Lichtensteig
Toggenburger Sand rettet das Rorschacher Sandskulpturen-Festival vor dem Kollaps

Bisher hat Urs Koller, Gründer des Sandskulpturen-Festivals Rorschach, immer auf Goldacher Sand gesetzt. Den gibt es nun aber nicht mehr. Eine Toggenburger Firma eilt zur Rettung.

Rudolf Hirtl
Merken
Drucken
Teilen
Festivalleiter Urs Koller vor dem letzten Haufen Goldacher Schwemmsand, der nun auch aufgebraucht ist.

Festivalleiter Urs Koller vor dem letzten Haufen Goldacher Schwemmsand, der nun auch aufgebraucht ist.

Bild: Rudolf Hirtl (April 2019)

«Als ich das hörte, habe ich Gänsehaut bekommen und es hat mir die Haare aufgestellt», sagt Urs Koller, Leiter des internationalen Sandskulpturen-Festivals in Rorschach und streicht sich dabei mit einem Schaudern über die Unterarme. Mit etwas Glück ist er aus dem Schneider, doch noch sind die Sorgenfalten auf seiner Stirn zu sehen.

Doch was ist passiert; was hat seine Gemütslage derart durcheinandergebracht? Die neue Kiesgewinnungsanlage von Walo, von welcher der Sand fürs Festival stammt, produziert zu sauberen Sand und der vor der Pandemie für das Festival gebunkerte Sand ist entweder aufgebraucht oder derart ausgewaschen, dass er für das Festival auf der Arionwiese nicht mehr zu gebrauchen ist. Vor einem Monat hat Urs Koller die Sponsorenbriefe verschickt. «Geschäftsführer Matthias Züst hat mich dann sofort angerufen und mir mitgeteilt, dass die neue Anlage viel sauberer ist und die 65 Jahre alte Maschine nicht mehr vorhanden ist, die den Festivalsand bis anhin produziert hat», sagt Urs Koller.

Toggenburger Sand als Rettung für das Festival

Züst hat Koller aber nicht mit der schlechten Nachricht sitzen lassen, sondern ihm den Kontakt von Reinhard Brändle von der Grob Kies AG in Lichtensteig vermittelt. Dort wird der Schwemmsand nämlich noch produziert. «Ich habe Reinhard Brändle angerufen und ihn gebeten, mir einem Sack Sand zu schicken, damit ich diesen testen kann», sagt Urs Koller.

Brändle hat den Sand aber nicht etwa zur Post gebracht, sondern sich mit seiner Lebenspartnerin ins Auto gesetzt und die Sandprobe höchstpersönlich ins Atelier des Festivalleiters gebracht. Koller hat dann sogleich eine kleine Skulptur gebaut und nach einer 14-tägigen Wartezeit war klar, dass der neue Festivalsand gefunden ist.

Sand kommt aus Degersheim

«Der Sand kommt von unserem Kies- und Betonwerk in Degersheim. Bei der Trennung von Sand und Kies bleibt dann unter anderem dieser Sand übrig, der aus maximal ein Millimeter grossen Körnern besteht. Es ist das feinste Material, das beim Waschvorgang durch das engste Netz fällt», sagt Reinhard Brändle. Er habe es bisher noch nie geschafft, dem Festival einen Besuch abzustatten. Doch nun, wo an diesem weit über die Grenzen bekannten Ostschweizer Anlass Toggenburger Sand verwendet werde, wolle er dies auf jeden Fall nachholen.

Reinhard Brändle von der Grob Kies AG in Lichtensteig.

Reinhard Brändle von der Grob Kies AG in Lichtensteig.

Bild: PD

«Wir freuen uns, dass das Festival mit unserer Hilfe stattfinden kann und wird stellen den Sand gratis zur Verfügung», so der Leiter Verkauf der Grob Kies AG. Geregelt ist auch, dass der Sand nicht mehr zurück ins Toggenburg gefahren werden muss, sondern dieser nach dem Festival von Walo kostenlos nach Goldach gebracht wird. Koller:

«Das ist eine super Sache, denn es war mir immer ein Anliegen, das Material aus der Nähe zu beziehen.»

Noch ist offen, wie die 18 Lastwagenfahrten für die 250 Kubikmeter Sand finanziert werden. Koller, der dankbar ist, dass das Festival auch nach der Pandemiepause breit unterstützt wird, hofft, für diese knapp 4000 Franken noch einen Sponsor zu finden.

www.sandskulpturen.ch