Lütisburger Feuerwehr im Dilemma: Wie übt man das Feuerlöschen ohne Feuer?

An der Lütisburger Primarschule wollten sich die Lehrkräfte auf einen möglichen Brandfall vorbereiten. Doch wie übt man das, wenn man kein Feuer machen darf?

Timon Kobelt
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Auch ohne Flammen macht das Benutzen des Feuerlöschers Spass. Wichtig ist, dass man aus geduckter Position mit dem Sprühen beginnt. Im Hintergrund wird der effektive Umgang mit der Löschdecke geübt. (Bild: Timon Kobelt)

Auch ohne Flammen macht das Benutzen des Feuerlöschers Spass. Wichtig ist, dass man aus geduckter Position mit dem Sprühen beginnt. Im Hintergrund wird der effektive Umgang mit der Löschdecke geübt. (Bild: Timon Kobelt)

Ferienzeit ist für Lehrpersonen bekanntlich Vorbereitungszeit. So nutzte die Lehrerschaft der Primarschule Lütisburg die letzte Woche der Sommerferien fleissig, um nicht nur für das neue Schuljahr, sondern auch auf einen möglichen Brandfall perfekt vorbereitet zu sein. Das Skurrile an der Geschichte: Da im Kanton St.Gallen während der Sommerferien absolutes Feuerverbot herrschte, mussten die Lehrkräfte den korrekten Umgang mit dem Feuerlöscher ohne Feuer trainieren. Es wäre ja geradezu paradox gewesen, hätte ausgerechnet die Feuerwehr, welche die Übung durchführte, gegen das Feuerverbot verstossen.

Doch die Lehrer liessen sich ob der Trockenübung nicht entmutigen und erprobten den Feuerlöscher an Holzstücken, die nicht in Flammen standen.

«Klar wäre es mit echtem Feuer spannender gewesen»

sagte Mario Miotto, Stabsmitarbeiter und Materialwart der Feuerwehr Kirchberg-Lütisburg. Doch man könne den Umgang mir einem Feuerlöscher auch ohne Feuer gut üben. So pirschte sich eine Lehrperson nach der anderen an die Holzscheite heran und besprühte diese mit dem Feuerlöscher.

Brand immer von so weit unten wie möglich bekämpfen

Mario Miotto wies sie an, geduckt auf den «Brand» zuzugehen, um sich vor dem Rauch zu schützen. Ausserdem sollte man einen Brand stets von so weit unten wie möglich bekämpfen. Die Lehrer übten weiter, wie eine Löschdecke effizient eingesetzt wird. Dies ist der Fall, wenn die Decke nicht einfach auf den Brand geworfen wird, sondern wenn man mit den Füssen auf die unteren Ecken der Decke steht und die oberen mit den Händen über die Brandquelle stülpt.

Bei der Theorie zum Nasslöschposten ging es tief in die Physik und es zeigte sich, dass selbst die Lehrer mit ihrem breiten Allgemeinwissen nicht alles wissen.

«Wenn ein Liter Wasser verdampft, entstehen 1700 Liter Wasserdampf»

erklärte Mario Miotto zu allgemeinen Erstaunen. Auch dieser entfalte eine Löschkraft. Daher sei es effizienter, wenn kleine Tröpfchen breit über einen Brand verteilt werden, als wenn man mit einem dicken Strahl hineinspritzt. Das Duschbrauseprinzip funktioniert also im Brandfall ganz gut.

Eine Evakuation wird später geübt

Zum Abschluss der Übung inszenierten die Lehrer unter der Leitung des Vizekommandanten der Feuerwehr Kirchberg-Lütisburg Dominik Krapf eine Evakuation im Brandfall. Dabei strich Dominik Krapf mehrfach heraus, wie wichtig es ist, klare Zuteilungen zu haben und sich an diese zu halten.

Eine junge Lehrerin übernahm schliesslich den Lead der Evakuation, die übrigen Lehrer durften sich für einmal wie Schulkinder verhalten und die Klasse spielen. Gemäss Jakob Rüegg, Leiter Infrastruktur des Schulrats Lütisburg, wird aber noch eine Evakuation geübt, bei der die Kinder anwesend sind.