winterhalbjahre auf dem Peloponnes – und schliesslich in Hoffeld im Toggenburg mit seiner Frau Beatrice Häfliger.

Nach seinem Tod hat sie sich seinem literarischen Nachlass und dessen Veröffentlichung verschrieben. Nun sollen seine Haiku-Dichtungen im Buch «Die Wälder», der Roman «Vom Zürichsee» sowie die in seinen letzten fünf Monaten entstandene Erzählung «Die Wildtiere» im Wolfbach Verlag erscheinen.