Lichtensteig
Verrückte Idee mit Konzept: Ein Festival nur für Zimmerpflanzen

Der Künstler Jan Georg Glöckner bringt unter dem Titel «Festival pour les plantes» im Rahmen des «Kultur verussen»-Sommerprogramms vom Rathaus für Kultur ein Angebot ausschliesslich für Zimmerpflanzen nach Lichtensteig. Was sich verrückt anhört, hat Konzept.

Sascha Erni
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Jan Georg Glöckner (links) erhält für den Plakat-Druck Unterstützung von Silke kleine Kalvelage.

Jan Georg Glöckner (links) erhält für den Plakat-Druck Unterstützung von Silke kleine Kalvelage.

Bild: Sascha Erni

Vom 1. bis 18. Juli sollen sich Zimmerpflanzen vom Corona-Shutdown erholen können: Der Künstler und Forscher Jan Georg Glöckner lädt zum «Festival pour les plantes» ein. Mit seinem Lasten-Velo wird Glöckner die Pflanzen im Umkreis von 30 km einsammeln und klimaneutral aufs Festivalgelände beim Goldenen Boden chauffieren. Dort erwartet sie neben, wie Glöckner sagt, «bestem Lichtensteiger Wasser» auch Musik und Live-Performances.

Dank Urs Castelberger, der in der Gall’schen Offizin sein Bleidruck-Museum führt, kann Glöckner gleich vor Ort am dazugehörigen Werbeplakat arbeiten. Grafische Unterstützung erhält er dabei von Silke kleine Kalvelage, die im Städtchen ein eigenes Projekt zeigen wird. Beide waren zuvor bei «Dogo – Residenz für Neue Kunst» in Lichtensteig zu Gast. Das Rathaus für Kultur hat die beiden neben 18 weiteren Kunstschaffenden zur Freiluft-Aktion «Kunstspaziergang» eingeladen.

Fiktive Grenze zwischen Mensch und Natur

Jan Georg Glöckner und Silke kleine Kalvelage haben eine gemeinsame Kunst-Forschungsgruppe, wie sie es nennen. «Das Interessante an der Kunst sind die Fragen, nicht die Antworten», erläutert Glöckner. Das habe Kunst mit der Forschung gemein. Wenn man Fragen habe, würde man aktiv werden und ihnen nachgehen; Antworten hingegen führten oft zu einer passiven Akzeptanz. Mit dem «Festival pour les plantes» stellt er nun die Frage nach der Abgrenzung des Menschen von der Natur.

«Kunst ist eigentlich immer nur für Menschen gemacht», erklärt Jan Georg Glöckner. Tiere und Pflanzen seien höchstens Materialien für ein Werk. Dabei seien sie genau so Teil der Umwelt, wie auch der Mensch selbst. Hier setzt das Zimmerpflanzen-Festival an, indem es die Plätze vertauscht. Denn Jan Georg Glöckner überträgt den Besuch eines Festivals, was für viele Menschen während der Pandemie zu einer Sehnsuchtsvorstellung wurde, auf Pflanzen – und stellt so ironisch diese fiktive Grenze zwischen Mensch und Natur in den Fokus.

Vielfältiges Programm mit Musik und Spoken Word

Der Kunstspaziergang und damit das Zimmerpflanzen-Festival sind Teil der Aktion «Kunst verussen». Das Rathaus für Kultur präsentiert damit sein coronakonformes Sommerprogramm: Auf dem Rathausplatz finden verschiedene Konzerte und Spoken-Word-Auftritte statt, gleichzeitig sind im Lichtensteiger Stadtkern die Werke von zwanzig Kulturschaffenden zu bestaunen.

Während der Kunstspaziergang vom 1. bis 18. Juli frei zugänglich bleibt, endet das vielfältige Programm bereits am 10. Juli. Aber zu sehen gibt es viel. So bringt das Rathaus-Team beispielsweise zusammen mit der «beAchtbar» Rhaban Straumann und Jane Mumford (3. Juli), mit «Behind the Bush» die Band Klebeband (2. Juli) und mit dem «Gofechössi» den Zirkus Fahraway (10. Juli) auf die Freiluftbühne.

Hinweis: Wer seinen Zimmerpflanzen den Festival-Aufenthalt gönnen möchte, wendet sich entweder ans Rathaus für Kultur oder direkt telefonisch unter 077-260-60-53 an Jan Georg Glöckner. Weitere Informationen zu «Kultur verussen»: https://rathausfuerkultur.ch