LICHTENSTEIG/UNTERWASSER
Die Toggenburger Geschichte in zehn Episoden als Theaterstück

Das Toggenburger Museum in Lichtensteig feiert sein 125-Jahr-Jubiläum. Aus diesem Anlass spielen Laienschauspieler des Chössi Theaters Lichtensteig Episoden aus der Toggenburger Geschichte. Am Freitag war Premiere im Zeltainer in Unterwasser.

Christiana Sutter
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Auch der Mord am tyrannischen Statthalter Hans Ledergerw wird in einer Episode dargestellt.

Auch der Mord am tyrannischen Statthalter Hans Ledergerw wird in einer Episode dargestellt.

Bild: Christiana Sutter

Die 120 erlaubten Plätze im Zeltainer waren von Besuchern aus nah und fern besetzt. Sie alle waren gespannt auf das Theaterstück «Tigg-Tagg-Toggenburg».

Bruno Wickli und Barbara Bucher freuen sich über die Aufführung.

Bruno Wickli und Barbara Bucher freuen sich über die Aufführung.

Bild: Christiana Sutter

Die Szenen aus dem Toggenburg hat Michael Hasenfuss, Autor des Theaters, aus dem Fundus im Toggenburger Museum als fiktive Episoden zusammengestellt. Der gebürtige Deutsche hat sich schon fast als Toggenburger gefühlt, als er sich in das Material im Toggenburger Museum vertiefte.

Christelle Wick und «Zeltino» Martin Sailer.

Christelle Wick und «Zeltino» Martin Sailer.

Bild: Christiana Sutter

Dass die Schauspieler die Szenen nach den Vorstellungen des Autors auf die Bühne bringen, dafür ist Regisseurin Barbara Bucher verantwortlich. Musikalischer Coach ist Philipp Kamm. Er hat die musikalischen Ressourcen der Schauspieler genutzt, um die Szenen musikalisch zu begleiten.

Geschichte aus der Provinz

Die Hausiererin Historia verbindet die einzelnen Episoden des Stücks.

Die Hausiererin Historia verbindet die einzelnen Episoden des Stücks.

Bild: Christiana Sutter

Ein grosser Kasten mit vielen Schublädli steht auf der Bühne. Erste Darstellerin ist die Hausiererin «Historia». Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Hausieren im Toggenburg weit verbreitet. Mit der Chrääze wurden Brot und Würste von Haustür zu Haustür getragen. Die Hausiertrucke war für schwerere Gegenstände geeignet.

Die grosse Hungersnot des frühen 19. Jahrhunderts traf auch das Toggenburg schwer.

Die grosse Hungersnot des frühen 19. Jahrhunderts traf auch das Toggenburg schwer.

Bild: Christiana Sutter

Dass der Toggenburger Dialekt vielfältig ist, wissen die Toggenburger. Ein junger Toggenburger Schauspieler bringt eine Sprecherzieherin in Berlin zur Verzweiflung. Es entwickelt sich ein amüsanter Dialog, der zu keinem gemeinsamen Nenner kommt. Dass die Hungersnot zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch nicht Halt vor dem Toggenburg machte, zeigt eine weitere Episode.

«Historia» weiss alles und kennt alle

Immer wieder erscheint «Historia», der Geist des Toggenburger Museums, auf der Bühne. Sie ist es, die zwischen den einzelnen Episoden des Theaterstücks über die Menschen und Ereignisse berichtet. Sie weiss alles, sie kennt jeden und ihre Kommentare sind witzig und treffend. Sie sagt dann auch, «do söll ein säge, i dä Provinz werd kei Gschicht gschribä».

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab das Toggenburg vielen italienischen Migranten, den «Söhnen des Südens», Arbeit. Der Rickentunnel wurde gebaut, aber es wurde auch gestreikt. Dazu aufgerufen hat Benito Mussolini.

Lieber Lichtensteig als Hollywood

1912 besuchte der deutsche Kaiser Wilhelm II. das Toggenburg. Darüber erzählen Germania und Helvetia, nicht etwa beim gemeinsamen Tee, sondern bei etwas Stärkerem.

Auch das Obertoggenburg hat seine Episode, die des Johannes Seluner. Über seine Herkunft wird spekuliert. Ist es ein Adliger oder ein Armeleutebub? Auch nach seinem Tod 1898 sind die Spekulationen nicht vorbei.

Der Filmstar Marilyn Monroe dreht in Hollywood einen Werbespot für Kägi-fret.

Der Filmstar Marilyn Monroe dreht in Hollywood einen Werbespot
für Kägi-fret.

Bild: Christiana Sutter

Von der Alp geht es nach Hollywood. Dort sollte ein Werbespot mit Marilyn Monroe über Kägi-fret gedreht werden. In Hollywood dabei war auch Otto Kägi. Dieser war froh, wieder zurück ins Toggenburg zu gehen, er sagte: «Amerika I do not like, I go back to Lichtensteig».

Was den Entdecker und den Erfinder verbindet

Kurz vor seinem Tod trifft der Entdecker James Cook (links)den Erfinder und Gelehrten Jost Bürgi.

Kurz vor seinem Tod trifft der Entdecker James Cook (links)
den Erfinder und Gelehrten Jost Bürgi.

Bild: Christiana Sutter

Entdecker James Cook trifft in den letzten Stunden seines Lebens auf den Toggenburger Erfinder Jost Bürgi. Was die beiden verbindet, erfahren die Besucher von «Tigg-Tagg-Toggenburg» aus einem witzigen und nachdenklichen Dialog.

Auch Zeiten der Tyrannei gab es im Thurtal. Wie es dem Statthalter Hans Ledergerw erging, wird in einem Schnelldurchlauf erzählt.

Der Wintersport ist ein weiteres Thema.

Der Wintersport ist
ein weiteres Thema.

Bild: Christiana Sutter

Nicht fehlen darf der Wintersport. Die Toggenburger sind Pioniere im Wintertsport. Viele Sportgrössen hat das Toggenburg hervorgebracht und sogar eine Königin war zweimal in Unterwasser in den Winterferien.

Die Schätze des Toggenburger Museums

Bruno Wickli, Präsident der Museumskommission, und die Verantwortlichen des Toggenburger Museums wollten das 125-Jahr-Jubiläum nicht einfach nur mit einer Ausstellung feiern, sondern das Museum zum Volk bringen. Im Frühling 2020 entstand die Idee eines Theaterstücks.

Wer eignet sich da besser als das Chössi Theater Lichtensteig? Die Geschichten dazu waren mit Hilfe der Kuratorin, Christelle Wick, in den Schätzen des Toggenburger Museums zu finden. Die wahren Geschichten, gespickt mit Fiktion sind überraschend, witzig, lehrreich und regen zum Nachdenken an. Das Theater wird bis Ende Oktober an anderen Orten im Toggenburg aufgeführt.

Informationen und Reservation: www.tiggtaggtoggenburg.ch

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