Lockdown wird teilweise gelockert: Auch Akupunkteure in der Region dürfen wieder stechen

Remo Zahner aus Wattwil darf ab Montag seine Tätigkeit als Akupunkteur wieder ausüben . Das Schutzkonzept sei dabei einfach einzuhalten, findet er.

Christof Lampart
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Akupunkteur Remo Zahner: «Ich bin überzeugt, dass unsere Branche die Krise gut überstehen wird.»

Akupunkteur Remo Zahner: «Ich bin überzeugt, dass unsere Branche die Krise gut überstehen wird.»

Bild: Christof Lampart

Coiffeure, Floristen, Zahnärzte – über viele Berufe wurde schon viel geschrieben. Von den Akupunkteuren hatte man hingegen nur wenig gehört. Wohl auch, weil es sie einfach in nicht allzu grosser Zahl gibt.

Vor neun Jahren eröffnete Remo Zahner in Wattwil seine Praxis. Es lief gut, bis ihn am 17. März der Lockdown zwar nicht aus heiterem Himmel, aber dafür doch sehr heftig traf. Zuerst atmeten die Akupunkteure auf, als sie mitgeteilt bekamen, dass sie vom kompletten Lockdown ausgenommen seien.

Aber das änderte sich schnell, denn: «Nach einigen Tagen merkten wir, dass die Leute nicht mehr kamen und somit der Lockdown praktisch einer Praxisschliessung gleichkam», so Zahner.

«Das Geschäft kam völlig zum Erliegen. Wir durften zwar noch Notfälle behandeln, aber diese sind bei uns sehr selten», erzählt Zahner und erklärt, was als Notfall gilt: «Heute habe ich einen Mann behandelt, der sich beim einem Töff-Unfall beide Arme gebrochen hatte».

Akupunkteur – ein Beruf mit zwei Szenen

Alles in allem habe er in den letzten sechs Wochen eine «emotionale Berg- und Talfahrt» durchgemacht.

«Anfangs war die Unsicherheit gross, da man täglich neue und vor allem andere Informationen bekam. Das führte dazu, dass ich an einem Tag entspannt war, am anderen wieder angespannt lebte. In den letzten Tagen war ich aber entspannt, bin ich doch davon überzeugt, dass unsere Branche die Krise gut überstehen wird.»

Den Austausch in und über die Corona-Krise pflegte Zahner dabei mit seinen Schweizer Berufskollegen, nicht jedoch mit den chinesischen, welche in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), zu welcher die Akupunktur zählt, hierzulande zahlreich vertreten sind.

«Es ist nicht so, dass wir Schweizer etwas gegen die chinesischen Therapeutinnen und Therapeuten hätten oder diese etwas gegen uns. Aber wir kommen nicht nur aus unterschiedlichen Kulturkreisen, sondern haben auch unsere Ausbildungen in anderen Ländern absolviert, was einen prägt. Das sind, auch wenn wir Schweizer unsere Praktika in Asien absolviert haben, irgendwie ganz verschiedene Szenen.»

Lösung mit dem Vermieter gefunden

Der Therapeut hat als indirekt betroffener Selbständigerwerbender beim Kanton um Covid-19-Erwerbsausfallgelder nachgefragt, «aber bis jetzt habe ich noch keinen Bescheid erhalten». Unabhängig davon, ob er nun die Gelder in naher Zukunft sieht oder nicht, ängstigt sich Remo Zahner nicht vor der Zukunft. «Ich habe mit meinem Vermieter eine für beide Seiten passende Lösung gefunden.»

Wie diesbezüglich die Situation in der Branche aussieht, vermag Zahner jedoch nicht zu sagen. «Das ist wohl alles sehr individuell». Positiv stimmt ihn, dass er ab Montag wieder ganz öffnen darf.

«Ich habe in den letzten Tagen zahlreiche Telefonate mit Patienten geführt. Jene, die aktuell in einer Behandlung sind, die durch das Coronavirus unterbrochen wurde, wollten möglichst rasch wieder einen Termin. Alle anderen Patienten habe ich per Brief über die bevorstehende Öffnung informiert.»

Sicherheitskonzept ist keine Problem

Für die Wiederaufnahme der Berufstätigkeit als Akupunkteur – schliesslich übt er mit seinen Nadeln eine invasive Tätigkeit am menschlichen Körper aus – braucht es ein Covid 19-Schutzkonzept. «Im Eingangsbereich habe ich Desinfektionsmittel und Einweghandtücher ausgelegt.»

Das Wartezimmer ist gross genug, dass mehrere Patienten zwei Meter auseinander sitzen können. «Aber in der Praxis stellt sich das Problem bei mir nicht, da ja fast alle Termine im Voraus abgemacht werden und ich so das Patientenaufkommen sehr gut steuern kann», sagt Zahner. Während der Behandlung haben sowohl der Therapeut als auch der Patient eine Maske an und die Tücher auf der Liege werden selbstredend nach jeder Behandlung gewechselt.

«Die Masken habe ich jetzt schon bei der Behandlung der Notfälle angehabt; die sind bei der Tätigkeit absolut kein Problem.»

Alles in allem sei das vom Berufsverband vorgegebene Schutzkonzept zwar noch nicht bis ins letzte Detail geregelt, aber «was ich soeben gesagt habe, gilt für alle als verbindlich», bekräftigt der Therapeut.