Littering
Vandalismus trübt die Waldidylle: Sprayereien, Littering und jetzt gewaltsam verletzte Bäume

Im Sennrütiwald oberhalb von Degersheim haben Unbekannte blindwütig und offenbar mit Werkzeug Bäume verletzt. Das Herz des Naturfreunds schmerzt. Vandalismus im Wald nimmt zu. Das weiss auch Barbara König, die der Öffentlichkeit den benachbarten Wald mit dem Damenluftbad zur Verfügung stellt.

Andrea Häusler
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Unbekannte haben im Sennrütiwald unterhalb des Wolfensbergs einen Baum mit Werkzeug traktiert.

Unbekannte haben im Sennrütiwald unterhalb des Wolfensbergs einen Baum mit Werkzeug traktiert.

Bild: Michael Hug

Der mutwillig verletzte Baum steht unterhalb des Herrenluftbades im sogenannten Sennrütiwald am Rand eines Fusswegs. Entdeckt hat ihn ein Spaziergänger. Und dieser ist entsetzt: «Ein Wildverbiss schaut definitiv anders aus - da ist jemand mit Werkzeug zur Sache gegangen. So etwas habe ich noch nie gesehen.» Tatsächlich: Die Rinde ist über grosse Flächen weggeschlagen und tiefe Kerben im Stamm zeugen von purer Zerstörungswut. Ob Baumbalsam die Tanne rettet oder der Baum eingeht, bleibt abzuwarten.

Vandalismus ist ein Dauerbrenner

Wer tut so etwas? Und weshalb? Fragen, die sich auch Barbara König immer wieder stellt. Bisher hat sie keine Antwort gefunden. Sie ist Eigentümerin der nahe gelegenen Parzelle, auf der einst das Damenluftbad des Kurhauses Sennrüti stand. Der idyllisch in einer Lichtung gelegene Platz mit möbliertem Holzunterstand und Grillstelle überlässt sie der Allgemeinheit kostenlos zur Nutzung. Familien feiern hier ihre Geburtstage, Vereine halten Kurse ab und die Schule belegt das Areal an drei Wochentagen als Freiluftschulzimmer. Am Auffahrtswochenende fand hier ein Pfadilager statt. Ob ein Zusammenhang mit den Aktivitäten beim Damenluftbad und der Baumverletzung im Nachbarwald besteht, ist völlig ungewiss.

Die Natur um Degersheim ist belebt. Das stellt auch Barbara König fest. Zerstörerische Übergriffe auf den Baumbestand habe es beim Damenluftbad bisher aber nicht gegeben. Sie sagt jedoch:

«Das Thema Vandalismus ist auch hier ein Dauerbrenner.»

Wobei Littering noch das geringste Problem sei. Erst recht seit das Areal während dreier Wochentage für den Schulunterricht genutzt werde. «Jetzt wird hier jeweils am Montag im Auftrag der Gemeinde aufgeräumt.» Ärgerlich seien hingegen die Schäden, die willentlich verursachten Beschädigungen am Unterstand, die sinnlose Sprayereien und dergleichen. «Es gibt dauernd etwas zu reparieren», sagt Barbara König und ergänzt: «Das kostet mich Jahr für Jahr viel Geld.»

Randalierer sind eine Minderheit

Das Sinnieren über eine Lösung hat sie aufgegeben: «Es gibt sie nicht.» Das Areal liege gut erreichbar in Dorfnähe und sei kaum zu überwachen. Die einzige Möglichkeit, den wiederkehrenden Ärger abzuwenden sähe sie im Abbruch der Bauten und der Räumung des Aufenthaltsplatzes. Doch das will sie nicht. «Es sind ja immer einzelne, denen Anstand, Benehmen und Respekt vor fremdem Eigentum fehlt. Die Mehrheit der Menschen freut sich, hier Verweilen zu dürfen.»

Der Holzunterstand befindet sich in gutem Zustand. Sollte sich das irgendwann ändern, würde sich aber auch Barbara König Gedanken über die weitere Nutzung der Waldlichtung und ihr Engagement zugunsten der Allgemeinheit machen.

Bäume lassen sich nicht einfach «zurückbauen»

So wie dies wohl die Eigentümer der Waldes um das ehemalige Herrenluftbad südwestlich des Wolfensbergs im Winter 2019/2020 getan haben. Damals zerstörte ein entwurzelter Baum den noch aus der Kurhauszeit stammenden Holzverschlag.

Im Winter 2019/20 stürzte ein entwurzelter Baum auf das alte Luftbad.

Im Winter 2019/20 stürzte ein entwurzelter Baum auf das alte Luftbad.

Bild: Andrea Häusler

Auch dieser Ort hatte immer wieder Personen angelockt, die nicht in erster Linie die Ruhe und die Natur geniessen wollten. Obwohl für diesen Platz, im Gegensatz zum Damenluftbad, nie eine Nutzungsvereinbarung bestanden hatte. Eine Initiative zum Wiederaufbau des Unterstands scheiterte. Die Überreste des Gebäudes wurden abgebrochen. Seither lebt das Herrenluftbad nur noch in den Geschichtsbüchern weiter.

Und die Bäume, die nun zur Zielscheibe von Vandalen geworden sind? Die lassen sich nicht einfach «zurückbauen». Da bleibt nur der Appell an die Vernunft. Und der erreicht erfahrungsgemäss vor allem jene, für die der Respekt vor der Natur und vor fremdem Eigentum ohnehin selbstverständlich ist.