Lichtensteiger Chössi-Theater eröffnet die Saison mit einem Zirkus

Mit dem Zirkus «Fahraway» eröffnete das Chössitheater am Samstagabend seine neue Saison. Wolldecken halfen im Zelt gegen die Kälte.

Michael Hug
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Waghalsige Seiltänzerei, verrückte Fahrradtricks: Solvejg Weyeneth und Valentin Steinemann vom Zirkus Fahraway. (Bild: Michael Hug)

Waghalsige Seiltänzerei, verrückte Fahrradtricks: Solvejg Weyeneth und Valentin Steinemann vom Zirkus Fahraway. (Bild: Michael Hug)

Es ist ein Wortspiel: «Fahraway» lässt sich englisch-deutsch mit «fahr weg!» deuten. Natürlich, ein Zirkus fährt, ist unterwegs, und fährt auch immer mal wieder weg, nicht lange nachdem er angekommen ist. Letzte Woche ist der kleine Zirkus Fahraway aus dem Baselbiet in Lichtensteig angekommen. Heute Montag fährt er wieder weg. Fahr away! Doch dazwischen lagen zwei Vorführungen.

Am Samstag hat der Zirkus die neue Spielsaison des Chössi-Theaters eröffnet. Am Sonntagvormittag spielte er für die Kinder im «Gofechössi». Besonders daran war, dass die Zirkustruppe nicht im Theater spielte, sondern im eigenen, brandneuen Zelt im Freien. Im Garten des Chössi-Theaters, der eigentlich viel zu wenig auf diese Art bespielt wird. Es bleibt in der Tat zu fragen, warum solche Vorstellungen im Zelt oder unter freiem Himmel im September stattfinden müssen statt im wohl wärmeren Sommer.

Wolldecken gegen die Kälte im Zelt

Denn es war recht kühl im Zelt am Samstagabend. «Aber es hätte noch kälter sein können oder es hätte auch regnen können», hörte man sagen in der – nicht verwundernd – kleinen Runde der Zuschauenden. Man hat also Glück gehabt. Und man hatte vorgesorgt: Es wurden Wolldecken bereitgehalten. Die man dann auch zahlreich nutzte – oder nutzen musste. Denn, wie erwähnt, es wurde ganz schön kühl. So kühl, dass man die Atemfahnen der Zirkusartisten sah. Diese jedoch liessen sich nichts anmerken, kamen auch so ins Schwitzen und waren vielleicht ganz froh, dass nicht mehr Sommer war. Das Chössi-Theater nutze die Gelegenheit und eröffnete mit einem offerierten, aber kühlen Apéro die neue Spielsaison.

Der Zirkus Fahraway – das Ensemble umfasst nur zwei Artisten, Solvejg Weyeneth und Valentin Steinemann – zeigte eine rasante, akrobatische und zugleich poetische Show. Und er spielte ein Stück, eine Geschichte, nicht nur eine Aneinanderreihung von spektakulären Nummern.

Spektakulär war die Schau dennoch: waghalsige Seiltänzerei, verrückte Fahrradtricks, wunderschöne Jonglagen. Er spielte die Begegnung zweier Menschen, die sich näherkommen, wieder entfernen, sich necken und ins Leere laufen lassen, aber schliesslich doch zusammenfinden. Clownerie ohne grosse Worte, dafür mit leisen Tönen, Akrobatik ohne Netz aber mit Witz.

Seiltänzer Tobi fehlt und wird ersetzt

Doch wo ist eigentlich Tobi? Der Titel des Stücks wird bald gewahr: Seiltänzer Tobi fehlt. Kommt einfach nicht. Nun ist nach dem Techniker, den Musikern, dem Pausenclown und den Vorhangaufhalterinnen auch noch der Soloartist abgehauen. Wohl in einer Toggenburger Beiz hängengeblieben.

Ein Ersatz muss her, und zwar schleunigst. Da meldet sich einer. Er ist zwar etwas ungeschickt, dafür kreativ und hat keine Scheu vor Rampenlicht und Publikum. Und er ist ziemlich verwegen. Blaue Flecken steckt er weg, Stürze sind eingeplant, statt mit schmerzverzerrtem Gesicht aufzugeben, grinst er frech und setzt sich wieder aufs Fahrrad. Die letzte verbliebene Musikerin hat alle Hände voll zu tun, den Neuen in seine Aufgabe einzuführen. Doch es gelingt und die Show kann weitergehen. Die Saison ist eröffnet.